Der große Krieg der Planeten


‘Der neueste Thriller vom großen Krieg im Weltraum’


Originaltitel: Wakusei daisenso (1977) Regie: Jun Fukuda
Drehbuch: Shuichi Nagahara & Ryuzo Nakanishi
Darsteller: Kensaku Morita, Yûko Asano, Ryô Ikebe FSK: 12


“Ich glaube, dass Astronauten von einem anderen Planeten mich töten wollen.“

Willkommen zur knallbunten Kriegsmaschinerie der TOHO-Werke.
Hier schießt man mit grellen Lasern auf Modell-Landschaften! Hier knallen Raumschiffe aus dem Matchbox-Kontingent mit Korken auf die Hauptstädte der Welt! Hier richten außerirdische Finsterlinge Dildowaffen auf hilflose Mamselln! Hier zündet der Bunsenbrenner am Heck!

Hier wäscht man mit Spee Color!

Die Story ist schnell erzählt: Venusianer, grüne Aliens in schicker Space-Mode (altrömisch), wollen unseren schönen Planeten erobern, weil… ja sie brauchen den halt. Zum Leben. Und um mit ihren zweibeinigen Monsterhunden Gassi zu gehen. Und wegen der Aussicht.
Also schickt man UFOs in rauen Mengen herbei, beschießt alles was Rang und Namen hat und ruft sich übers visuelle Interkom zum obersten Käse aus.
“Ohne uns!“ antwortet die Gemeinschaft der Dingsbums, na hier, die Bruderschaft der heißen Astronauten der Welt. Auf dem Flaggschiff Gothen wehrt man zunächst die Invasions-Welle ab und schippert dann zur Venus selbst, um das Mutterschiff der Aliens, von allen nur “die römische Galeere“ genannt (anstelle der Ruder hat es Kanonenrohre), zu vernichten…

Behold the glory of TOHO!

“Die haben auf mich geballert. Das war wie Weihnachten.“

Da sachste wat!
Wann sonst gibt’s Ray-Guns, Modellstädte, Intubatoren und ein gehörntes Kuschelwesen, dass mit seiner Axt Laserstrahlen abwehrt? Naja, entweder zu Weihnachten oder zu Hochzeiten der TOHO-Studios in den knallbunten 70ern. Nachdem er Godzilla in etliche Abenteuer ähnlich bunter Couleur geschickt hatte, erfüllte sich Regisseur Jun Fukuda den Traum, einen astreinen Sternenkrieg der Papp-Klasse auf Zelluloid zu bannen. Und so erinnern die Zerstörungsorgien dann auch nicht von ungefähr an die Monster-machen-Metropolen-Matsch-Action der japanischen Genre-Schmiede Nummer eins.
Die Planeten-Modelle sind toll, die Zerstörungsorgien auf der Erde ein Riesenspaß und wenn aus Revolver-artigen Kanonenbooten die Raketen an Fäden hinausgefeuert werden, lacht das Herz des Flausenfreundes. Zudem gibt es einige wirklich beeindruckende Aufnahmen, wie das Auftauchen der Gothen aus dem explodierenden Wolkenhimmel im Finale.
Wie sooft in ähnlichen Streifen, spielen sowohl die Story, als auch die menschlichen Protagonisten (unter ihnen viele bekannte TOHO-Nasen) nur die zweite Geige hinter dem Budenzauber und auch wenn man genau das heutzutage als etwas auf sich haltender Filmfreund einem Streifen moderner Machart ankreiden würde: Hier ist es dank (Radar)Schirm, (Bauklotz)Charme und (Helm)Melone zu verschmerzen.

By this axe he rules!

Japanische Produktionen dieser Art haben eine lange Tradition und werden auch heute noch im Land der aufgehenden Sonne abgefeiert. Im Gegensatz zu modernen Effektschleudern wie der aktuellen Version des ’Space Battleship Yamato’, werden bei den Vintage-Flicks dieser Art Pathos-Schmalz, Aufopferungs-Heroik und Weltuntergangsstimmung jedoch durch den unschuldigen Charme der Kopfnicker- und Fingerwedler-Cast, liebevoll käsigen Tricks und funky Tunes austariert. Make no mistake, die Macher meinten das damals genau so ernst wie heute, aber wenn der Intubator blitzt und mit Dampfkraft durchs All geschippert wird, während Genre-Haudegen wie Akihiko Hirata seine Mannen in knallbunten Weltraum-Rüstungen herumkommandiert, dann nehmen wir das alles nicht ganz so furchtbar wichtig und haben dafür viel mehr Spaß daran.


Hudson