Die Irrfahrten des Herkules


‘Ein Mann wie ein Gott’


Originaltitel: Goliath contro i giganti (1961) Regie: Guido Malatesta
Drehbuch: Arpad DeRiso, Gianfranco Parolini, Cesare Seccia, Giovanni Simonelli & Sergio Sollima Darsteller: Brad Harris, Gloria Milland, Fernando Rey FSK: 16


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Das ist wieder mal typisch. Da reißt man sich den durchtrainierten Arsch fern der Heimat für Freiheit, Wohlstand und einen Highlevel Body Count auf, während sich zu Hause der erstbeste Usurpator den Thron unter den Nagel reißt. Herkules (Brad Harris) hätte es besser wissen sollen, als dem ollen Bokan (Fernando Rey) die Amtsgeschäfte zu überlassen. Dem Typen fehlt die Schnurre zum Vollbart. Und jeder weiß, dass Typen mit Kinnbart die Bösen sind!
Jetzt hat der gut geölte Held der griechischen Antike den Sagensalat. Auf der Heimreise geht natürlich auch alles schief. Als nach ein paar Attentatsversuchen sein Schiff von einem riesigen Gummidrachen in die Fluten geboxt wird, können Herkules, die geheimnisvolle Elea (Gloria Milland) und ein paar Redshirts sich an Land retten. Zu dumm, dass es das Land der Aggro-Amazonen ist. Ein paar tote Redshirts später ist die Situation mit den Amazonen jedoch geklärt und man begibt sich auf den Weg durch die Wüste. Während Herkules und seine Begleiter sich der Heimat des Helden nähern und dabei mit Gorillas, Höhlenmenschen und Löwen herumärgern müssen, heckt Bokan einen sinisteren Plan aus…

Gummidrachen & Männer in Plüschkostümen

“Herkules wird Beirat nicht betreten. Dies Land gehört mir. Dieser Thron gehört mir! Mit meinem Staatsrat, mit meiner Leibwache, mit den Riesen und Ungeheuern werde ich ihm die nötige Abfuhr erteilen.“
“Aber du kannst ihn auf einfachere Weise aufhalten.“
“Natürlich… indem ich alle Tore der Stadt streng bewachen und ihn dann gefangen nehmen lasse!“

Ausgelassener Humor an allen Ecken

Jaha. Gegen solche Superhirne hat kein Held der Welt eine Chance.
Aber einen cleveren Plot sollte man bei einem Sandalen-Schinken wie ’Die Irrfahrten des Herules’ auch wirklich nicht voraussetzen. Hier geht’s um dicke Arme, schöne Frauen, Gummimonster und Schlachten. All das bietet der Film, wenn auch nur lose durch dramaturgische Treffpunkte verbunden und nicht ohne Durststrecken.
Zu rumpelnder Orchestermusik, lässt Brad Harris (’Die sieben glorreichen Gladiatoren’) vor amüsanten Kulissen und auf Hochtouren arbeitenden Nebelmaschinen die Muskeln spielen, stemmt Menschen, Gitter, Balken und Felsen gleichermaßen (das ’Stemmen’ ist ja die Königsdisziplin unter den Muskelmännern von Steve Reeves bis Bolo Yeung) während Fernando Rey (’1492: Die Eroberung des Paradieses’) genüsslich die psychopathische Schurkenrolle zelebriert.
Die Spezialeffekte sind wie so oft im ’Swords & Sandals’-Subgenre amüsant käsig geraten. Echsen-Aufnahmen aus dem Aquarium müssen als Unterwassermonster-Attacke herhalten, ein Stuntman im Plüschbezug gibt den reißenden Arena-Löwen und mit Streufell beklebte und durch Plastikkauleisten grinsende Fettwänste grüßen aus dem Neanderthal.

Und weil's so schön war: Noch mehr Plüsch & Gummi

Fazit: Kein Highlight seiner Zunft, aber geradlinig, unterhaltend und käsig genug für drei Fondue-Abende. Für einen Sandalen-Schinken eine runde Sache.


Hudson