Herkules



Originaltitel: Hercules (1983) Regie & Drehbuch: Luigi Cozzi
Darsteller: Lou Ferrigno, Sybil Danning, Brad Harris FSK: 12


„Das Chaos verband sich mit der Dunkelheit. Und aus dieser Verbindung entstanden Tag und Nacht, Materie & Luft.“ tönt die Stimme aus dem Off und erläutert uns eben mal eine völlig neue Entstehungsgeschichte des Universums.
Die Büchse der Pandora ist explodiert und die Kräfte der Dunkelheit sind freigesetzt worden.

Kein Witz: Gleich schmeißt er
das Vieh ins All und erschafft
so das Sternbild 'Großer Bär'!
Die Götter (wohnen auf dem Mond und tragen Riesen-Kronen & abgefahrene Designer-Klamotten vom ’Weißen Riesen’!) müssen die Menschheit gegen das Böse schützen. Da Zeus aber nur einen Energie-Ball über hat, schickt er diesen nach Griechenland in die Wiege eines Säuglinges.
Theben im Bronxe-Zeitalter: Ein grelles Licht landet in der Windel von Herklules, dem Sohn von König Amphytrion und Alkmene. Doch ein Feind lauert inmitten des Hofstaats. Ein paar Archivaufnahmen aus alten Sandelen-Schinken später und Herkules Eltern sind von Schergen ermordet worden. Die Amme kann jedoch mit dem Kind fliehen und schafft es gerade noch, den Fratz in ein Ruderboot zu packen, bevor ihr auch schon ein Pfeil im Rücken steckt. Führerlos schippert der Kahn auf dem Fluss herum und landet nach einigen göttlichen Interventionen (Knet-Motion Hand und Gummischlangen) in der Obhut eines netten, kinderlosen Paares.
20/30 Jahre später wird der arme Stief-Papa von einem Bären (wieder ’ne Archivaufnahme) und Stief-Mama von einer riesigen Lego-Monsterbiene getötet. Beides ist der fiesen Hera zu verdanken, die (wie wir ja alle wissen) einen Groll gegen den Muskelmann hegt und zusammen mit dem bösen König Minos und der pappohrigen Erfinderin Daedalos an Herkules Ableben arbeitet.
Diesen zieht es nun nach Troja (!), wo König Augias Wettkämpfe austragen lässt, um den besten Mann für seine Tochter Cassiopeia und seine mistigen Stallungen zu finden…

Nicht schlecht für eine knappe halbe Stunde oder?

Knochenkalle Charon und sein
flottes 'Death Boat'.
Tja, das war’s dann aber auch schon in Sachen Epik. Denn was folgt ist 1.) recht handlungsarm und 2.) ziemlich alberner Fantasy-Rummel.
Mit anderen Worten: Noch mehr Legomonster, Flash-Effekte aus der Lichtmaschine, Lederschurze, und was die griechische Mythologie noch so alles hergibt: Charon, Feuer-Vogel Phoenix, der geflügelte Streitwagen des Prometheus (?) und die ’grüne’ (??) Insel Kreta, vor deren Hafen der Koloss von Rhodos (???) Wache steht. Dazu wieder mal die Italo-Fantasy-Sandalen eigenen Settings der verschrobenen Art. So wird Herkules per Zauberkraft in einen Riesen verwandelt, um Afrika von Europa zu trennen und fliegt danach durch’s Weltall…OHNE RAUMANZUG…ich meine...ähm…ja.

Was man damals alles am
Strand finden konnte!
Die Schauspieler schlagen sich wacker und das meine ich auch eher wörtlich. Vor allem Ferrignos Gestik/Mimik beschränkt sich auf das nötigste (Muscle-Flexing meets Grimmig-Dreinstarring). Für mitreißende Darstellungen tiefgründiger Charaktere ist der Gute ja auch wirklich nicht bekannt.
Neben Busen-Dolly Sybil Danning, Sidekick Brad Harris & Gesichtsverzerrer Yehuda Efroni (diesmal als bösartiger Ratgeber) sind auch etliche Sets der Italo-Produktion 'Die sieben glorreichen Gladiatoren' entliehen. Die Produzenten scheinen überhaupt einen verquerten Sinn für Authenzität zu haben. Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, dass wieder mal ein König seinen Thron inmitten alter, staubiger Trümmer-Ruinen aufstellen ließ.

Ist ein Ochs grad nicht zur Hand,
pflügt Ferrigno selbst das Land!

Bestimmt wird sich der eine oder andere B-Film Liebhaber für ’Herkules’ begeistern können. Der Film ist zwar doof, aber nie langweilig und hat sich einen Platz in den amüsanteren Rängen der ’Hall of Shame’ locker verdient. Doch bedenkt; schon als 11-jähriger war mir bewusst, dass es sich bei ’Herkules’ um Trash handelt…und damals kannte ich diesen Begriff noch gar nicht.

Hudson