Die Rache der Saurier


‘Cowboys Battle Monsters in the Lost World of Forbidden Valley.’


Originaltitel: The Valley of Gwangi (1969)
Regie: Jim O'Connolly Drehbuch: William Bast, Julian More, Willis H. O'Brien
Darsteller: James Franciscus, Gila Golan, Richard Carlson FSK: 12


“Wer Gwangi dem Ungeheuer etwas weg nimmt. Der ist verfluuucht!“
“Das ist doch albernes Weibergeschwätz!“

Echt mal, Junge, lass die alte Zigeuner-Mume ruhig noch dreimal “Fluuuuch!“ keifen und lach dir eins. Schnapp dir den alten Turnbeutel, den dein soeben verstorbener Bruder aus dem Tal des Gwangi gebracht hat, achte nicht auf die Zappeleien des anscheinend quicklebendigen Inhalts und mach dich mit der Beute aus dem Staub!

Das braucht jeder gute Film:
Ein Zwerg, eine Zigeunerin,
ein Schmierlapp und ein Prof
Beim Zirkus wirst du schon einen Käufer für das kleine Wunderpferd finden. Die junge T.J. zum Beispiel, ein Cowgirl aus Leidenschaft, das gerne auf dem Rücken ihres Zossen vom 10 Meter-Brett in ein brennendes Planschbecken springt.
Lange wird’s aber nicht dauern, bis auch andere Leute ihre gierige Nase in den Wind halten und den güldenen Pferdedung wittern. Zum Beispiel der ölige Glücksritter Tuck, der brave Cowgrandpa Champ oder der zauselige Cowprofessor Bromley. Jeder plant mit der Entdeckung des Wunderkinds eine andere Karriere. Ob reicher Sack oder berühmter Wissenschaftler, alles scheint möglich. Drum geht’s ab ins verbotene Tal, wo noch viel wunderlichere und gefählichere Biester auf die neugierigen Reitersleute warten…

Na gut, so brandneu wie’s auf den ersten Blick erscheint, war die Idee Cowboy vs Dinosaurier damals schon nicht. Folgt ’Gwangis Rache’ doch schließlich dem Muster des ’56er Monsterstreifen ’Der Fluch von Monte Bravo’. Kein Wunder, beide Filme basieren auf einer Story von ’King Kong’-Trick-Spezi Willis O’Brien.

"Streng dich an, Dicker. Ich
hab 20 Eier auf dich gesetzt!"
Die Cowboy-Masche wird in der ersten Hälfte für meinen Geschmack einen Tick zu lange vom Saum gezerrt. Aber sobald das verbotene Tal erreicht wird, gibt’s an ’Die Rache der Saurier’ (Alternativ Titel) nichts mehr zu meckern.
Ein Kleinwüchsiger, der Minipferde stiehlt, ein Pteranodon, der sich mit einem Cabana-Boy davon macht, ein Cowboy, der einem Pteranodon das Genick bricht, ein gewaltiger Allosaurus, der sich die Nase kratzt (netter Querverweis), kurz bevor er von Lasso-schwingenden Cowboys eingekesselt wird und immer wieder diese alte Gypsi-Grandma, deren Lieblingswort “Fluuuch!“ ihr verfluuucht nochmal einmal zu oft über die runzeligen Lippen kommt.
Das alles und noch viel mehr gibt ’Gwangis Rache’ her.
Unter den Schauspielern findet man weder Stars noch Ausnahmetalente, aber wen stört das schon, wenn Dynamation-Saurier aufeinander prallen und Monster-Fans das große Herzklopfen kommt. Nichts anderes will der Film und das bekommt er ohne Wenn und Aber hin. Ganz besonders gelungen ist hier das Finale, in dem Allosaurus Gwangi die Bewohner einer mexikanischen Stadt aufscheucht und schließlich in einer riesigen Kirche gestellt wird.
Das Titelmonster gegen einen Elefanten antreten zu lassen (auch das gab’s schon bei ’Bestie aus dem Weltenall’) wird zum komischen Höhepunkt, da der Soundmann im Archiv scheinbar keine Jumbo-Tröte finden konnte und stattdessen Geräusche verwendete, die wohl von einem darmverstopften Unbekannten beim krampfhaft versuchten Stuhlgang erinnern. (Nicht, dass ich wüsste, wie sich so etwas anhört. Ist nur ’ne Ahnung.)

"Torro! Äh... Sauro!"

’Gwangis Rache’ packt Lasso-Romantik und röhrende Riesenechsen in einen kurzweiligen Genre-Mix. Die Effekte sitzen, die Helden stehen und die Fans dicker Dino-Action liegen sich in den Armen.


Hudson