Herkules – Der stärkste Mann der Welt



Originaltitel: Trionfo di Ercole, Il (1964)
Regie: Alberto De Martino Drehbuch: Alberto De Martino & Roberto Gianviti
Darsteller: Dan Vadis, Marilù Tolo, Pierre Cressoy FSK: 16


Uups. Da plündert und brandschatzt Milo, des Königs Neffe munter dessen Landstriche und wird mitten in der Tat vom Onkel erwischt. Was macht man da? Erst einmal leugnen und bei Misserfolg einen Speer in der Brust des Herren versenken und dessen Thron einnehmen. Von den Lippen des sterbenden Herrschers können nur noch folgende Worte entrinnen:
“Holt Herkules!“

"Hey, du Knilch! Warum sind wir hier in Schwarz/Weiß!?"

Der ist auch dringend nötig, denn die Mutter des Königsmörders ist eine Hexe, die mittels eines Zauberdolches Dämonen (gülden bemalte Glatzköpfe mit der Kraft von hundert Männern!) beschwören kann und so ihren Sohn vor dem wütenden Pöbel beschützt. Milo bandelt mit Prinzessin Ati an und plant schließlich, sie ermorden zu lassen und zwar durch ein fallendes Speer-Gitter mitten in der Rush Hour der Olympischen Spiele. Da unser Mann Herkules während jener Festivitäten aber Atis Gunst gewinnt und mit ihr auf dem Streitwagen unter besagtem Gitter entlang kurvt, gelingt es dem griechischen Hünen, das Attentat mit stählerner Manneskraft zu verhindern. Müssen halt wieder die güldenen Fleischmütz-Dämonen ran, aber auch die vertreibt Herki mittels Extrem-Gerümpel-Schmeißing im Nu.
Doch der hinterlistige Milo hat ein weiteres As im Ärmel. Er lotst den stärksten Mann Griechenlands in eine üble Intrige und bringt ihn dazu, einen Unschuldigen zu töten. Für diese Missetat bekommt Herkules von seinem Göttervater einen dicken Platzverweis erteilt: Er verliert seine übermenschliche Kraft und steht allein im Wind…

"Jaha, in Technicolor ist's schon besser.
Jetzt sind auch endlich die Rillen auf meinem Bauch richtig zu sehen!"

Ja, viel Dünkel im Reiche Griechenland. Doch sind es weniger die Intrigen, als die Heldentaten, die Monster und die unglaubliche Hebelwirkung des Titelhelden, die mich an einem solchen Schinken reizen. Hier bietet ’Herkules. der stärkste Mann der Welt’ nicht einmal Durschschnittskost. Ein paar Dehnübungen, die albernen Blattgold-Bodybuilder und ein lausiges Äffchen reichen mir einfach nicht, um 80 Minuten Sandalen-Kladderadatsch durchzustehen.
Angenehm bunte Kulissen und eine ähnlich farbenfrohe Ausstattung lassen zumindest gelegentlich die Mängel der Story vergessen. Herkules-Darsteller Dan Vadis erinnert äußerlich an seinen späteren ’Die sieben glorreichen Gladiatoren’ Co-Star Lou Ferrigno, nur fehlt ihm die Ausstrahlung, um dem populärsten aller Muskelmänner das gewisse Etwas zu verleihen.
Weniger Kabale und Liebe und mehr Charme und Schauwerte hätten diesem nett ausgestatteten, aber reichlich infantilen Sandalen-Steifen gut getan. ’Herkules, der stärkste Mann der Welt’ kann zwar dicke Spanten stämmen und grobe Kerle vermöbeln, hat aber nichts zu bieten, was wir nicht schon in dutzenden Antik-Schinken besser gesehen haben.


Hudson