House



Originaltitel: Hausu (1977) Regie: Nobuhiko Obayashi
Drehbuch: Nobuhiko Obayashi & Chiho Katsura
Darsteller: Kimiko Ikegami, Yôko Minamida, Saho Sasazawa FSK: 16


House!

Oder Japanische Schulmädchen im Kitsch-Haus des Horrors!

Oder der visuell verrückteste Film aller Zeiten!

Oder einfach nur: Abnorm!

Die Handlung (bzw. das, von dem ich glaube, es sei die Handlung):

Am Brunnen mit dem Kopfe.
Oshare wollte eigentlich die Schulferien mit ihrem lieben Vater in seinem Ferienhaus verbringen. Als der nun aber mit einer bildhübschen Frau daherkommt, die sich als neue Mama vorstellt, ändert Oshare kurzerhand die Pläne und meldet sich mit ihren Freundinnen Fanta, Kung Fu, Melodi und Sweet zu Besuch bei der Schwester ihrer verstorbenen Mutter an. Tantchen sitzt im Rollstuhl, lebt in einem abgelegenen Haus und freut sich wie verrückt über den Besuch so vieler frischer, junger Mädels.
Nicht nur sie, sondern ihr ganzes durchgedrehtes Heim hat die Süßen zum Fressen gern. So wird diese quiekende, glucksende Pyjamaparty langsam aber sicher dezimiert.

Man kann sich das Gelächter eines vollen Kinosaales nicht vorstellen, in dem ’Hausu’ gespielt wird! Man muss einfach dabei sein.
Diese wüste Bilderorgie verdient es ganz bestimmt, den Titel ’Abgefahrenstes Werk seit Erfindung der filmischen Stilmittel-Collage’ zu tragen. Dass der Film dabei schon 30 Jahre auf dem Buckel hat, spricht nur für ihn.

Die Birne ist drin.
Das blutrünstige Horrormärchen präsentiert sich dem fassungslosen Zuschauer in einer Optik, die sich irgendwo zwischen Jugendstil, Manga und explodiertem Kaugummiautomat bewegt. Die visuellen Mittel kennen einfach keine Grenzen. Da wird vor gemalten Hintergünden hermumgetanzt, geflogen, geschwebt und gestorben, zwischendrin gibt es Montagen, die aus Zeichentrickfilmen zu stammen scheinen, Reiterhof-Romantik trifft auf platzende Körper, zu Sturzbächen werdende Blutfontänen in denen herumgeplanscht werden darf, Split-Screens, minutenlange Slow-Mos (irre!) und Menschen, die zu Bananen-Stauden werden.
Die Protagonistinnen verabschieden sich auf die möglichst verrückteste Art und Weise aus dem Leben. Von einer springt bald nur noch der Kopf durch die Gegend, eine andere ertrinkt im Teppich und wieder eine andere wird äußerst eindrucksvoll vom Klavier des Grauens zerstückelt und verzehrt.
So bunt und fröhlich wurde selten gestorben. Nicht mal das Blut gibt sich hier nur mit einer Farbe zufrieden.
Und als wäre das noch nicht genug, verbreitet die musikalische Untermalung dazu schönste Musicalstimmung der ganz besonders schrillen Art.
Die Dialoge (ich kann hier natürlich nur von den deutschen Untertiteln sprechen) sind denkbar einfach gehalten, oft von wildem Gekicher unterbrochen und würden jedem Porno Ehre machen, doch trotzdem darf natürlich am Schluss ein Monolog über die Welt und die Liebe im Allgemeinen und den Sinn des Lebens im Speziellen nicht fehlen. Mal im Ernst: Was den Machern während der Produktion durch’s Hirn und die Adern gesegelt ist, möchte ich gar nicht wissen.
Meine Lieblingsszene:
Die verrückte Tante (die sich als Hexe mit tragischer Vergangenheit entpuppt) sitzt mit John Lennon-Gedächtnis-Brille in ihrem Zimmer und knabbert zu Musik aus der Spieldose abwechselnd an einer Mädchenhand und einem Goldfisch, während in der Ecke ein Skelett tanzt, welches einen Hut trägt.

Jaja, diese Bilder gehören alle zu einem Film!

House: Es darf gelacht, geschrien, gestaunt und sich letztendlich gewundert werden, wovon man da jetzt eigentlich Zeuge wurde.

Achso, ihr wollt sicher noch wissen, ob ich den Film empfehle:…
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JA!!!

Hudson