Herkules, der Sohn der Götter



Originaltitel: Ulisse contro Ercole (1961)
Regie: Mario Caiano Drehbuch: Mario Caiano & André Tabet
Darsteller: Georges Marchal, Mike Lane, Alessandra Panaro FSK: 12


“The mighty sons of Hercules…” Schaha, da sind’se wieder und diesmal wird das Augenmerk auf einen ganz besonderen Sproß der Sippe gelegt: Auf Herakles!
Öh was? Moment mal! Herakles ist doch Herkules! Wie kann er da dessen Sohn sein? Ja nun seid mal nicht so pingelig, denn der schöne Song am Anfang dieser Antik-Reihe (“… are men as men should be!“) und das darauffolgende Voice-Over (der engl. Version, wohlgemerkt!) sind ja keine historischen Quellen, sondern Stimmungsmacher für monströses Sandalen-Gulasch.

’Just married’
Die Geschichte von Homers ’Ilias’ und der drauffolgenden ’Odyssee’ kennt ihr ja sicher. Kennt ihr nicht? Nun, solltet ihr aber. Da gibt’s jede Menge Action, glorreiche Taten, schöne Frauen, tapfere Helden und Brad Pitt im Minirock. Für unseren Film hier ist letztlich nur wichtig, dass Odysseus, der Mann, der den Trojanern das Pferdestehlen beibrachte, den Göttern spottete und jene (vor allem Neptun aka Poseidon, Gott der Meeresfrüchte) ihm das ziemich übel nahmen.
So wird also Herkules, der stärkste Mann der Welt, von den Göttern geschickt, um den Frevler zu fangen und ihn dem Zyklopen zu überlassen. Bald hat der Muskulator des alten Griechenlands den Fuchs von Ittaka am Schlawittchen und nach unvermeidbarem Schiffbruch rollen die beiden Helden die Dünen hinunter, wo sie nach hochtrabendem Sprech von den Vogelmonstern der hiesigen Königin gefangen genommen, ins Joch geschlagen und von der Dame mit dem Schicksal der Opferung belegt werden (Riesengeier und so). Herkules und Odysseus sind zur Zusammenarbeit gezwungen und eine glückliche Fügung des Schicksals sendet einen Blitz gen Erde, der ihre Seile durchtrennt und einen Regen folgen lässt, der die Vogelwesen so sehr erschreckt, dass sie noch lauter quietschen als schon zuvor. Endlich in Freiheit, müssen die beiden immer noch ihre Differenzen überbrücken, um den Weg in die Heimat zu finden. Und der führt vorbei an Matschmaskenmonstern, gefangenen Frauen, brennenden Hütten und einem cholerischen Höhlen-König, der gerne fliegen möchte…

Kirk Douglas für Arme
(und dahinter Anthony Quinn für Haare)
Boah, Hilfe. Eine derartige Mauke voll extraordinärem Papp-Kulisseur und Kantholz-Akteuren hab ich lange nicht mehr gesehen. Hier liegt der Hund mitsamt allen filmischen Qualitäts-Knochen gemeinsam begraben und zwar so tief, dass ihn auch kein Schliemann wieder ausgraben könnte. Wozu auch? ’Herkules-Sohn der Götter’ ist eine sinnentleerte Haudruff-Sandale übelster Machart, Marke: Wenn dich die sphärische Leier-Musik nicht umhaut, tut’s die alles umschleiernde Blödheit ganz bestimmt!
Klar an Ausstattungs-Malheuren hat ein Trash-Fan nie etwas auszusetzen. So ist es anfangs also noch amüsant, wenn Modellschiffe in der Badewanne des Regisseurs aufeinanderprallen. Wenn dann aber die Abenteuer bei der Vogel-Königin überstanden sind, deren Ähnlichkeit mit einem Playboy-Bunny einfach nicht von der Hand zu weisen ist (und deren Untergebene aussehen, als hätte man die Kicher-Geier aus ’Highlander 2’ mit Sam, dem Muppett-Adler zusammengeschraubt), geht’s steil bergab.
Der Alles-und-jeden-austricksende Odysseus (eine ganz miese Kirk Douglas-Dublette) und der Streitwagen-und-alles-ähnlich-große-in-die-Luft-stämmende Herkules (ein aufgeblasener Föhnwellen-Hecht an der Grenze zum Rentenalter) fechten von da an durch ein Dickicht von langweiligen Geist- und Kraftproben, dass der Wunsch nach dem baldigen Ende gar nicht schnell genug in Erfüllung gehen mag.

Der Maskenbildner hat immer geschwänzt!

Fazit: Wer sich erst einmal durch die 100 Jahre alte Staubschicht gewühlt hat, findet ein unbefriedigendes Holzschwert-Spektakel zum Abgewöhnen und Bleibenlassen. Auch für Trashkeuler kein Heureka.


Hudson