Hansel & Gretel


‘Don't go, we'll be good’


Originaltitel: Hansel & Gretel (2007) Regie: Pil-Sung Yim
Drehbuch: Min-sook Kim & Pil-Sung Yim
Darsteller: Jeong-myeong Cheon, Sim Eun-kyung, Yeong-Nam Jang FSK: 16


Hört man den Titel „Hansel & Gretel“, denkt man wahrscheinlich nicht zuerst an einen Horrorfilm, doch was schon 1997 mit Schneewittchen geschah, sollte nun auch 2007 den Süßspeisen verzehrenden Geschwistern widerfahren.
Nur sind in Pil-Sung Yims („Antarctic Journal“) preisgekröntem Werk die Rollen etwas vertauscht.

Endstation Pfefferkuchenhaus

Der junge Eun-Soo verunglückt mit seinem Auto auf einer einsamen Landstraße. Da sein Handy natürlich keinen Empfang hat, irrt er orientierungslos auf der Suche nach Hilfe durch den angrenzenden Wald. Dort begegnet er einem Mädchen, das ihn zu sich nach Hause einlädt, damit er sich ausruhen kann. Wie sich herausstellt, lebt die Kleine gemeinsam mit ihren Eltern, einem Bruder und einer jüngeren Schwester in einem Haus mitten im Wald.
Im Inneren des Hauses tut sich ein wahres Kinderparadies auf. Spielzeug, Puppen, Kuscheltiere und Süßigkeiten in allen Formen und Farben sind in Hülle und Fülle vorhanden. Das ganze Szenario, inklusive der Familie wirkt, als stamme es direkt von einer liebevoll gestalteten Weihnachtskarte.
Doch die Wärme und Idylle trügt. Als Eun-Soo versucht, zur Straße zurückzukehren, findet er sich bei Sonnenuntergang am Haus der Familie wieder.

Eun-Soo hat den Weg verloren
Bald wird ihm bewusst, dass nicht nur er, sondern auch die vermeintlichen Eltern gegen ihren Willen im Haus sind. Wer Ärger macht, verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Ersatz ist auf der Landstraße schnell gefunden. Langsam dämmert es dem jungen Mann, dass die Kinder, die ihn so lieb gewonnen haben, nicht vorhaben, ihn je wieder gehen zu lassen.
Er beginnt, nachzuforschen und erfährt schließlich Erschreckendes über die dunkle Vergangenheit der Kinder.
In dieses malerische Szenario mischt Regisseur und Co-Autor Pil-Sung Yim nun gekonnt einige alptraumhafte Elemente. Da wird ein Dachboden zum unendlichen Labyrinth, aus dem niemand heraus findet, Menschen verschwinden und tauchen als Sonntagsbraten oder Porzellanpuppen wieder auf und der Weg durch den Wald führt immer wieder zum Haus zurück, so dass ein Entkommen unmöglich scheint. Auf die althergebrachten Erschreck-Garanten, wie huschende Wesen im Hintergrund, seltsame Knattergeräusche erzeugende Kinder mit hängendem Kopf und langen schwarzen Haaren und das gute alte Gesicht, welches zur Monsterfratze wird, wird weitgehend verzichtet. Wenn, dann kommen sie wirklich nur in homöopathischen Dosen zum Einsatz und das lässt sich noch verkraften, ohne ausgelutscht zu wirken.

Unheimlich? Wetten dass!
Zu den Schauspielern ist zu sagen, dass die drei Kinder Sim Eun-kyung, Yeong-Nam Jang und Ji-hee Jin sämtliche erwachsene Darsteller ganz und gar an die Wand spielen. Auch der eigentliche Hauptdarsteller Jeong-myeong Cheon („Les Formidables“) sieht neben den dreien ziemlich blass aus.
Der einzige Schwachpunkt des Films ist die Story. Hier gibt es nur das Übliche. Böse Kinder, die nur deshalb böse sind, weil ihnen mal was Schlimmes angetan wurde sind nichts Neues und auch nicht sehr originell. Da hätte man sicher noch etwas mehr herausholen können, aber dank der schönen und fantasievollen Umsetzung fällt dieser Schwachpunkt nicht zu sehr ins Gewicht. Man sollte sich also einfach von diesem schön-schaurigen Märchen einfangen lassen und es genießen.


Leone