Die Rache des Herkules


‘The mightiest adventure of them all!’


Originaltitel: Vendetta di Ercole, La (1960)
Regie: Vittorio Cottafavi Drehbuch: Marcello Baldi, Mario Ferrari, Marco Piccolo, Duccio Tessari & Archibald Zounds Jr.
Darsteller: Mark Forest, Broderick Crawford, Gaby André FSK: 16


Oh Herkules, du antiker Kampfkoloss, Held meiner Kindheit und Bezwinger diverser griechischer Übel, deine Filme haben mich immer begeistert. Du warst der ’Schrecken der Hunnen’, ’Held von Karthago’ und ’in New York’ und du warst Lou Ferrigno, Steve Reeves und Kevin Sorbo.

”Fessel mich soviel du willst!
Mein Kleid ist trotzdem viel
schöner als dein Röckchen!”
Hier bist du Mark Forest und steigst hinab in die Unterwelt, um einen riesigen Klunker aus dem Höllenfels zu brechen, mit dem du sicher das Budget dieses ganzen Streifen berappen könntest, ihn allerdings doch lieber den Göttern der Rache opferst.
Schon der Vorspann verheißt uns blubbernde Lava-Geysire, halbnackte Muskelmänner und sphärische Klänge, begleitet von singenden Musenstimmen. Es dauert nicht lange, bis der Titelheld an das erste Monster gelangt. Es ist eine in Ketten gelegte, feuerspeiende, dreiköpfige Hundepuppe, die Herkules vergeblich mit einem blutgetränkten Laib Brot zu bändigen versucht, dennoch nicht um einen jaulenden Zweikampf herum kommt.
Perfekt eingestimmt, wird man als nächstes mit Herkules’ irdischen Widersachern bekannt gemacht, die, angeführt von dem narbengesichtigen Fettwanst Euritheus, Herkules Abwesenheit nutzen wollen, um Theben zu stürmen. Als erstes wird Herkules Sohn Hyllus verschleppt, der Thea liebt, aber von Ismene, der Frau von Tindaros (welcher der bärtige Berater vom bösen Eurytheus ist) hinters Licht geführt wird. Plötzlich fürchtet Hyllus sich vor Herkules’ Rückkehr, aus Angst dieser könnte ihm Thea ausspannen, was ja Blödsinn ist, da Hyllus sein Sohn ist und er seine Frau Deianira, Hyllus Mutter, ja liebt und nicht etwa Thea, was aber Hyllus nicht weiß, da der ja von Ismene geblendet wurde, die im Auftrag von Tindaros handelte, der selber aber ein Auge auf Alcinoe, eine Sklavin Eurytheus’ geworfen hat… aber das würde jetzt zu weit führen. Tatsache ist 1.)

Niedlich und tot
dass Herkules einer Verbindung zwischen Thea und Hyllus nicht zustimmen will 2.) er groß und stark genug ist, um dafür keine Gründe nennen zu müssen und seinen Sohn einfach an einen Baum bindet, als dieser ihm nicht gehorcht und 3.) dieses kolossale Story-Geschwurbel so überflüssig ist, wie einem bratenden Wildschwein die Kopfhaut abzuziehen (der Meinung sind jedenfalls die Macher dieses Schinkens.)
Denn, geben wir’s ruhig zu, wir wollen doch nur eines sehen: Herkules im Einsatz!
Und nachdem etliches Ränke-Palaver und inflationärer Gebrauch griechischer Dramen-Namen ihren Punkt klar gemacht haben, bekommen wir genau das.
Herkules lehnt sich gegen die Götter auf und beginnt seinen Feldzug gegen alles und jeden, das sich ihm in den Weg stellt. Dass dabei einiges zu Bruch geht, steht außer Frage. Ganze Paläste reißt er ein, ringt mit Elefanten, zertrümmert Höhlen und Knochen, Zentauren und Bären, Statuen und gewaltige Stadtmauern. In Schlachten beweist er sich als der fähigste Gegner-Stemmer-und-dann-Wegschmeißer, der je auf Erden wandelte.
Hauptdarsteller Mark Forest wird dabei in erster Linie seinem Namen gerecht, insofern der Spruch ’ein Mann wie ein Baum’ nicht mehr für ihn reicht. Sein Gegenspieler Broderick Crawford stellt sich im Laufe des Filmes als besserer Fiesling heraus, als zuerst angenommen. Als Dreingabe gibt’s ein an Strippen hängendes Fledermaus-Drachen-Affen-Dingens, das so klingt, als hätte es einen Spielautomaten verschluckt, riesige Helmbürsten und ein Bärenkostüm aus der Behindertenwerkstatt.

”Einigen wir uns auf unentschieden?!”

Summa Summarum also ein nettes Sandalen-Filmchen mit dicken Muckis, lachhafter Ausstattung und dramatischem Plot, das jung gebliebenen Sagen-Fans mit wenig Anspruch einen amüsanten Nachmittag bereiten dürfte.

Hudson