Gor



Originaltitel: Gor (1988) Regie: Fritz Kiersch
Drehhbuch: John Norman, Rick Marx, Harry Alan Towers
Darsteller: Urbano Barberini, Oliver Reed, Paul L. Smith FSK: 16


John Normans berüchtigte ’Gor-Saga’ trägt ihren Ruf ’Eine chauvinistische Männerfantasie von Sex und Gewalt zu sein’ nicht umsonst. Die plakative Darstellung des brutalen Lebens und Sterbens in der Zwischenwelt Gor, verschaffte ihrem Autor einen zweifelhaften Ruhm und brockte der Reihe ein deutschlandweites Verbot ein.

’Gor’ ist eine konsequente Verfilmung des Romans ’Tarnsman of Gor’, hat aber die typischen Makel einer 80er Fantasy-Sandale. Der orchestrale Score macht zu Beginn mächtig Laune und will den Zuschauer auf ein Abenteuer der Extraklasse vorbereiten. Dass dem Film das nicht gelingen will, liegt an unterschiedlichen Faktoren.

Nackte Weiber auf Pferden:
Willkommen in 'Gor'.
Aber fangen wir am Anfang an: Tarl Cabot ist ein junger Professor für Geschichte, der irgendwas von Einsteins ’Wahnsinn zu Materie’ – Theorie faselt, einen magischen Ring besitzt und auch sonst ein ziemliches Weichei ist. Eigentlich wollte er mit seiner Freundin ins Wochenende fahren, die gibt ihm allerdings einen Korb und zieht mit dem Sunnyboy-Professor der Uni (witziger Cameo von Arnold ’Die Mumie’ Vosloo) los.
Da Tarl sich aber sowieso auf seine Arbeit konzentrieren wollte, fährt er alleine fort und hört im Auto eine 80er Ballade, deren Interferenzen ihn kurz darauf gegen einen Baum krachen lassen und ihn ins Reich der Träume schicken. Als er aufwacht, befindet er sich in einer staubigen Steinwüste und wird Zeuge (Sandalen-Klischee Nr. 1) des Überfalls einer bösen Armee auf ein friedliches Wüstendorf. Der finstere Herrscher Sarn (gespielt von Hollywood’Legende’ Oliver Reed) und seine Schergen tragen furchtbar große Helme, die wahrscheinlich in Konkurrenz zu den furchtbar großen Frisuren der Guten stehen. Wie sich herausstellt, stiehlt Sarn alle ’Heimatsteine’ der Völker und hat soeben den letzten dieser magischen Artefakte (ein überdimensionales, summendes Tropi Frutti) erobert.
Die Tochter des Dorfältesten kann entfliehen, wird aber verfolgt und dann entdecken die Häscher auch den verdutzten Tarl. Da hilft’s auch nicht, dass der Ärmste ihnen seinen Führerschein zeigt (oder um es mit den Worten des Dorfältesten zu sagen: „Die sind schlimmer als Barbaren!“). So muss sich Tarl des Angrifs erwehren und tötet aus Versehen den Sohn des bösen Sarn. Das entflohene Mädel und Tarl werden schließlich von einer Schar Rebellen gerettet und es stellt sich heraus, dass dies die Zwischenwelt Gor ist, in der man natürlich englisch spricht (und ein wenig Polnisch: Das soeben erstürmte Dorf heißt ’Korowa’!) Laut einer Prophezeiung (Sandalen Klischee Nr. 2), die der oblgatorische weise Opi vorträgt, ist Tarl Cabot ein Auserwählter, der erstmal über sein Schicksal aufgeklärt werden muss. Dies geschieht mit 1.) weiteren Fantasy Klischees, 2) furchtbaren Dialogen und 3.) amateurhafter Synchro. Ja, das sind ja gleich drei Dinge auf einmal. Das geht nun wirklich nicht? Doch, hier:
„Wir müssen den Stein zurückbekommen, er ist bei Sarn und der ist in seiner Burg in den Sarderbergen. Die Berge gehören zum verbotenen Land. Die Ebenen sind übersät mit den Hütten von Flüchtlingen und Geächteten, die sich dort ansiedeln.“ Also bitte.
Nach einem guten Start fällt der ganze Film dann in den üblichen ’Heroic Fantasy’ Einheitsbrei und benötigt einige Anläufe, um wieder auf Trab zu kommen.

Reed mit Hut.
Natürlich gibt es die ’Building Up: Tarl Cabot’- Montage. Natürlich machen er und seine neuen Freunde sich auf die (eben erwähnte) Reise. Und natürlich müssen sie auch viele Abenteuer (Frauen-Catchen, Sklaven befreien) bestehen und all die üblichen ’Sword & Sorcery’ Stationen (Fantasy-Spelunke, Stadt der Bösen, Tempel des Grauens etc. etc.) ablatschen. Sie treffen auf Hünen, Zwerge, Nomaden, Aussätzige und natürlich knapp bekleidete Damen. Als am Ende dann alles überstanden ist (Tut nicht so überrascht!) und Cabot (wieder daheim) der ’Mumie’ einen ordentlichen Kinnhaken verpasst hat, taucht auf einmal Jack Palance auf. Der grient in die Kamera und sabbelt irgendwas von irgend einer neuen Prophezeiung. Die hat dann wohl etwas mit dem Nachfolger ’Der Geächtete von Gor’ zu tun, auf den ich schon gespannt wie ein Flitzbogen bin.

So stimmig der Soundtrack auch ist, so groß die Frisuren, so knapp die engen Bikinis, so martialisch die Action; so fragwürdig ist auch der chauvinistische Touch des gesamten Filmes. ’Gor’ macht seiner Vorlage alle ’Ehre’ und kommt zuweilen wirklich wie die sadistische Männerfantasie aus den Tiefen eines bösen feuchten Traumes daher. Die Schauspieler passen ihre Leistungen dem Thema in unterschiedlicher Qualität an. Hauptdarsteller Urbano Barberini stellt den Prof. aus dem Mustopp, der zum Krieger für das Gute wird überzeugend dar. Oliver Reed übt sich in finsterem Over Acting und die Nebendarsteller versuchen, sich nicht in ihren Kostümen und Frisuren zu verlieren.

"Wow, ein Infrarot-Ring!"

Gor unterscheidet sich von anderen vertretern seines Genres größtenteils durch sein staubiges Setting und die bereits erwähnte martialische Chauvinistik. Wer also auf Wüsten und wüste Kettespielchen steht, der kann mal einen Blick drauf werfen. Der Rest schreibt lieber Mama oder der Freundin einen Brief und sagt nochmal: „Ich hab dich lieb!“

Hudson