Die Liebesnächte des Herkules



Originaltitel: Gli amori di Ercole (1960) Regie: Carlo Ludovico Bragaglia
Drehbuch: Sandro Continenza, Luciano Doria & Alberto Manca
Darsteller: Jayne Mansfield, Mickey Hargitay & Massimo Serato FSK: 16


Was erwartet ihr von einem italienischen Sandalen-Schinken aus den 60er Jahren, in dem der Name ’Herkules’ im Titel vorkommt? Ich will euch gerne sagen, was meine Kriterien sind:

1.) Ein eingeölter Held mit hölzerner Gestik und steinerner Mimik:


2.) Eine schöne Frau mit Locken und Bomben-Oberweite:


3.) Ein Bösewicht, den man sofort daran erkennt, dass er seine Gesichtsbehaarung auf einen Kinnbart beschränkt und der Ränke schmiedet:


4.) …mit diversen in Togen gekleideten Männern:


5.) …während unser Held ein gewaltiges Gummi-Monster bekämpft:


6.) …oder ein gewaltiges Tier:


7.) …nachdem er sich Rat bei einem weisen Orakel geholt hat:


8.) …und sich dann mit Amazonen anlegt:


9.) …oder mit einem Fellmonster:


10.) …nur um dann einen riesigen Pfahl zu stemmen:


11.) …oder einen großen Felsbrocken:


12.) …oder ein gewaltiges Rad:


13.) …oder einen anderen Typen:


Das sind hohe Ansprüche, ich weiß. Und ich würde niemals erwarten, dass EINER dieser Streifen mir ALL DAS in einer Laufzeit von gerade mal 93 Minuten bietet. Aber genau das kann ’Die Liebesnächte des Herkules’ für sich beanspruchen. Ich bin begeistert.

Ye Olde Pillaging Foreplay
Dabei fängt es zunächst behäbig tragisch an, als das Dorf von Herkules, der wohl gerade auswärts jagt, von gemeinen Schurken überfallen und seine Frau vom fieseligen Licos getötet wird, was dieser seinem Heerführer in die Schuhe schiebt, dem König von Ecalia, den er kurz darauf auch gleich um die Ecke bringt. Herkules (eingeölt, hölzern bis steinern) ist selbstverständlich not amused und reitet nach Ecalia, um Revanche, Gerechtigkeit oder Blutrache einzufordern. Doch der König ist tot, lang lebe seine Tochter Deianeira. Die wird von Jayne Mansfield (Bombenoberweite) gespielt und hat dementsprechend gleich Herkis uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Vergessen ist sein totes Volk, die ermordete Frau und der Vendetta-Kram, jetzt gilt’s, die neue Alde klarzumachen. Doch Fiesfresse Licos (Kinnbart) hat schon den gleichen Plan, nur kann der nicht mit freiem Oberkörper und dicken Armen punkten, dafür aber herrlich Intrigen schmieden. Deianeira ist nämlich schon einem anderen versprochen und als Herkules sich mit jenem welchen in die Wolle kommt, arrangiert Licos ein hinterhältiges Attentat auf den Versprochenen und schiebt dem Sohn des Zeus (hier Sohn des Jupiter, wir sind ja bei den Römern) die Missetat in die Sandale.
Jetzt muss Herkules seine Unschuld beweisen und das macht er nicht in einer Anhörung vor dem Senat (Togenträger), sondern im freien Feld, wo allerlei Gefahren für Leib (Gummi- und Fellmonster) und Seele (Amazonen) auf ihn warten…

Grapschulon das Wurzelwesen

Dass Herkules auch diverse Objekte stemmen muss (die Meisterdisziplin eines jeden Sandalenschinkens, in dem ein Muskelmann die Hauptrolle hat), versteht sich von selbst. Dass sich Hauptdarsteller Mickey Hargitay (’Scarletto – Schloss des Blutes’) dabei so herrlich infantil und unbeholfen gibt, tut dem Filmspaß keinen Abbruch, ganz im Gegentum. Hier lacht das Herz, hier ruht die Seele, hier wackelt das Fleisch.

"Küss mir auf die Nase, Kleines!"
Mit Jayne Mansfield hatte man sich eine Hollywoodschönheit an Bord geholt, die wie viele andere Hollywoodschönheiten zu jener Zeit (Steve Reeves, Richard Harrison et.) ihr Glück in Rom suchten, weil man in Hollywood mittlerweile mehr Wert auf Talent legte. Mansfield ist an Hargitays Seite (die sie auch im echten Leben schmückte, die beiden waren zur Zeit der Dreharbeiten verheiratet) ganz gut aufgehoben, schließlich ist sie auch die einzige Person im Film, die es mit seiner Oberweite aufnehmen kann. Kongruent zu ihren oberflächlichen Vorzügen, wurde sie hier sogar für zwei Rollen besetzt. Den restlichen Schwung akquirierte man aus dem örtlichen Lendenschurz-Sammelsurium, ist aber hier auch nicht weiter wichtig. Kommen wir lieber zu Papas Darlings, den diversen Monstrositäten. Und Leute, hier schreit das Zwerchfell nach Bommerlunderpudding! Ich hab’s euch oben in der Bildersammlung ja schon präsentiert: Charmant schrottige Viecher und peinlich pappige Kulissen, soweit die Linse reicht.

Da kommt das "Fall" aus Falle her
Neben Flauschor, dem Fellmonster, das ohne ersichtlichen Grund in den letzten fünf Minuten aus dem Zylinder gezogen wird, um Herkules als letzte Kuschel-Hürde den Weg zum Abspann zu versperren, gibt es winkende Baumkreaturen, die von Amazonen-Königin Hyppolita aus ehemaligen Liebhabern gehext wurde und natürlich die Hauptattraktion des Films, dessen Originaltitel ’Hercules vs. The Hydra’ lautet.
Die Auseinandersetzung des Helden mit dem wackelnden Gummigebilde ist dermaßen putzig, dass jegliche Unzulänglichkeiten in Sachen Tricktechnik sofort mit einem Schmunzeln vergessen sind. Leider ist es die Art von Hydra, der nach der Enthauptung keine Köppe nachwachsen, weil das einfach nicht im Budget drin war. Aber ’Hercules vs. the Three Headed Monster’ klang halt nicht so schmissig (und hätte vier Jahre später womöglich TOHO in Lizenzprobleme gebracht).

HERCULES VS. FURANKENSHUTAIN!

Der Film verbindet die Begegnungen des Helden mit seinen diversen Widersachern in einem sehr angenehmen Tempo und sein Publikum weiß immer, was anliegt, wo es hingeht und warum gelbe Nebelschwaden in Steinbrüchen nahe der Toskana immer noch am Besten zur Geltung kommen. Mit einem Helden, der zwischen kindlichem Enthusiasmus und halsstarriger Tumbheit hin und her schwankt, Jayne Mansfields wohlgeformten Werten, den kuddeligen Monstrositäten und soviel römischem Genre-Lokal-Kolorit, wie man nur mit den Augen aufnehmen kann, bleibt mir hier nur noch, den Zausel in ’Leben des Brian’ zu zitieren: Folgt der Sandale!



PS:

Kleine Lektion in Sachen Arbeitsmarkt der Antike: Der Beruf des angestrengten Armverschränkers war einer der meist geachtetsten zu jenen bunten Zeiten.



Hudson