Perseus - Der Unbesiegbare



Originaltitel: Perseo l'invincibile (1963) Regie: Alberto De Martino
Drehbuch: Edoardo G. Conti, Mario Guerra, Alberto De Martino,
Ernesto Gastaldi, Luciano Martino & José Mallorquí
Darsteller: Richard Harrison, Anna Ranalli, Arturo Dominici FSK: 12


Erinnert ihr euch noch an diese käsigen alten Sandalen-Filme aus der Reihe ’The Sons of Hercules’? Ihr wisst schon, jene, die mit dem glorreichen Song ’The mighty sons of Hercules are man as man should be’ begannen, einen muskulösen Helden, eine Handvoll Urmenschen und das eine oder andere Pappmonster im Repertoire hatten? Natürlich tut ihr das! Und möglichweise habt ihr euch ein ums andere Mal gefragt. Wo kommen diese Söhne alle her? Sind die alle echt? Dürfen die sich so nennen? Und wenn ja, wieso? Eine Antwort bietet der Vorspann von ’Hercules vs Medusa’:

Die Heavy Metal Version von Stonehenge!

“The sons of Hercules. There are true breeds. They are those who he had sired. His natural offspring. Then there are sthose few, descended from ordinary mortals, who have been chosen by Hercules as sons in name. On them he has placed the mantle of his virtues, the armor of his strength and courage.”

Seht ihr. Halbe, halbe. Zum Teil echte Nachkommen, zum Teil Leute mit Ehrentitel. So wie Theseus, Jason und Kratos. Oder halt Perseus, dem Helden dieses Filmes.

Perseus (Richard Harrison!) ist der unlängst verschollene Sohn der hiesigen Königin Danae, die von Galenore, dem Herrscher des Nachbarlandes Argos in arge Bedrängnis gebracht wird. Die Dame kann ihre Vasallen nämlich nur über einen Umweg durch Argos zum Einkaufen schicken, da auf dem direkten Weg zum Handelszentrum die Hydra lauert, ein garstiges Wesen, halb Baum, halb Tentacoli. Perseus ahnt nichts davon, turnt er doch, bekleidet mit Jutesack und knapper Schlüppi, durch die hiesigen Felder und Wälder in angenehmer Begleitung.

Duzi Du...

Doch die Idylle wird jäh durch El Fiesor Galenore gestört, der just Prinzessin Andromeda durch’s Dickicht schleust und unbarmherzig Perseus’ Reh erschießt. Das lässt sich kein Sohn von Herkules gefallen. Doch den nun folgenden Peitsch-Battle verliert Persi haushoch. Zwar wird ihm von Andromeda das Leben geschenkt, doch schickt sie ihn als Gladiator in die Arena, um weitere Kämpfe auszufechten. Es soll nicht lange dauern, da führt der junge Held eine ganze Armee gegen die Schurken ins Feld und legt sich mit der Hydra persönlich an…

Pillage da Village!

Garnicht verkehrt, was uns ’Miami Golem’-Regisseur Alberto de Martino mit diesem deftigen Heldenlied-Schinken der Marke ’extrawürzig’ kredenzt: Die ganze Bandbreite kitschiger Gefühlswallungen, eine funktionierende ’Gut gegen Böse’-Story, ein junger Held, eine Prinzessin, ein fieser Schurke, zwei tolle Gummimonster, stattliche Schlachten zu Pferd, Scharmützel vor und auf den Zinnen einer Burg und nicht zu vergessen…

Fanfaren!

Allerdings ist es gerade die Musik (mit Ausnahme des einzigartigen ’Sons of Hercules’-Theme), die hier kaum etwas taugt. Was man ganz und gar nicht von Keule Richard Harrison behaupten kann, der hier eine heroische, wenn auch putzig einfältige Sandale auf’s Parkett legt.
Die Effekte könnten schlechtgelaunte Zeitgenossen als hilflos antiquiert bezeichnen, jedoch wissen es genre-kundige Argonauten der Trashklasse C um einiges besser. Tatsächlich sind die Monster im Vergleich zu ähnlichen Schinken nämlich mit einiger Fantasie und Liebe zum Detail von Carlo Rombaldi kreiert worden, der später sogar bei ’Planet der Vampire’, ’Alien’ (Oscar!), ’Dune’ und ’E.T.’ (noch’n Oscar!) den Gummi anrührte.

Jup, 'nen Gummidrachen hat's auch!

“Must I also bow to you or may I spit in your face?“

Nee, die Spucke kann im Napf bleiben. ’Hercules vs Medusa’ mag nicht zu den besten Sandalenfilme gehören, aber Freunde solcher Pappschwert-Schinken und Fans von amüsanten Rubber-Creatures können hier einen Blick werfen, ohne befürchten zu müssen, zur Salzsäule zu erstarren.


Hudson