Das Geheimnis des Grabmals am Nil


‘Buried alive - her evil cannot be contained forever.’


Originaltitel: The Tomb (1986) Regie: Fred Olen Ray
Drehbuch: Kenneth J. Hall
Darsteller: David O'Hara, Michelle Bauer, Cameron Mitchell FSK: 18


Fred Olen Ray, YAY, YAY!
Der Mann, der uns ‘Die Insel der Dinosaurier’, ’Wizards of the Demon Sword’ und ’Masseuse 2’ brachte, hatte auch anno ’85 den Finger am Puls.
Abenteuer, auch ’Ätwentscha’ genannt, war das hippe Genre schlechthin. ’Das mischen wir mit Horror und Thrill, nennen es ’The Tomb’ und fettich ist ein sicherer Hit!’, dachte sich wohl Young Olle Ray.

'Cause I'm leavin on a Jetplane...'
Und recht abenteuerlich fängt es auch an. Protagonist Banning, ein ’Tomb Raider’ der hart gekochten Schule, trifft sich mit Artefakt-Sammlerin Sybil Danning (genau, die dickbrüstige Amazone aus B-Genre-Klassikern wie ’Sador’ und Lou Ferrignos ’Herkules’), die zwar großes Interesse an Bannings Objekten hat, aber nicht bezahlen möchte.
Eine kleine Ballerei später (ein Schuss aus dem Trommel-Revolver zerfetzt ein ganzes Flugzeug) ist das Problem gelöst.
Nach diesem imposanten Auftakt stimmt uns eine als Pharaos und Mumien bekleidete Kapelle mit ihrer Version von ’Tutti Frutti’ ein und ein Kellner bekommt auf das Angebot: “Wenn ich darf empfehlen: Lammzunge. Heute besonders zart.“ vom Protagonisten dieses Streifens (mit Alf-Synchro) die flapsig-flotte Antwort: “Wenn ich was empfehlen darf, Mustafa. Leck mich mit deiner zarten Lammzunge am Arsch und bring mir ein anständiges Steak.“
Alles klar: Niveau gesetzt, Beleuchtung an und für B-Trash-Fans noch schnell den Namen Cameron Mitchell (’Eine Handvoll blanker Messer’) in die Credits geritzt.

Nutzen auch sie unsere
ausgiebige Skin-Care
Produktpalette...
Unter Beschallung herrlich schrottiger Arab-Düdel-Musik (stammt ganz sicher aus irgendeinem NES-Spiel) begleiten wir unseren vermeintlichen Helden durch’s wilde Schuchistan, wo er mit Hilfe von zwei anderen Grabräubern schließlich eine Grotte entdeckt, in der sie Unmengen von Schätzen zu finden glauben. Es erwartet sie allerdings die uralte Fez-Hexe Nefratis, die Bannings Kollegen die Lebensenergie auslutscht und ihn selbst mit einem Fluch belegt.
Eine heiße Verfolgungsjagd später sind wir in einem amerikansichen Großstadt-Mloch angelangt, wo die Dinge nicht nur eine Wendung nehmen.
Zur schönen Vampirella erblüht besucht Nefratis (Michelle Bauer, ’Phantom Empire’) ihn auch kurze Zeit später und schiebt ihm einen Skarabeus unter die Brust, was den Fluch komplettiert und Banning zu ihrem Sklaven macht. Leider hat er seine Fundstücke schon allesamt verscherbelt und so muss sich das Fluchluder Nefratis nun durch die Sammelecken der Großstadt meucheln…

Olen Ray’s Genre-Mix-Idee in allen Ehren, aber er hat weder sich, noch mir einen Gefallen getan, den Film ’The Tomb’ zu nennen und das Cover in bester ’Indy’-Tradition zu gestalten. Nach ca. einer halben Stunden hat sich nämlich das Abenteuer gegessen und wir bekommen einen waschechten Mystery-Crime-Thriller kredenzt.

... und regenerieren
sie in wenigen Tagen
ihre Mumifizierung...
Das klingt auf dem Papier natürlich nicht schlecht, sogar recht frisch für einen Film aus dem Jahre ’85.. und hier kommt das traurige ’Aber’: Anstatt bei Banning zu bleiben, ihn möglicherweise den Fluch selbst lösen zu lassen, fokussiert Ray die Handlung auf die beiden (allmählich zum Liebespaar mutierenden) Kinder zweier Wissenschaftler und verlegt die Schauplätze in schummrige Discos und dunkle Büroräume. Hinzu kommen ein Polizist, grobe Übersetzungsfehler in der deutschen Synchro (Omen-Ra? Horas? Nanana, da schreit der Ägyptologe in mir auf.) und Cameron Mitchell, der in seinen kurzen Auftritten mit selbstverliebtem Pseudo-Psycho-Sprech (“Je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleiben sie dieselben.“) mehr zum Augenrollen anregt, als zu tatsächlicher Spannung oder gar Unterhaltung.
Da hatte Banning-Darsteller David O’Hara (’Hard Rock Zombies’) schon mehr zu bieten. Nicht nur wegen der urigen Sprüche, die er in der deutschen Fassung klopft (“Verdammt wo hast du gesteckt? Ich hab dich überall gesucht!“ “Ich bin nicht dagewesen.“ “Wo?“ “Da, wo du gesucht hast.“), sondern weil vor allem während seinen Szenen Spaß und Spannung am höchsten sind. Ein Highlight: Bannings Flucht (bekleidet in einem Modeverbrechen von lila Hot-Pants und purple Shirt) vor zwei Zollbeamten durch einen Güterbahnhof, während uns ein Song mit dem Titel ’I know you got me twisted’ vorgerödelt wird. Eine unpassendere Begleitmusik kam mir selten unter die Ohren. Der Soundtrack soll dann auch auf diesem zwar amüsanten aber nicht wirklich repräsentativen Niveau verharren.

... jetzt auch für Reptilien und Altstars!

Zugegeben, meine Kritik gehört mitunter in die Kategorie ’So hätte ich den Film gern gesehn’ und deutet einmal mehr darauf hin, dass wir es hier (wie immer, meine Freunde) mit nur einer, nämlich meiner Meinung zu tun haben. Seid ihr ein Fan von Olen Ray oder B-Filmen allgemein, dürfte euch auch ’The Tomb’ ein kleines Vergnügen bereiten. Warum nicht als Double-Feature mit ’Bloodsucking Pharaos in Pittsburgh’?

Hudson