Creature from the Haunted Sea


‘What was the unspeakable secret of the sea?’


Originaltitel: Creature from the Haunted Sea (1961)
Regie: Roger Corman Drehbuch: Charles B. Griffith
Darsteller: Antony Carbone, Betsy Jones-Moreland, Robert Towne FSK: unbekannt (Unrated)


Es waren die goldenen Jahre, in denen Roger Corman bereits Fuß gefasst hatte und durch etliche eigenwillige Genre-Mischungen, gewürzt mit mal herrlich ausgefallenen, mal völlig bekloppten Ideen, seinen Weg zum ’King of the B’s’ betreten hatte.
’Creature from the haunted Sea’ vermengt von allen Cormanschen Ingredienzen etwas und macht erneut vieles falsch, aber ebenso viel richtig.

Tarnung ist alles
Geheimagent XK342 ist auf der Fährte des Gangsters Renzo Capetto (alias Capo Rosetto alias Ratto Pazetti alias Zeppo Staccato alias Shirley Lamour), der zusammen mit seinen Spießgesellen General Tostada und eine Gruppe kubanischer Exilanten, inklusive kubanischer Nationalschätze aus Kuba schmuggeln will. Natürlich hat Renzo tatsächlich ganz andere Pläne: Er erfindet ein Seemonster, dass sie zum Kurswechsel zwingt und mit jedem abgemurksten Kubaner ein Stück näher an den Schatz bringt. XK342 gelingt es, sich als Matrose Sparks Moran auf den Kutter zu schmuggeln und die Show aus der ersten Reihe mitzuerleben. Zu dumm, dass in den Gewässern ein echtes See-Monster haust, das bald aus den Tiefen auftaucht…

… und auch eher blöd, dass dies nicht etwa ein Cormanscher Monsterflick, sondern eine Spionage-Komödie ist. Daraus wird dann aber zum Glück das Beste gemacht. Schräge Charaktere (Captain Renzo hält sich für Bogie, seine blonde Freundin trällert an der Reling, als wär sie in einem Musical gefangen und einer der Matrosen ahmt pausenlos Tierstimmen nach), humorvolle Dialoge (“Lang lebe der König!“ “Soll das ein politisches Statement sein?“), witzige Ideen (ein Cartoon Einspieler zum Vorspann) und zeitgenössische Politkommentare (die aber wahrscheinlich heute nur noch bei Geschichts-Studenten funzen) lassen die Abwesenheit eines Monsters in den ersten 60 Minuten verschmerzen.

“Und dann sagte ich:
Uns bleibt immer noch Paris!“
Dafür gibt es (für schwarz/weiß) Verhältnisse recht nette Unterwasser-Aufnahmen, in denen die U-Morde an den Kubanern herrlich bizarr eingefangen werden (man achte auf das Händeschütteln der Crew, nachdem sie wieder einen erwischt haben). Und zu Beginn fährt Corman sogar mit einer heißen Verfolgungsjagd (Käfer vs. Caddillac) im schlecht beleuchteten Wald-Ambiente auf.
Hauptdarsteller Robert Towne (der Jahre später u.a. als Regisseur von ’Tequila Sunrise’ und Drehbuchautor von ’Chinatown’ sowie etlichen Hollywood-Filmen Erfolge feierte) spielt den Geheimagent (der auch als Erzähler fungiert) mit augenzwinkerndem Charme und seine Kommentare (“Sie war wunderschön. Ich könnte mich umbringen, wegen meiner blöden Verkleidung. Jetzt würde sie niemals wissen, wer ich wirklich war.”) zählen zu den humoristischen Highlights des Filmes.
Wenn das Monster dann endlich auftaucht, fährt Corman den Camp-Faktor in schrille Kicher-Höhen. Das Vieh sieht aus wie ein Algenteppich in Menschenform, komplett mit Krümelmonster-Augen, Taucherflossen und Lederhandschuhen in denen Haushalts-Messer als Klauen verarbeitet wurden.

“Es war Sonnenuntergang. Ich wußte es, denn die Sonne ging unter.“

“Hey, darf ich jetzt vielleicht auch mal?“

In seiner Quasi-Biographie ’How I made a hundred movies in Hollywood and never lost a dime’ erwähnt Roger Corman, dass dies womöglich sein persönlichster Film sei, da er mitunter sein Lieblingsende hat. Sein bester Film ist ’Beast from the haunted Sea’ sicher nicht. Aber er ist kurz, trashig und sowieso kein bisschen Ernst zu nehmen.


Hudson