Halloween 3


‘Die Nacht der Entscheidung’


Originaltitel: Halloween III: Season of the Witch (1978)
Regie: Tommy Lee Wallace
Drehbuch: Tommy Lee Wallace & Nigel Kneale
Darsteller: Tom Atkins, Stacey Nelkin, Dan O'Herlihy FSK: 18


Süßes oder es gibt Saures!
Dr. Challis (Tom Atkins, ’The Fog’) hat gerade eine Scheidung hinter sich, seine nervtötende Ex-Frau macht ihm die Hölle heiß, für die Kinder hat er kaum genug Zeit und seine Affinität für Alkohol ist auch alles andere als gesund. Als eines Nachts ein verstörter Patient ins Spital eingeliefert wird, der eine Halloween-Maske umklammert und ein überzeugendes “Sie werden uns alle kriegen!“ stammelt, glaubt selbst Saufbruder Challis, dass hier etwas nicht stimmt. Als der Fremde in der selben Nacht von einem seltsamen Mann umgebracht wird, der sich selbst wenige Augenblicke später im eigenen Auto mit Benzin übergießt und anzündet, weiß Challis, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Mit der attraktiven Tochter des Ermordeten im Schlepptau, eilt der gestresste Doktor einer Spur von Anhaltspunkten hinterher und kommt der ungeheuerlichen Verschwörung eines wahnsinnigen Industriellen (Dan O’Herlihy, ’RoboCop’) auf die Schliche. Währenddessen berichten die News, dass am anderen Ende der Welt einer der Steine vom Stonehenge gestohlen wurde. Und wir können sicher sein, dass uns diese Information später noch nützen wird…

Stonehenge in der Hose: T. Atkins
’Mein Nachbar der Vampir’-Regisseur Tommy Lee Wallace (weder mit Tommy Lee Jones, noch mit Dee Wallace Stone verwandt) übernahm von Joe Dante die Regie für ’Halloween 3’ und von Produzent John Carpenter jene gescheiterte Idee, die Reihe in eine neue Richtung zu führen. Weg vom puren Slasher, hin zu frischen Horror-Ideen. Zu blöd, dass sie den Film dennoch unter dem Titel ’Halloween’ unters Volk mischten. Mit solchem Etikettenschwindel macht man sich keine Freunde unter den Horrorfans. Dabei ist eine Neuorientierung einem unoriginellen Neuaufguss der bewährten Formel in 9 von 10 Fällen immer vorzuziehen. Frisch ist nicht viel an Wallaces Drehbuch (Co-Autor Nigel Kneale klagte sich selbst aus den Credits, weil ihm der Film angeblich zu brutal war). Der Plot bedient sich diverser Elemente aus ’Videodrome’, ’Westworld’ und ’The Body Snatchers’ und mischt sie zu einer, über weite Strecken mühsamen und mit Füllmaterial gestreckten Geschichte zusammen, der die Spannung größtenteils abgeht.
Um das Schicksal der Protagonisten schert man sich bald nicht mehr, obwohl diese zu Beginn reichlich Potential bewiesen. Vor allem die “Liebesgeschichte“ zwischen Tom Atkins (hier mit Alf-Synchro) und Stacey Nelkin (’Dotterbart’) hätte man sich lieber sparen sollen. Atkins ist zwar ein echter Kerl, aber vielleicht ein bisschen zu echt für Grabbeleien mit der 15 Jahre jüngeren Nelkin, die hier dank Niedlichkeitsfaktor 8 (von 10) noch am ehesten unbeschadet herauskommt. Eine Ersatzvater/Tochter-Bindung lag hier dramaturgisch viel näher und hätte dem Film womöglich eine andere Dynamik verpasst.
Technik und Ausstattung bleiben aufs Nötigste beschränkt und punkten kaum durch schleimspuckende Roboter-Klone, sich in Schlangen und Schaben verwandelnde Kinderschädel und krude Laboratorien, in denen Weißkittel ihren Mad Scientist-Tätigkeiten nachgehen. Immerhin gibt es hier einen recht stimmungsvollen Soundtrack, der von Synthesizer-Spezi Carpenter persönlich arrangiert wurde.

KidEx - Von erfahrenen Mad Scientists empfohlen

Dass ’Halloween 3’ sich völlig von den Vorgängern löst, ist entgegen aller Fanbekundungen nicht das Problem des Films. Schlechter als irgendeiner der folgenden Myers-Sequels ist er schon gar nicht. Aber das heißt nicht viel. Der teils schwerfällige, teils obskure Film will einfach nicht zünden und behält letztlich nur eine Funktion als Seitenhieb auf die Gehirnwäsche durch das Fernsehen.


Hudson