Gwendoline


‘Outrageous adventures in the Kingdom of Women’


Originaltitel: Gwendoline (1984) Regie: Just Jaeckin
Drehbuch: Just Jaeckin, Jean-Luc Voulfow & John Willie
Darsteller: Tawny Kitaen, Brent Huff, Zabou Breitman FSK: ungeprüft


Da kommt grad jemand ungelegen
Mitte der Achtziger war das Abenteuer-Fieber ausgebrochen. Nach dem Peitsche schwingenden Archäologie-Kantholz Indy Jones, kamen Leopardenfellhutträger Quatermain, Glücksjäger Jack Colton und ähnliche verschwitzte Trittbrettfahrer aus dem Gebüsch gekrochen und wollten den Hype mitnehmen.
Irgenwo mittendrin besann sich auch der französische Erotik-Regisseur Just Jaeckin auf einen alten Comicstrip namens ’Les Aventures de Gwendoline’ und spann einen Adventure-Streifen drumherum, der die besten Tugenden des Trends mit den ’erotischen’ Qualitäten des Quellmaterials verband.

Es geht um Gwendoline, die mit ihrer Zofe Beth aus der heimischen Klosterschule flüchtet und in der Gepäckkiste nach China geschippert wird, wo sie ihren verschollenen Vater, einen Lepidopterologen auf der Jagd nach einem besonders seltenen Schmetterling, sucht.

Darf in keinem Abenteuer-
Streifen fehlen: Rubber-Croc
Nach einigen Reibereien mit örtlichen Schuchen lernen die beiden das schnoddrige Rauhbein Willard kennen, den sie nach etwas Hin und Her dazu ’überreden’ können, sie auf seinem Boot in Richtung ’Schmetterling Valley’ im Lande Yik Yak (irgendwo im tiefsten Asien) mitzunehmen. Nach gefahrvollen Begegnungen mit Gummikrokodilen und Piraten erfährt Gwendoline vom Tod ihres Vaters durch einheimische Wilde. Doch die junge Dame lässt sich nicht ins Boxhorn jagen. Sie beschließt, den Schmetterling selbst zu finden und ihn zu Ehren ihres alten Herren nach diesem zu benennen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie in weitere unglaubliche Abenteuer schlittert…

… wilde Wüstenbongos, ein tödlicher Sandsturm und schließlich sogar eine geheime Stadt eines längst vergessenen Amazonen-Volkes, die ungünstigerweise direkt neben einem brodelnden Vulkan gebaut wurde.
Ergänzt das ganze durch eine deftige Portion Nackedeierei, ein paar unglaublichen FX (ich sach nur ’Ohr Gore’), Bondage-Kostüme und Sexy Time, dann habt ihr eine ungefähre Vorstellung davon, was Franzman Jaeckin (’Lady Chatterlys Liebhaber’) hier vom Stapel lässt. Nämlich echt unterhaltsamen Genre-Nonsens mit der Lizenz zum Flöten (“Sehen sie: Flötensolo ohne Partitur!“).

Sag mal Jimmy, magst du Filme mit Gladiatoren?
Hier findet man Wagenrennen mit Lederdominas anstelle von Pferden, männerhassende Amazonen, die sich mit Insekten vergleichen, welche die Männchen nach der Paarung verschlingen und die eigenwillgste Trademarkwaffe diesseits von Prof. Jones Bullenpeitsche. Man sieht gleich, dass hier einer mit Liebe zum Detail und einem Händchen für Sets am Werk war. Der Film ist ansprechend fotografiert, auch wenn die Ausstattung nicht zum Besten gehört, was das Genre zu bieten hat.
Großes Lob geht an die Darsteller. Newcomerin Tawny Kitean (später als Nymphe in diversen ’Whitesnake’-Musikvideos und als ’Deianiera’ in der knuffigen ’Hercules’-Serie bekannt) und Sprücheklopfer Brent Huff (Regie bei ’Bad Pack’) als charmantes Rauhbein geben ein nettes Pärchen ab und die Riege der Nebendarsteller, die größtenteils aus französischen Akteuren besteht, bewährt sich ebenfalls auf passablem Niveau für diese Art von Film.
Natürlich hat der Film nicht unbedingt jugendfreien Charakter, jedoch sollte man hier keine allzu drastischen Sex- oder Gewaltszenen erwarten. Das ganze Programm spielt sich deutlich auf dem Comic-Kanal ab, was ihm trotz seines Exploitation-Gehalts auch eine gewisse Putzigkeit verleiht.

Ben Hur war gestern!

’Gwendoline’ ist ein amüsant abenteuerlicher B-Movie-Jux mit einer gesunden Portion Humor, höchst sympathischen Hauptdarstellern und allem, was so ein Adventure/Bondage/Comic/Lepidopterologie/Amazonen/Pulp-Film braucht. Kann man getrost in die Kategorie ’bislang unentdeckte Perlen’ packen.


Hudson