Hell


‘Gefangene des Jenseits’


Originaltitel: Narok (2005)
Regie: Tanit Jitnukul, Sathit Praditsarn & Teekayu Thamnitayakul
Drehbuch: Marisa Mallikamarl Darsteller: Nathawan Woravit, Baworanrit Chantasakda, Kom Chauncheun FSK: 16


Was in letzter Zeit alles aus Thailand kommt, erstaunt so manchen Genre-Fan.
Nach Tony Jaas akrobatischem Klopper-Spaß ’Ong Bak’ und dem Survival-Slasher ’Scared’ schickt uns das ’Land der Freien’ nun seinen neusten Streich. Ein übernatürliches Filmchen mit dem einfachen Titel ’Hell’.

”They’re on the ’HIGHWAY TO HELL’!”

Das Setup des Films ist mit einem ganz einfachen Satz zu umschreiben:
Nach einem Autounfall wachen eine handvoll problembeladener Leute in der Hölle auf. (Klingt soweit interessant? Ja, das tut es. Aber...)
Das Totenreich entpuppt sich als Mixtur aus rot beleuchteter Barbarenwelt (wie man sie beispieltsweise aus ’Gor’ kennt) und dem Lava-Level aus ’Super Mario 64’. Tatsächlich ist dies auch gar nicht die eigentliche Hölle, sondern eine Art Vorhölle, quasi die ’Wartestube des Fegefeuers’. Hier herrschen Thai-Orks und natürlich Satan persönlich, der (man will es kaum glauben) ein ziemlich bürokratischer Korinthen-Kacker ist (’Du musst in die Hölle, du in die. Das muss alles seine Ordnung haben...’). Nun haben unsere Protagonisten nicht unbedingt Lust, hier länger zu verweilen als nötig und entdecken auch bald, dass es für sie noch eine Möglichkeit gibt, ins Licht des Lebens zurückzukehren. Doch dieser Weg führt sie vorbei an etlichen Gefahren (halbnackte Irre, Geisterdirnen, sogar die ’Kinder des Todes’ schauen vorbei) bis zur Final-Stage, wo der Endgegner wartet...

’Das ist Waaahnsinn, warum schickst du mich in die…’

”Huch, ich lebe ja noch!”
Sorry, aber der musste echt sein!
Kommen wir zum Film:
’Hell’ ist ein sehr, sehr zwiespältiges Vergnügen, dem einerseits eine durchaus interessante Story zu Grunde liegt, welche leider nur mit unbefriedigenden Mitteln umgesetzt wurde. Nicht zuletzt liegt das an der kruden Optik, die sicherlich einem niedrigen Budget zu verdanken ist.
Das geht schon bei der Darstellung der ’Hölle’ los, die unter recht einfältigen CGI-Effekten zu leiden hat. Hätten die Macher wenigstens per Farbfilter die grünen Äste übermalt, hätte man ihnen dieses trockengelegte Reisfeld als Vorhölle vielleicht noch abgenommen. Bei den praktischen Effekten punktet ’Hell’ auf jeden Fall.
Hier haben wir ein Paradies für Masochisten. Diverse Qualen werden zelebriert, als gäbe es kein Morgen (gibt es ja auch nicht). Vom Säurebad, über heiße Metall-Füllungen (im Mund!), Riesen-Hämmer und Sägen auf Bäuchen, bis hin zu Kopfzangen ist hier jedes geläufige (?) Folter-Mittel dabei. Auf Alles und Jeden wird eingeschlagen, eingestochen und eingetreten, es gibt kein Pardon.

Eine Kirmes der Qualen
Hier sind auch nicht nur die ’Orks’ zugange, sondern auch freiwillige, gefolterte Hirn-Zombies, die wohl durch ihre ’Arbeit’ selbst eine Beförderung zum ’Ork’ anstreben. Die Charaktere sind wandelnde Klischees (der lustige Säufer, der feige Mörder, der unbedachte Weiberheld, der Lügner etc.) was für den Film zwar zweckmäßig, für einen anspruchsvol… ähm sagen wir einen ’gebildeten Genre-Fan’ aber unerträglich ist. Schauspielerisch befindet sich ’Hell’ überhaupt auf einer ’Grimassen Schneiden’-Ebene. Immerhin kommt der Cleverste der Truppe nach ca. einer Stunde zu der weisen Erkenntnis: “Sie ist doch schon tot. Zweimal sterben geht nicht!“
Leider versucht man auch noch, das Ganze mit einer gehörigen Portion (Slapstick-)Humor aufzulockern, was dann auch gehörig in die Buchsen geht. Das kommt wohl davon, wenn man nebenbei noch versucht, Philosophien und deren Botschaften mit dem Holzhammer unters Volk zu treiben und dies dann auch noch halbherzig macht.

Ich hoffe, die hiesige Hölle ist angenehmer designt.

Ach, Mensch. Es ist zum Haareraufen! Endlich mal eine gute Idee, deren Umsetzung in den Mythen von Dante Alighieri und den Bildern von Hieronymus Bosch hätte schwelgen können, aber irgendwo zwischen Tante Animismus und Hügelgrab Buddha gelandet ist. Vertan, vertan, sprach der Hahn…

Hudson