Grizzly


‘18 feet of gut-crunching, man-eating terror!’


Originaltitel: Grizzly (1976) Regie: William Girdler & David Sheldon
Drehbuch: Harvey Flaxman, David Sheldon & Andrew Prine
Darsteller: Christopher George, Andrew Prine, Richard Jaeckel FSK: 16


Spätestens nach ’Der weiße Hai’ war das Hollywood der Siebziger ein El Dorado für Tier-Horror-Fans.
Ein Jahr nach Spielbergs Blockbuster nahm sich Horror-Regisseur William Girdler die ’Yellowstone’-Romantik vor und hetzte einen wildgewordenen Grizzly auf ahnungslose Picknicker.

Nachdem zwei junge Camperinnen von der wilden Titel-Bestie gerissen wurden, wird Wildhüterli Kelly (Christopher George) von den Autoritäten zu Nachforschungen genötigt. Er scheint mit der Aufgabe jedoch hoffnungslos überfordert zu sein:

Trap Trap, der Trapper
“Da draußen läuft ein Killer-Bär rum und ich sitze hier und lutsche Eiswürfel. Ich bin wie erstarrt, mir fällt einfach nichts ein.“
Ja, nee, is klar. Schon eine verzwickte Situation. Ich würde auch erst ein Orakel befragen oder bei der Seelsorge anrufen, wenn ich in so einer ausweglosen Lage stecken würde.
Immerhin macht sich Ranger Hasenfuss jetzt auf, um mit Spezialisten und Trappern (u.a. Richard Jaeckel), über Herkunft und Art des Tieres zu diskutieren (“Es kann kein Grizzly sein.“ “Und ich sage ihnen, es ist ein Grizzly!“)
Diese Zeit nutzt Meister Petz natürlich, um weitere Naturburschen und Touris in Zelten zu (zer)reißen. Jetzt werden endlich echte Kerle (Hillbillies in Holzfällerhemden und Armee-Westen) in die Wälder geschickt, um zu erledigen, was erledigt werden muss.

“Es geht nur um den Bären!“
“Es geht nicht um einen Bären, es geht um einen Grizzly. Das ist ein Unterschied.“
“Ein Bär ist ein Bär!“
“Ein Bär ist nicht ein Bär, ob sie’s glauben oder nicht!“

Eine mörderische Bestie tötet Menschen, macht auch vor Frauen und Kindern nicht Halt und liefert sich letztlich ein Duell mit seinem verbitterten Jäger, nachdem sie dessen Freunde getötet hat... während die Autoritäten alles vertuschen wollen.

“Hmmmm, Dosenfutter!"
Dass ’Grizzly’ einer der ersten Filme war, die dieses seither 100000 mal auf- und abgekaute Prinzip vom ’Weißen Hai’ übernahmen, macht ihn keinen Deut besser. Ganz im Gegenteil: Der Erfolg, der diesem Machwerk beschert war, rief wohl noch mehr Plagiate auf den Plan, als ohnehin schon angedacht waren.
Leider kann das Vieh-Vehikel keinerlei Schauwerte zum Ausgleich bieten und plätschert langatmig durch die Nadelwälder Nordamerikas. Der Score klingt nach Ausschussware, die man so oder so ähnlich schon bei Ed Wood oder in Geisterbahnen gehört hat.
Die Schauspieler sind zwar nicht schlecht, wirken jedoch hoffnungslos unterfordert.
Der Bär selbst haut ordentlich zu, meist gibt es aber nur knallrote Kratz-Spuren zu belächeln. Ansonsten schlägt er Hütten ein, schubst Hochstände um und keult sogar einen Hubschrauber von den Kufen, als hätt er’s bei ’Godzilla’ gelernt.
Das William Girdler einen durchaus fähigen Natur-Fetzer hinlegen kann, bewies er ein Jahr später mit ’Panik in der Sierra Nova’.
’Grizzly’ selbst sollte in den 80ern einen Nachfolger (mit George Clooney, Charlie Sheen, Laura Dern und Louise Fletcher!) spendiert bekommen, dessen Dreharbeiten jedoch mittendrin gestoppt wurden.

Und die Regierung schaut nur zu!

Ich weiß nicht, wie es um euch bestellt ist, aber ich finde Bären eh nicht besonders furchterregend, bin allerdings noch keinem persönlich begegnet. All jenen, die echten Horror suchen, muss ich hier eine Absage erteilen. ’Grizzly’ ist so spannend wie eine Folge ’Hallo Rolf’ und so gruselig wie ein Besuch im Naturkunde-Museum.

Hudson