Gryphon



Originaltitel: Gryphon (2007) Regie: Andrew Prowse
Drehbuch: Kenneth M. Badish, Tim Cox, Boaz Davidson & Sean Keller
Darsteller: Jonathan LaPaglia, Larry Drake, Amber Benson FSK: unbekannt


Märchenstunde, Kinder. Holt das Pappschwert aus dem Keller, macht’s euch bequem und schenkt Met ins Horn.

Jonathan LaPaglia als
'Der kampferprobte Haarschönling'...
Vor vielen, vielen Jahren waren die Länder Lockland und Delphi vereint und als großes Königreich bekannt. Da jedoch in mystischen Fantasyreichen grundsätzlich immer irgendwas im Argen liegt, begann Dünkel zwischen den beiden Staaten aufzukeimen und man trennte sich schließlich im Streit.
Aus Streit wurde Krieg und Krieg verlangt Schlachten, Blut und Heavy Metal. Genau hier setzt unsere Geschichte ein. Als in einer der Schlachten Locklands Prinzchen vom Thronerben Delphis erschlagen wird, schwört der Vater des ersteren bittere Rache. Der König gestattet seinem Hofzauberer Armond, den Gryphon zu beschwören. Ein uraltes, mächtiges Wesen, halb Löwe, halb Adler, halb Playstation-Grafik Demo. Doch Armond, der zwar aussieht wie ein zu fett gewordener Martin Luther, sich stilistisch jedoch an Dracula orientiert und zwei heiße Dämonen-Bräute an seiner Seite hält, denkt gar nicht daran, den Gryphon zum Wohl seines Volkes auf den Feind zu hetzen, sondern jagt das geflügelte Biest beiden Parteien auf den Pelz, um sich selbst zum Herren des Reiches auszurufen.

...ein Scan von Onkel Erwins altem Jagdfalken Kasimir und ein paar miese Effekte als
'Der eigentlich hilfreiche, aber in falschen Händen tödliche Gryphon'...

An dieser Stelle sei vermerkt, dass mit diesem Verrat zu rechnen war. Schließlich wird Armond von Larry Drake gespielt. Da hätte jeder halbwegs Filmkundige drauf kommen können, dass dessen Ziele nicht ganz koscher sind.
Nun, da Lockland und Delphi einen gemeinsamen Feind haben, passiert was? Genau, man verbrüdert sich, um gemeinsam gegen das Übel anzugehen. Das hat schon bei ’Armee der Finsternis’ und einer ganzen Sackladung anderer Streifen funktioniert, wieso nicht auch bei ’Gryphon’?
Vielleicht weil ’Gryphons’ dramaturgische Stringenz einem Cornflakes-Commercial Konkurrenz machen könnte. Weil die Darsteller nicht einmal in einer ’Xena’-Folge als Fantasy-Figuren durchgegangen wären. Und weil der titelgebende ’Gryphon’ schon im Jahr 1997 die Definition eines digitalisierten Schrotthaufens gewesen wäre und 10 Jahre später nur noch zum Kopfschütteln anregt.

...und Larry Drake als
'Der Fliegerhaubenhoschi'
Und das, obwohl sich der Rest der Ausstattung und der technische Aspekt durchaus sehen lassen können. Die Kostüme (abgesehen von Graf Zahl Armond) und das Make Up sind überdurchschnittlich solide und passen zur angepeilten Fantasy-Stimmung. Die Kamera ist stets ins Bewegung, spielt mit Perspektiven, schwelgt in heroischen Posen.
Wenn doch nur nicht die schrecklich abgeschmackten Spruchsalven (“Rise now! I command you! By the gods, take flight and wage war upon our enemies!” gefolgt von einem “He’s done it!” und dem unvermeidbaren “May god help us!“) und die Auftritte des unbrauchbar animierten Titel-Viehs jeglichen Schwung aus den Tamtam nehmen würden.
Möglicherweise wären selbst diese Mankos noch zu verschmerzen, wenn nicht dutzende übler Fantasy-Klischees aus dem ’Sword & Sorcery-Epos: Malen nach Zahlen’-Handbuch und die einfallslose Handhabung eben jener den letzten Rest der potentiellen Atmosphäre ausmerzen würden.

Schaut, wie originell es bei ’Gryphon’ wird:

...


Und wie sieht’s aus im Tal der Toten?

...²

Als Trash-Vehikel ist ’Attack of the Gryphon’ leider genau so wenig zu gebrauchen, wie als vollblütiges Fantasy-Spektakel. Eine Schande, dass Fantasyfilme dieser Tage jeglichen Charme einbüßen. Immerhin ist dieser Eintrag von 2007 im direkten Vergleich zum aktuellen D&D-Schlocker ’Dragon Hunter’ geradezu ein Fest der Sinne. Ein schwacher Trost.


Hudson