Herkules und die Königin der Amazonen


‘Spectacles of Massive Might Beyond Any Ever Known Before!’


Originaltitel: Ercole e la regina di Lidia (1959)
Regie: Pietro Francisci Drehbuch: Aeschylus & Ennio De Concini
Darsteller: Steve Reeves, Sylva Koscina, Sylvia Lopez FSK: 12


’Hercules Unchained’ ist der direkte Nachfolger zum populären ’Hercules’ (aka ’Die unglaublichen Abenteuer des Herkules’), welcher Hauptdarsteller Steve Reeves zu Weltruhm verhalf. Warum der Film ’Herkules und die Königin der Amazonen’ heißt und warum in der deutschen Fassung einer italienisch-französisch-spanischen Ko-Produktion ein englisches Lied von einer kroatischen Schauspielerin gesungen wird, sind Fragen, auf deren Antworten man nicht hoffen sollte.

Theben ist in einen Brüderstreit geraten. Die Söhne von König Ödipus, Eteokles

“Ey, ihr Klumpen!
Ick stemm euch weg!“
und Polyneikes wollen zwar ihren alten Papa absetzen, sind sich aber nicht einig, wer denn nun die Nachfolge antreten soll. Bloß gut, dass Herkules gerade von seinen Reisen zurück kehrt. Im Gepäck hat er seine Frau Iole (kann man Jule aussprechen) und jungen den Odysseus. Zu dumm, dass Herkules während seiner Quest vom ’Brunnen der Amnesie’ trinkt und in die Hände der schönen aber arglistigen Zauberin Omphale gerät. Während Odysseus versucht, dem Helden seine Vergangenheit zurück in den Schädel zu reden (“Trink dieses Wasser nicht, Herkules!“ “Wieso nennst du mich Herkules?“ … “Du darfst jetzt nur noch dieses Wasser trinken, Herkules!“ “Wieso nennst du mich immer Herkules?!“), während seine Frau sich andernorts einen seufzt und die beiden Theben-Brothers Ränke schmieden. Bis Herkules sich endlich wieder gegen seine Feinde wendet und unhandlich schwere Objekte in die Luft stemmt, soll viel, viel Zeit vergehen...

Zu viel Zeit, um es dem Film zu verzeihen!
Obwohl ’Hercules Unchained’ mit ansehnlicher Optik, Ausstattung und einem aufwendigen Schlachten-Finale punktet, vermiest ihm die Abwesenheit von Spannung, Action und bloßem ’Geschehen’ im Hauptteil das Gesamtbild gehörig.

“Achjaaa?“ “Jaaaaa!“
“Achjaaa?“ “Jaaaaa!“
Während der Bösewicht vor seinem Heer dämliche Ansprachen abhält (“In Theben einzufallen und es zu plündern, war schon immer mein Traum!“ Komisch, war doch die Stadt bis vor ein paar Wochen seine Heimat!), verbiegt Herkules einen Haufen Eisen, stemmt die erwähnten unhandlichen Objekte und Soldaten, Wegelagerer, andere Soldaten und unerträglich überagierend lachende Befehlshaber. Bin ich der einzige, der bei dieser Aufzählung das Wort Monster vermisst? Riesen? Hexen? Pappdrachen?
Schön, solcherlei fantastisches Kruppzeug ist eine meiner Schwächen und muss nicht mustergültig für den Geschmack anderer sein. Aber warum einen Herkules-Film machen, wenn der Held kein übernatürliches Sagen-Getier (nein, ein Tiger reicht nicht!) vom Schirm fegen darf?
Auch kann ich den ’Fuzz’ um Steve Reeves’ Darstellung des griechischen Muckimans nicht nachvollziehen. Reeves ist ein Bodybuilder und ein ebenso guter/schlechter Schauspieler wie die meisten Protein-Purchen, die ihm folgten.

“Nix! Wenn hier einer stemmt, dann ich!“

Da ich keinerlei nostalgischen Ballast bezüglich ’Herkules und die Königin der Amazonen’ (die eigentlich keine Amazonenkönigin ist, weil es in dem Film keine Amazonen gibt) mit mir herumtrage, kann ich mein herzloses Urteil bedenkenlos fällen: Bis auf das Finale langweilige Kostüm-Sandale, die für greise Fans des Genres vielleicht genügend Charme hat, um sie gutzuheißen, letztlich jedoch nicht an die unterhaltsame Elite des Genres heranreicht.


Hudson