Hard Game


‘The Return of the God of Gamblers’


Originaltitel: Du shen xu ji (1994) Regie & Drehbuch: Jing Wong
Darsteller: Chow Yun-Fat, Tony Leung Ka Fai, Miu Tse FSK: 18


Ko, der ’König der Spieler’ (Chow Yun Fast), hat sich auf einen französischen Landsitz zurückgezogen und lebt dort zufrieden mit seiner schwangeren Frau.

Taiwanesicher Hutbrand
Das Glück findet ein jähes Ende als der Schurke Chau mit seinen Handlangern auf dem Chateau einreitet, alles zu Klump schießt und Ko’s Frau auf unfassbar widerliche Weise umbringt (krass!). Chau ist nur auf eines aus: den Titel ’König der Spieler’ und er fordert Ko heraus. Am Sterbebett seiner Frau verspricht dieser allerdings, für ein Jahr (?!) nicht mehr zu spielen.
Ein knappes Jahr später gerät Ko jedoch erneut in die Kreise zwielichtiger Gestalten, großmäuliger Kinder und Casino-Killer, unter denen auch der Mörder seiner Frau ist…

“Eine hübsche Ansammlung von Peking Enten!“
“Was heißt hier Peking-Enten? Wir sind aus Hong Kong!“

Mein lieber Scholli!
Was man von diesem Film zu halten hat, ist mehr als fraglich! Schon nach den ersten 10 Minuten bleibt dem Zuschauer das Popcorn im Halse stecken. Was mit Ko’s Frau dort passiert, ist wirklich unbeschreiblich und bringt zwar den Rachefeldzug ins Rollen, wäre aber selbst in einem 70er Jahre Horrorfilm mehr als heftig. Dass der Bösewicht ein Arschloch ist, hatten wir ja schon begriffen, als er die Katze aus dem fahrendem Wagen geschmissen hat. Ja, ihr lacht… aber hier kommen wir zu dem großen Problem dieses Hong Kong Actioners: Die unfreiwillige Komik, welche ihren aberwitzigen Höhepunkt in der deutschen Synchro findet.

Ko kennt alle Tricks!
Speziell bei der des kleinen Karate Kids, welches vielleicht 10 Jahre alt ist, aber mit der Stimmlage eines rüpeligen Teenagers daher kommt. Kombiniert man das ganze mit beknackten Dialogen (“Wir waren auf der Yacht, die explodiert ist. Dabei kam seine Familie um.“ “Was sie nicht sagen. Und nur ihr zwei habt das Desaster überlebt. Klingt nach ‘Crocodile Dundee’!“), dann kommt einem das kalte Gruseln und heiße Kichern gleichzeitig. Ich würde den Film ja gerne als Action-Komödie durchgehen lassen, aber nach der Embryo-Bowle (Spoiler) war bei mir erstmal Schluss mit lustig.

Bin ich der Einzige,
der hier ein trauriges
Clownsgesicht sieht?
Trotzdem geht’s hier ohne Frage ab. Es wird aus allen Rohren gefeuert, gersprungen, getreten, geschlitzt, geworfen und explodiert. Beidhändig, fliegend, in Zeitlupe und und und! Die Action (vor allem zu Beginn und am Ende) ist satt, wenn auch die Handlung hungert. Chow Yun Fat verteidigt seinen Ruf als ’Coolste Sau diesseits des Mondes’, schreckt aber auch nicht davor zurück, sich zum Vollhorst zu machen (als er die schwarze Lederjacke aus dem Nichts auftauchen lässt, ist mir das Bier aus der Nase geplatzt). Vorletzteres kann man getrost auch von den restlichen Darstellern behaupten.
Ebenso verrückt ist das Synthiesummen, das hier als Entschuldigung für einen fehlenden Score herhalten muss, sich aber mit der haarsträubender Logik und Plotlöchern von der Größe eines Casinos in guter Gesellschaft befindet.

Sprüche wie „Ich bin Agent des taiwanesischen Geheimdienstes, mein Name ist Simon Tart, der Erfinder des gleichnamigen Wurfpfeils!“, die Anwesenheit eines depperte Polizist mit brennender Mütze, der mit zusammen gerollten Laken kämpft & die Preisschilder an der Sonnenbrille läßt, sowie ein Zauberer, der Spielkarten verhexen kann & ’Martial Arts Mau Mau’ veranstaltet sind möglicherweise Indizien dafür, dass es sich bei ’Hard Game’ auf jeden Fall um eine Komödie handelt!

Ja! Genau das wollen wir sehen!

’Der zweiterfolgreichste Kinofilm in Hong Kong!’ ’Gedreht an Originalschauplätzen!’ ruft uns der Trailer zu. Ja, Wahnsinn! Was auch immer...
’Hard Game’ ist eine zweistündige Action-Groteske mit der Reputation einer ’verrückten Scheißhausfliege’! Einen guten Film (wie ihn beispielsweise John Woo zu seinen Glanzzeiten hingelegt hätte) macht das zwar nicht, einen unterhaltsamen aber allemal. “Das wäre ja der reinste Taiwansinn!“ Uff: Irre!!!

Hudson