Herkules erobert Atlantis


‘Half Woman! Half Stone! THE WEIRDEST!
THE WILDEST! Half Woman! Half Stone!’


Originaltitel: Ercole alla conquista di Atlantide (1961) Regie: Vittorio Cottafavi Drehbuch: Vittorio Cottafavi, Sandro Continenza, Duccio Tessari
Darsteller: Reg Park, Fay Spain, Ettore Manni FSK: 18


Und wieder einer dieser schönen alten ’Herkules’-Schinken mit Reg Park, der den Mann aus Stahl auch in ’Vampire gegen Herakles’ und ’Die Herausforderung des Herkules’ gab.

Herkules und seine Familie leben in Frieden und Wohlstand im antiken Zauberreich Griechenland, wo der Ouzo fließt und die Hammel schweigen.

'Ready, Steady, Waterski!'
Doch ein dunkler Schatten oder ähnliches Unheil liegt auf Theben, dessen König Androles, ein alter Weggefährte der griechischen Eiche, Herkules bittet, ihn zu begleiten, dieses Unheil vom Landstrich zu tilgen.
Entgegen den Willen seiner Herzdame wird er von seinen Freunden auf ein Schiff verschleppt (wenn man’s also genau nimmt, auch gegen seinen Willen), das gen Horizont segelt. Bald ist der Mann mit dem Mast als Arm auch in Abenteuerlaune, nur die Gesellen am Ruder haben eine merkwürdige Einstellung zur Schifffahrt, es handelt sich nämlich um Sträflinge, die in Szene drei natürlich gleich einen Aufstand üben.
Schnell sich dieser Ganoven auf einer Insel entledigt, reist Herkules mit Androkles, dem Zwergen Poochie… äh Timotheus und einem blinden Passagier (Herkules eigen Fleisch und Blut, Sohnemann Illo) weiter über’s Meer, über’s Meer.
Bald treffen sie auf die Insel des Protheus, einem bösen Gott, der eine Sklavin in Stein geschlagen hat. Herkules’ Eindringen mundet dem Zausel gar nicht, so verwandelt er sich mittels ’Bad Magick’ in allerlei Getier (inklusive eines verschärften Riesen-Salamanders aus Klebe-Gummi, mit Horn und Nase-Rauchen, aber mit Glühbirnen hinter den Augen), bis Herk ihn vermöbelt, dass die Wände bluten. Dieses Deathmatch war schlechterdings gegen den Willen der Götter. Aber immerhin, kann ihn die befreite Steinmaid jetzt in ihre Heimat einladen, ins sagenumwobe Atlantis, wo ihre Mutter, die finstere Herrscherin, den griechischen Helden für üble Zwecke missbrauchen will…

’Sieh da, sieh da, Timotheus, die Kraniche des Ibykus’

Zwar gibt’s hier keine Kraniche zu bestaunen, dafür aber einen Geier, der an zwei deutlich sichtbaren Strippen durch eine Höhle gescheucht wird.

"Also schön, wer von euch
hat mich Keule genannt?"
Willkommen im Land der Sagen und Fabelwesen, wo die Glieder einer Stahlkette beinahe Hula-Hoop-Reifen-Umfang haben, wo der Polytheimus herrscht und man jeden Tag einer anderen Gottheit lobhudelt und auch schon mal hier und da mysteriöse Schatten in Kamera-Form durchs Bild huschen.
Der auf Sandalen-Epen spezialisierte Regisseur Cottafavi und seine Crew haben lange und ausgiebig in Fachwerken alter griechischer Sagen-Welten geblättert und sich so gut wie möglich an das Quell-Material gehalten: Eine riesige Auswahl an Helmen, Frisuren und Bärten, güldene Kulissen, Karton-Felsen, gelber Rauch, herabsenkende Kammerdecken, ein Säurebad unter einem Schiebe-Thron, italienische Orchester-Musik, eine atlantische Ballett-Truppe mitsamt schwulem Vortänzer, ein Kleinwüchsiger als Comic-Relief (wobei ich mich zum wiederholten Male fragen muss, ob ein solcher Film tatsächlich Comic-Relief nötig hat) und ein ereignisreiches Finale (na was passiert wohl am Ende der meisten Filmen, die das Wort ’Atlantis’ im Titel haben?).
Meine Damen und Herren, ich weiß nicht, wie es um sie bestellt ist, aber mir reicht das völlig, um unterhalten zu werden.
Das einzige, was mich bei diesen Streifen immer ein wenig stört, sind die übertriebenen Ränkeschmiedereien und dauerhaften Gesprächs-Schwälle. Wenn’s nach mir ginge, würden Herakles und seine Schaules ununterbrochen durch die Ägäis schippern, Inseln von Monstern und Riesen befreien, Stämme schmeißen, an Ketten ziehen und hin und wieder ein Mädel retten, um einen chauvinistischen Einzeiler zu bringen. But hey, that’s just me.

“Nimm diese Tischplatte und schleuder sie fort, mit all deiner Kraft!“

"Nein, ich werde wirklich nicht bohren!"

’Herkules erobert Atlantis’ und die Herzen der Zuschauer mit einfachem Gemüt. Kinder, Fantasy-Sandalen-Fans und Studenten Griechischer Geschichte wird diese Mär sicher erfreuen. Hooray for Herc!

Hudson