Godzilla:
Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster


‘Our environment is doomed!’


Originaltitel: Gojira tai Hedorâ (1971) Regie: Yoshimitsu Banno
Drehbuch: Yoshimitsu Banno & Takeshi Kimura
Darsteller: Akira Yamauchi, Toshie Kimura, Hiroyuki Kawase FSK: 12


Sowas ist mir ja auch noch nicht untergekommen. Da stecke ich einen Godzilla-Film in den Player und präsentiert wird mir eine Öko-Botschaft mit japanischen Disco-Gesangseinlagen von einer Dame, die vor pulsierenden Trance-Funk-Lichtmaschinen abgroovt.

Das etwas andere Toho Intro!
Ein neues Ungeheuer tritt ins Rampenlicht der verrückten Kaiju-Welt. Und es ist kein geringerer als Rainer Brandt, der (in der deutschen Fassung) das schiffeversenkendes Erscheinen des Wesens im Fernsehen präsentiert. Na wenn das nicht nach Fez schreit, was dann?
Doch es kommt noch dicker, denn bei dem Monster handelt es sich um Hydrox (im Original ’Hedorah’), dem sagenumwobenen ’Müllmonster’!
’Müllmonster?’ fragen nun vielleicht die Kaiju-Ignoranten unter euch. Ganz recht! Und im folgenden ’Zeichentrickfilm im Film’, wird auch dessen Entstehung erläutert, die so einfach ist, wie das Schneeballprinzip: Je mehr Abfälle und Ölteppiche das Monster absorbiert, desto größer wird es. Logo oder?
Als sein Vater, ein Wissenschaftler, von dem Müllmonster angegriffen wird, schreibt der kleine Ken in seinen Aufsatz: „Godzilla würde wütend werden, wenn er das sehen würde!“. Und tatsächlich, da isser auch schon: Big G, unser großer dunkler Freund mit dem heißen Atem und dem Kamm auf’m Rücken.

"Konichiwa!"
Ein paar wissenschaftliche Untersuchungen und bizarre Nippn-Disco Besuche mit Gesangseinlagen später, greift dann Hydrox auch schon die erste japanische Festland-Bastion an.
Doch ’GOJIRAAA!’ (wie ’Big G’ in der FilmFlausen-Zentrale gerne gerufen wird) hat die übelriechende Spur des Müllmonsters längst aufgenommen und eilt ’Pappstadt zertrampelnd’ den bedrohten Japanern zu Hilfe.

Verrückt!
Nicht, dass Kaiju Filme sonst ein Besipiel an Kleinkrämerei wären, aber was uns die Toho-Studios hier auftischen, prescht selbst durch deren tolerant gesetzte Grenze der Möglichkeit. Hier bleibt kein Hippie Auge trocken, hier gibt’s eine Endzeit Lagerfeuer-Groove-Orgie, hier fliegt die Kuh…und auch Godzilla!!! (das erste und einzige Mal in einem Film!)

"Nächster Stop: Bitterfeld"
Und obwohl (oder vielleicht gerade weil) das neue Monster so billig designt/produziert wurde, ist es wohl das schrägste Wesen der gesamten Kaiju Geschichte (inklusive Schlappohr ’King Ceasar’!). Denn, mal ehrlich, wo sonst sah man eine mit Tentakeln behaftete Kreatur, die aus Müll bestand, Gase absonderte, Menschen skelettierte und kleine Katzen vollschleimte.
All diese Verrücktheiten mal zur Seite geräumt, erstaunt mich jedoch am meisten, dass hier tatsächlich eine Botschaft ins Spiel gebracht wurde. Klar, diese dient mit Hängen und Würgen vielleicht gerade mal als Aufhänger des Filmes. Doch war ’Umweltschutz’ wirklich das letzte, das ich in einem Film, dessen Hauptheld eine radioaktiv verseuchte Riesenechse ist, erwartet hatte. Dass drumherum jede Menge Monster-Aufmische vonstatten geht, versteht sich von selbst. Die von Godzilla und Hedorah ausgetragenen Fights sind äußerst abwechslungsreich und verdienen sich einen der oberen Plätze auf der Kaiju Show-Treppe (da fliegen die Schleimfetzen, es sprühen Gase, rosa Blitze leuchten und mittendrin verwandelt sich der Müllhaufen in einen fliegenden Trilobiten…gang, ganz groß!). Wie immer sind die Darsteller, die nicht aus Gummi sind, schmückendes Beiwerk. Lustige Sprüchklopfer gibt es aber natürlich auch hier. Wie der Wachmann, der mit den Worten „Wie? Was sagen sie? Hydrox? Gibt’s nicht! Oder haben sie schon mal einen gesehen?“ ans Telefon geht.
Ebenso witzig sind die kurzen Zeichentrick-Einlagen, die der ’wissenschaftlichen’ Darstellung des Phämomens dienen. Immer schön kommentiert von Ken’s Papa, der die ganze Zeit über im Bett liegt. Die Musik wechselt zwischen der bereits erwähnten Psycho-Trance Dudelei, harmonischem Liedermacher Gitarren-Geklimper und den seltsam gewählten Begleit-Stücken der Monster. Godzilla hat für diesen Film ein paar ganz schräge Themen spendiert bekommen (irgendwo zwischen Marschmusik, Gesang und Comic-Tunes).

Hier ein kurzes Besipiel für den konzentrierten Wahnsinn des Films: O-Ton!

„Es wäre denkbar, dass Sauerstoff
sein Wachstum beeinträchtigen könnte!“

„Dann gebt ihm doch Sauerstoff,
dann ham wir Ruhe. Jaaaaaaa!“

’Godzilla vs. Hedorah’ (der bessere Titel) ist ein verrückter Mix aus Monstern, Matsch & Message und darf in keiner Kaiju Sammlung fehlen. Disco-Stus mit Hippie-Allüren sind hier eben so gut bedient, wie Trashliebhaber mit Faible für Killerschleim. Welcher zweite Film kann das von sich behaupten?

Hudson