High Crusade - Frikassee im Weltraum



Originaltitel: The High Crusade (1994) Regie: Klaus Knoesel & Holger Neuhäuser
Drehbuch: Poul Anderson, Robert G. Brown & Jürgen Egger
Darsteller: John Rhys-Davies, Rick Overton, Michael Des Barres FSK: 16


Deutsche Genre-Produktionen, auhauerha. Und dann noch mit versucht britischem Humor im Monty Python-Stil. Das konnte nur schief gehen. Kein Grund, für Produzent Roland Emmerich (’Godzilla (in name only)’), es nicht trotzdem zu machen.

Okay, auf dem Papier klingt der Plot von ’High Crusade’ für Genre-Verhältnisse relativ brauchbar:

Most Wanted: Ray Cokes
Sir Roger (Rick Overton) ist gerade dabei, die liebliche Lady Catherine zu ehelichen, als ein Bote (Ray Cokes) aus dem Heiligen Land herbeieilt und vom Siegeszug der Sarazenen berichtet. Das versauert dem braven Sir Roger den Tag ganz gewaltig und bald sitzt er in den Hallen seiner Burg, um mit seinen Vasallen Sir Red John, Monsieur du Lac (Michael Des Barres) und Bruder Parvus (John Rhys-Davies) einen Plan auszutüfteln, wie man dem ungläubigen Heer am besten beikommen könnte. Wie’s der Zufall will, landet just in jener Stunde ein außerirdisches Raumschiff auf dem Burgrasen, gefüllt mit zwergenhaften, Laser schwingenden Alien-Dudes (ich liebe solche Zufälle). Gottes Hand und/oder filmische Fügung sind auf Seiten der Ritter und so besiegen die überraschten Blechheinis tatsächlich die technisch überlegenen Außerirdischen und nehmen ihren Weltraumschlitten in Beschlag. Ihr ahnt sicher, was jetzt folgt: Mit dem Raumschiff und seiner Besatzung in der Gewalt, begeben sich Sir Roger und sein Gefolge auf den Weg ins heilige Land, enden jedoch in der Dimension des Schwachsinns…

“Nein, Red John, das hier ist nicht die Originalgröße von Europa, nur eine maßstabsgetreue Zeichnung.“

Ich glaube kaum selbst, dass ich das schreibe, aber ich wünschte mir tatsächlich, die Macher von ’High Crusade’ hätten ihren Film, bzw. dessen Prämisse ernst genommen.

Mostly Drunk:
Knights of the Beer Table
Egal wie viele englische (Halb)Stars man in einen solchen Film packt, wenn das Drehbuch, die Regie und die Produktion von germanischen Landsmännern stammt, sollte man das mit dem britischen Humor lassen. Jeder merkt sofort, dass hier auf Biegen und Brechen bei den Pythons gemopst wird, nicht zuletzt bei Rick Overtons (’Blinde Wut’) Darstellung von ’Sir Roger’, die John Cleeses und Graham Chapmans Körpersprache quer drüber geschrieben hat. John Rhys-Davies (’Im Schatten des Kilimandscharo’) spielt wieder einmal fürs Geld, wenn auch nicht übel. In Kurzauftritten machen sich die britischen Kult-VJs Ray Cokes (Mensch, wissta noch?) und Jochen Nickel (’Bang Boom Bang’) zum Kasper.
Die lokale Fassung bedient sich einer, für diese Zeit längst aus der Mode gekommenen und leider auch ziemlich miesen Witz-Synchro, die zwar Thomas Danneberg am Ruder vorweisen kann, jedoch den spöttisch-frivolen Glanz der Rainer Brandt-Ära komplett vermissen lässt. Mittels doofem Gesabbel (“Mann, die haben dir aber ordentlich übers Bett gebügelt, Geliebte, was, wie?“) und Sprüchen südlich der Gürtellinie (“Unsere Rasse heißt auf Lateinisch ’homo’.“), die in italienischen 70er Jahre Filmen vielleicht noch den Schuh zum Wackeln gebracht haben, hier jedoch ins Leere hauen, wird ununterbrochen versucht, die stockende Handlung aufzulockern.
Die Ausstattung samt putziger Alien-Masken, Ritterkostüme, Mittelalter-Sets und Alien-Kulissen ist tatsächlich recht gelungen. Umso ärgerlicher, dass die Macher ihre krude Mischung aus Slapstick, ’Star Trek’ meets ’Kreuzzug’-Spoof und Python Rip Off niemals zu filmischer Einigkeit führen können.

Zitat: “Der Frühling steht vor der Tür!“
“Soll draußen bleiben!“

’High Crusade’, das auf einem Buch des amerikanischen Science Fiction-Autors Poul Anderson basiert (say what?), bleibt dank des aufgedrängelten Quatsch-Humors hinter seinen (zumindest einem flotten B-Movie zu aller Ehre gereichenden) technischen Möglichkeiten zurück und funktioniert letztlich weder als Science Fiction Film, noch als Komödie.
Neugierige Glotzfreunde absurder Genre-Mixe könnten einen Blick drauf werfen, Monty Python-Fans sollten meilenweit entfernt bleiben, um einen cholerischen Anfall zu vermeiden.


Hudson