Haus der Todsünden


‘Tortured by desires his vows forbid...master of a house of mortal sin!’


Originaltitel: House of Mortal Sin (1976)
Regie: Pete Walker Drehbuch: David McGillivray & Pete Walker
Darsteller: Anthony Sharp, Susan Penhaligon, Stephanie Beacham FSK: 18


Neulich bei der Beichte:

Pfarrer: “Was haben sie nun für ein Problem?”
Susan: “Also, es ist ein Mann. Ein Mann, den ich liebe. Und der hat mich verlassen. Und ich kann ohne ihn nicht weiterleben. Ich weiß, dass ich es nicht kann.”
Pfarrer: “Wer ist dieser Mann?”
Susan: “Ich habe mit ihm zusammengelebt.”
Pfarrer: “Und äh mit ihm geschlafen?”
Susan: “Wir… haben miteinander geschlafen, ja.”
Pfarrer: “Warum sagen sie das so zögernd?”
Susan: “Weil wir es… in letzter Zeit nicht mehr getan haben. Genau genommen hatte nur ich keinen…”
Pfarrer: “Geschlechtsverkehr?”
Susan: “Wissen sie, er nimmt keine Rücksicht auf meine Gefühle. Er hat andere Mädchen und er macht nicht mal den Versuch, es zu verheimlichen. Ich meine ich könnte ja damit leben. Ich kann eine ganze Menge ertragen. Wenn er nur…”
Pfarrer: “Wie lange ist es her, seit sie das letzte Mal intim waren?“
Susan: “Oh, das weiß ich nicht mehr. Warum ist das so wichtig?“
Pfarrer: “Sagen sie’s mir. Ich will, dass sie es mir sagen.“

"Na komm, eine geht noch. Mit Dip!"

Es ist was faul im Beichtstuhl von Pfarrer Meldrum. Dummerweise erwähnt die junge Susan in jenem schicksalhaften Gespräch auch die Abtreibung ihres ungeborenen Kindes und gibt dem Wahnfried, der sich Hochwürden schimpft somit einen handfesten Grund, sie in seine abartigen Machenschaften einzubinden. Der irre Pfaffe hat das Gespräch nämlich auf Band aufgezeichnet und erpresst das arme Mädchen jetzt, seinen tugendhaften Wahnvorstellungen zu folgen. Susan sucht Hilfe bei ihren Freunden, u.a. dem jungen Pfarrer Bernard, der ohnehin nicht gut auf seinen greisen Kollegen Meldrum zu sprechen ist. Dieser leugnet selbstverständlich alles, ist nach Dämmerung jedoch längst als selbsternannter Racheengel unterwegs und tötet all jene, die zwischen ihm und Susan stehen. Denn längst haben unzüchtige Gefühle sein von Doktrinen und Enthaltsamkeiten zerfressenes Gemüt befallen und sein Verstand macht winke, winke. Die Behörden glauben den Anschuldigungen der jungen Frau nicht und auch ihre Freunde halten sie bald für verrückt…

Immer Ärger mit Hochwürden
& seiner einäugigen Killerzofe!

Englands Schock-Filmer Pete Walker, der in den Siebziger Jahren das eine und andere Tabu brach, nahm sich bei ’Haus der Todsünden’ die katholische Kirche zur Brust und wühlte mächtig im Dreck. Gewagt, gewagt, bedingt aber gelungen.
Nicht nur die asketischen Strukturen der Kirche (vor allem das Zölibat), auch der mögliche Missbrauch des kirchlichen ’Beistandes’ werden, mal subtil, mal plakativ, thematisiert und kritisiert. Walker beschreibt seine Hauptfigur als Psychopathen, der seine unzüchtigen Schafe mit Rosenkränzen erwürgt, mit Weihrauch-Schwenkern erschlägt oder mit Hostien vergiftet. Das mag nach klischeebeladener Slasher-Ware klingen, wird im Film aber niemals redundant eingesetzt. Dem irren Pfarrer, facettenreich und furchterregend von Anthony Sharp (’A Clockwork Orange’) verkörpert, wird u.a. ein gemäßigter, junger Geistlicher gegenübergestellt, der von den engen Doktrinen schließlich die Faxen dicke hat und sein Leben wieder genießen möchte. Letzterer bekommt ausgerechnet von einem Vorgesetzten zu einem späteren Zeitpunkt folgende Worte mit auf den Weg gegeben:
“Ich habe nie begriffen, warum sich die katholische Kirche selbst wie ein Gefängnis sieht und ihre Mitarbeiter als Gefangene behandelt.“
Zwar hat der Film ein paar Logik vernachlässigende Schnitzer und ein gemeines, aber unbefriedigendes Ende, jedoch zieht Walker nach etwas Anlaufzeit die Spanngungsschraube konstant fester und liefert letztlich ein gut durchdachtes Paradebeispiel kompromissloser Thriller-Kunst.


Hudson