Herkules in New York


‘It's Tremendous!! It's Stupendous!! It's Fun!!’


Originaltitel: Warlords of Atlantis (1978)
Regie: Arthur Allan Seidelman Drehbuch: Aubrey Wisberg
Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Arnold Stand, Deborah Loomis FSK: 6


“Ich hab die Schnauze voll!“
Herkules (Arnold Schwarzenegger) braucht endlich eine Auszeit vom Lebemann-Dasein im Olymp, wo seine Halbbrüder und Schwestern den ganzen Tag über den Rasen turnen, in der Sonne herumscharwänzeln oder anderen dekadenten Nichtstuerein nachgehen.

Oh, Gott...
Göttervater Zeus will davon nichts wissen, überhaupt hat sein Sohn, der griechische Halbgott, seine Geduld in letzter Zeit einmal zu oft auf die Probe gestellt.
“Ich hätte lieber Golf spielen sollen, als mich mit deiner Mutter zu vergnügen!“ ist sein letztes Wort. Als Herkules ihm dann auch noch dumm kommt, hat Zeus die Kappe voll. Mit einem Blech-Blitz schickt er den Aufmüpfer auf die Erde (was natürlich genau Herkules’ Wunsch entsprach).
Nachdem er einer alten Dame in einem Flugzeug eine Heidenangst eingejagt hat, auf einem Schiff gelandet ist und sich nett vorstellt (“Ich bin der Sohn des Zeus.“ “Deine Familienverhältnisse interessieren mich nicht!“) und schließlich eine ganze Meute Hafenarbeiter vermöbelt hat, gerät er in die Gesellschaft von Pretzie (Arnold Stang), einem lustigen, nerdigen Pretzelverkäufer, der in erstmal in die New Yorker ’Society’ einführt. Als Herkules während eines Rendez Vous im Central Park einen Braunbären (genauer: einen betrukenen Schausteller im Bärenkostüm aus der Sesamstraße) zur Räson bringt, werden auch bald große Wrestling-Promoter auf ihn aufmerksam, was andererseits weniger große Schmalspurganoven auf den Plan ruft, die Pretzie, inzwischen Herks Manager, die Butter vom Brot nehmen wollen.
Und auch Zeus ist gar nicht angetan, von seines Sohnes schmächlicher Schau auf Erden. Als alle Warnungen nicht fruchten, schickt der Ober-Olymper die Rachgöttin Nemesis auf Herkules’ Fersen, um ihn für 100 Jahre in den Hades zu werfen. Die olle Hera ist mit Zeus’ Strafe jedoch ganz und garnicht zufrieden und schlägt Nemesis vor, dem alten Helden einfach die übernatürlichen Kräfte zu rauben…

Schmeiß die Kuh in den Busch: Arnies erster Film!

Da kieckste!

“Vielleicht machen sie ihn dort sogar zu seinem König!“
“Es gibt dort keinen König, nur einen Präsidenten?“

Was vor 36 Jahren noch ein schlechter Witz war, versetzt heutzutage Demokraten der Vereinigten Staaten in gröbste Panik. Dies soll dann aber auch das einzig prophetische Element dieser Mitternachts-Gurke sein. Wer Herrn Schwarzenegger nach dem Genuss des Films eine große Karriere prophezeit hätte, wäre gewiss daraufhin in die Zwangs-Jacken-Anprobe gebeten worden.

Wenn man muss, dann...
Von seinem Freund und Body-Building-Kollegen Reg Park (‚Herkules erobert Atlantis’) angespornt, nahm der junge, junge… sehr, sehr junge, absolut faltenfreie, aber schon damals herrlich tumb dreinschauende Arnold Schwarzenegger seine erste Filmrolle an. Faltenfrei, rote Backen, Zahnlücken so groß wie der Grand Canyon und mit keinerlei Schauspielerfahrung (abgesehen vom Posen auf den Bühnen der ’Mr.Univerum’-Award-Verleihungen, die allerdicngs auch hier von ihm abverlangt wurden) warf er sich in die Toga des griechischen Sagenhelden und führte somit den amerikanischen Traum ad absurdum. Wie er hier in seiner Matrosenkluft, das Pullöverchen über die Schultern geworfen, die Wollmütze auf der Birne und der Schlag um die Knöchel da durch die Massen tänzelt, prügelt und grinst, sich später sogar in feinsten Zwirn presst und einfach nur… dreinschaut, ist so ampsant wie uglaublich.
Den Film im O-Ton zu sehen bringt leider keine Comedy-Pluspunkte, da Arnie mit seinen 23 Lenzen zwar schon ein Tier war, aber das amerikanische Publikum noch nicht bereit für seinen österreichischer Akzent war. Für seinen Namen, so dachten die Produzenten, übrigens auch nicht. Kurzerhand wurder er in ’Arnold Strong’ umbenannt. Das passte dann auch hervorragend zu Co-Star Arnold Stand, der (obwohl auch kein Mime der ’Shakespearschen Schule’) den steirischen Bullen in ihren gemeinsamen Szenen locker an die Wand spielt. Schauspiel-Talent war nie Arnolds Stärke, das weiss selbst ein Fan wie ich, der noch immer etwas Erfreuliches in den Auftritten des Mannes mit den Beulen fand. Arnie hat einfach das gewisse Etwas; eine Art Charme, eine Aura des Protz oder vielleicht doch einfach nur einen unleugbaren Camp-Faktor.
Es ist einfach nur zum Schreien, wenn er sich seiner diversen Oberteile entledigt, um den Anwesenden seine Statur zu präsentieren.
Und mit den Laiendarsteller die ihm (abgesehen von Stang) vor die Nase gesetzt worden, befindet er sich auch in bester Gesellschaft. (Stichwort Zeus, der seine Pfeile verschleudert und damit Büsche abfackelt und Pappmaché Kulissen umwirft).

Zweispänner mit drei PS

Um es kurz zu machen: Ein leidlich amüsante Gaudi, auf niedrigstem Niveau.
Eigentlich reicht’s, wenn mann sich die letzten zwei Minuten ansieht, in denen man eine nette Zusammenfassung aller ’wichtiger Ereignisse’ des Film noch einmal aufgetischt bekommt. „Für meine Ohren klingt das alles unangenehm schrill!“
Irgendwie hat die olle Hera ja schon recht, aber lustig war's auf seine eigene, bekloppte Art und Weise schon...

Hudson