Goodnight - Die Nacht, als Knecht Blutbrecht kam


‘You'll scream till dawn!’


Originaltitel: To All a Good Night (1980)
Regie: David Hess Drehbuch: Alex Rebar
Darsteller: Jennifer Runyon, Forrest Swanson, Linda Gentile FSK: ungeprüft


Weihnachtszeit, Slasherzeit. Noch bevor sich Roger Ebert und Elternverbände 1984 darüber aufregten, dass Father Christmas in ’Silent Night, Deadly Night’ als Hacksepperl missbraucht wurde, schickte ausgerechnet Schauspieler David Hess (’Wenn du krepierst, lebe ich’) in seiner ersten und einzigen Regiearbeit einen Weihnachtsmann mit stahlscharfem Rutenersatz ins Rennen um die Feiertags-Slasher-Charts.

Regel Nr. 1: Nicht trinken!
(Optional: Bloß nicht wie
Charlie Sheen aussehen!)
Wie uns eine Rückblende mit formschönem Weichzeichner-Rand zu Beginn des Filmes zeigt, verunglückt bei einer ausgelassenen Verbindungshaus-Hatz unter zickigen Sorority Girls die gehetzte Anwärterin und wer meint, dass dies keine Konsequenzen mit sich ziehen würde, der hat ’Prom Night’, Terror Train’ und all die anderen Studenten-Slasher aus den 80ern noch nicht gesehen.
Zwei Jahre später sitzt dieselbe Fuhre Studnik-Hippen im selben Gebäude am reich gedeckten Gabentisch und kichert sich den Lipgloss trocken. Der Grund ihrer Aufregung ist ein Privatflugzeug voller Kommilitonen-Yuppies, die über die Feiertage das Haus mit ihrer Anwesenheit beglücken, und die Damen besteigen wollen. Was sie jedoch (noch) nicht wissen: Ein irrer Typ in Verkleidung des traditionellen Superhelden Weihnachts-Man schleicht durch die Flure und wird in kürzester Zeit einen nach dem anderen von ihnen mittels vielfältiger Nutzung gefährlicher Gegenstände ins Jenseits befördern…

Regel Nr. 2: Auch mal die
Frau oben sitzen lassen!
Ooookay… Ein Durchgeknallter in Verkleidung schleicht durch ein Herrenhaus, tötet liebeshungrige, partygeile Jugendliche und… mir fällt grad auf, dass ich diesen Satz nicht zufriedenstellend beenden kann, da es kein ’und’ gibt.
Was zum Teufel hat sich David Hess dabei gedacht? Und überhaupt: Was macht der da hinter der Kamera?! Der soll mal lieber vors Publikum treten, sich für diesen Schiss entschuldigen, zur Strafe 50 Liegestütze machen und 5 Teenager belästigen.
Na schön, der Film dauert keine zehn Minuten, da werden zappzarapp schon die ersten beiden Kids in den Slasher-Himmel gemessert. Und zu Hess’ Verteidigung muss man auch sagen, dass dieses Tempo beibehalten wird und der Killer in regelmäßigen Abständen seinem blutigen Handwerk frönt. Einmal verpackt er sich sogar in eine Ritterrüstung und benutzt eine Armbrust, um einen keuchenden Stecher vor dem vorzeitigen Samenerguss zu bewahren. Doch das Ganze ist so verdammt schnarchig inszeniert, unterbelichtet und mit schon damals überholten Stilmitteln, mieser Musik aus der ’Psycho’-Gedächtnis-Spieluhr und “Oh my god! We’re gonna die!“-Gejaule vollgepfroft, dass selbst abgetrennte Köpfe und blutiges Ableben durch bösartige Anwendung von Äxten, Messern und Garotten mich nicht milde stimmen wollen.

“You know, the people who send their kids to this school, they have a lot of political power. So you put your hands on any of these little phillys and I personnaly change your vocal pitch!”

Regel Nr. 3: Ein Weihnachtsmann, der nachts auf einem Baum sitzt und eine
scharf blitzende Klaviersaite in Händen hält, hat möglicherweise Böses vor!

Fazit: Auch wenn Genre-Fans möglicherweise den einen oder anderen Kick aus ’Knecht Blutrecht’ beziehen könnten, geraten Slasherfilme kaum klischeehafter, abgeschmackter und transusiger, kurz typischer als dieser hier. Dann doch lieber mit ’Jessy - Die Treppe in den Tod’ rauf- und runterjoggen.


Hudson