Im großen Land der kleinen Leute


‘Where it doesn't matter how big you are,
just how big you dream.’


Originaltitel: The Great Land of Small (1987) Regie: Vojtech Jasný
Drehbuch: David Sigmund
Darsteller: Karen Elkin, Michael Blouin, Michael J. Anderson FSK: 6


Backwood Magic
'Raus aus dem Big Apple, rein ins ländliche Quebec' heißt es für Jenny und David, zwei quengelige Großstadtblagen mit kanadischer Verwandtschaft mütterlicherseits. Dort angekommen, treffen die beiden beim Spielen im Wald den Zauberzwerg Fritz, der für ungläubige Erwachsene unsichtbar ist. Fritz ist vor Kurzem sein Sack voller Goldstaub vom üblen Oberförster Flannigan gestohlen worden und das, liebe Freunde, ist ein 100 % jugendfreier Satz.
Nachdem Jenny und David sich mit dem Schlawiner angefreundet haben, entschließen sie sich dazu, seinen Goldstaub für ihn zurückzuerobern. Doch Flannigan und seine hinterwäldlerischen Schergen verstehen keinen Spaß und zwingen die drei schließlich in eine Enge, aus der es nur einen Ausweg gibt: Per Zauberwunsch in das magische Land hinter dem Regenbogen. Hier hausen allerlei Wunder, wie menschliche Schmetterlinge, hüpfende Artisten in bunten Kleidern, ein Möter und ein spuckender Kackfelsen namens Slimo, doch Paul und Jenny, deren Familie mittlerweile verzweifelt nach ihnen sucht, müssen zurück in die echte Welt (naja, Kanada) um ihren Auftrag zu erfüllen …

“Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo! Slimo!“

Das ist Slimo. Erinnert sich noch jemand an Das Gehirn?

In einer der absurderen Szenen von ’Im großen Land der kleinen Leute’ rutschen die Einwohner der kruden Zauberwelt eine Rampe hinunter, direkt in das offene Maul dieses Dings, um in wundervolle Wesen verwandelt zu werden. Hat da irgendjemand 'Erneuerung' gerufen?
’Great Land of Small’ wurde von dem erfahrenen tschechischen Drama-Regisseur Vojtech Jasny (’Ansichten eines Clowns.’) inszeniert und bedient sich thematisch bei bekannten phantastischen Werken wie ’Der Zauberer von Oz’ (viele Fabelwesen sind eigentlich magische Versionen von Familienmitgliedern) und ’Die unendliche Geschichte’ (das Hauptset erinnert an eine preiswerte Variante des Elfenbeinturms). Bevor es jedoch endlich ins titelgebende Zauberland geht (und leider auch danach), hält sich der Film viel zu lange mit Geplänkel auf.

The return of Gwildor & his magic key
Dort angelangt kann von einem “großen Land“ schon überhaupt nicht mehr die Rede sein. Die Nebelmaschinen und putzigen Cartoon-Effekte können lächerlich bunt gekleidete Komparsen (größtenteils Cirque-du-Soleil-Artisten) und lieblos gefertigte Kulissen nicht verschleiern. Hier wird keine fantastische Wunderwelt inszeniert, sondern kunterbunter Jubel-Kitsch auf engstem Raum, der kaum zu bezaubern weiß. Normalerweise müssen Kinder in solchen Filmen große Abenteuer bestehen, hier stehen sie nur rum und applaudieren dem Budenzauber, während ihre Mutter zu Hause weinend am Kneipenstammtisch hockt. Der Magie fehlt es an Wert und Gewicht, sodass auch nach der Rückkehr in die Realität mit Zaubervolk im Schlepptau keinerlei wirkliche Spannung aufkommt, bis der Film schließlich sein rührseliges Ende komplett mit sentimentalem Titelsong findet.
In einer reichlich fragwürdigen Szene meint die Königin des Zauberlandes (offensichtlich die Mutter der Kinder in Glitter-Make Up) zum Zwergenherrscher: “Wäre es nicht schön, wenn wir auch Kinder haben könnten?“. Ja, das wäre eventuell eine schöne Idee für einen Psychothriller. Und mit solchen hat der Kleinwüchsige Michael J. Anderson (’Twin Peaks’) ja seine Erfahrung.

“Procede to be Slimo!“

United colors of Regenbogen

Trotz solcher WTF?!-Einlagen bleibt ’Im großen Land der kleinen Leute’ eine harmlose Kinderfantasy, die leider zu lange braucht, um in Fahrt zu kommen und auch dann nur mit drittklassigen Wundern und Cirque-du-Soleil-Performances aufwarten kann. Einer dieser typischen Filme, die nur in nostalgischen Erinnerungen als wahre Magie stecken bleiben. Aber vielleicht setzt ihr ihn einfach noch einmal euren eigenen Kindern vor.


Hudson