Godzilla vs. Mechagodzilla II


‘After this battle, it will all be over.’


Originaltitel: Gojira VS Mekagojira (1993) Regie: Takao Okawara
Drehbuch: Wataru Mimura
Darsteller: Masahiro Takashima, Ryoko Sano and Megumi Odaka FSK: 12


Guess who's back... yet again.
Frei nach dem Motto “Not macht erfinderisch“ kramen Ingenieure der Vereinten Nationen die Trümmer Mechagodzillas von der Halde und machen sich an die Arbeit, Big Gs kybernetischen Zwilling zu restaurieren, um Nippons Nemesis endlich Herr zu werden.
Das letzte Mal, als wir Mecha-G zu Gesicht bekamen, war Mitte der Siebziger bei ’Konga, Godzilla, King Kong: Die Brut des Teufels’ aka ’Mechagodzilla - Die Brut des Teufels’ aka aka ’Godzilla und der Kampf der Titanen’, was möglicherweise zur Schlussfolgerung führt, dass die ’G-Force’ getaufte Organisation zur Vernichtung der Riesenechse, größtenteils aus Retro-Junkies oder Honda- und Fukuda-Fans besteht.

Recherche beim Verteigigungsministeriums:
Das Anschauen aller Godzilla-Filme
Während der gigantische Roboter rekonstruiert wird und die G-Force die Schulbank drückt (man kämpft sich durch Kurse wie “Du und dein Riesenmonster“, “Godzillas Nacken – Schwachstelle oder Kraulzone?“ & “Radiowellenreiten“), finden Forscher auf einem Ableger von Monster Island ein Ei, das sie zunächst für den ungeschlüpften Nachwuchs von Rodan halten. Der gewaltige Gummiadler haust hier nämlich mit eiserner Schwinge und bringt die leichtfertigen Wissenschaftler, die das Ei ohne große Vorsichtsmaßnahmen in ihr Zelt auf einen Tee einladen, in Lebensgefahr, als Godzilla persönlich auftaucht und dem Flattermonster die Spannweite kürzt. Den Wissenschaftlern gelingt die Flucht mit ihrem Fund, doch zuhause im Labor entpuppt sich das Mitbringsel als echtes Überraschungsei.
Happy Birthday Godzilla Junior aka Baby aka Minilla aka Minya (wie er früher in den bunten Seventies auf Infant Island gerufen wurde)! Der kleine Monsternachwuchs wird von den Wissenschaftlern unter dem netten Medium Miki Saegusa (Megumi Odaka, ’Die Legende von der Mondprinzessin’) in einem Gehege aufgezogen, doch Kenner solcher Streifen ahnen, dass es nicht lange bei lässiger Streichelzoo-Action bleiben wird…

Als Fan von Minya kann ich hier nur ein
"Awwwwww!" von der Lippe fallen lassen.

Schon witzig, womit wir es bei ’Godzilla vs. Mechagodzilla (II)’ zu tun haben. Da ist ein ungleiches Elternpaar, Godzilla und Rodan, die sich wahrscheinlich nach jahrelangem Inselkoller auseinandergelebt haben und nur durch die Fürsorge für ihr ’Baby’ Zusammenhalt finden.
Wo kommt das Ei her? Hat es Godzilla gelegt und dann Rodan untergeschoben? Ist es ein Produkt ihrer Paarung? Zahlt Godzilla Unterhalt? Fragen wie solche bringen Godzilla-Fans um den Schlaf. Fest steht aber, dass diese Konstellation hier für eine interessante Dynamik genutzt wird.

'Hasch Mich' auf Kaiju Art
Nachdem die menschlichen Protagonisten, um die sich (wie in beinahe jedem Godzilla-Streifen) kein Zuschauer auch nur einen Krümel schert, das Ei entwendet haben, richtet sich der (diesmal gerechte) Zorn der Monster einmal mehr in Richtung Menschheit. Wer will sein Kind schon in den Händen dieser zerstörerischen Rasse wissen? Okay, Godzilla selbst hat auch einiges auf dem Kerbholz, aber wer ist denn überhaupt erst für seine Erschaffung verantwortlich? Wer schickt auch hier wieder Panzer, Maser-Cannons und eine seinem Antlitz nachempfundene Höllenmaschine im Kampf gegen ein besorgtes Elternteil? Wer versucht sein Baby zum Veganer zu erziehen, indem sie ihm als allererstes Schnittblumen zum Fressen anbieten? Wer ist hier die wahre Brut des Teufels, häh?
Die Verbindung zwischen den drei Monstern (im Film durch eine Art psychokinetischen Link visualisiert) ist überzeugender und interessanter als alles, was mit den menschlichen Protagonisten um Megumi Odaka passiert. Odaka spielte die Wissenschaftlerin Saegusa bereits in den drei vorherigen (sowie in den zwei folgenden) Godzilla-Streifen der Heisei Era und sie ist auch der einzige menschliche Mitspieler in dem Monsterzirkus, an dem man sich mit Müh und Not festhalten kann. Allerdings auch nur in Verbindung mit Mini-Godzilla, der hier design-technisch ganz nach seinem Papa (Mama?) kommt und für etwas cute comic relief in dem ansonsten recht düsteren Streifen sorgt, der mit (für diese Art von Film) tollen Effekten und einem bombastischen Score von Maestro Akira Ifukube begeistern kann.

Ein treffendes Portrait für gnadenlose
Ausrottung gefährdeter Arten durch
Agenten der Industialisierung... Alter!
Wenn die Monster später schließlich auf klasse gezimmerte Modelstädte und aufeinander prallen, wissen Fans wieder, warum sie Filmen wie diesem entgegenfiebern: Epische Monsterfights, Godzilla in Kyoto, Godzilla auf der Rennbahn, Godzilla auf dem Rummel. Pure bliss.
Zugegeben, in Richtung Finale wird’s ein wenig sehr absurd, wenn Energien geopfert und telepathische Verbindungen durch trällernde Mini-Mädchen hergestellt werden und Mechagodzilla sich an den Kombi-Techniken ’Power Rangers’ orientiert. Auch die schon in den Vorgängern thematisierte “Verwissenschaftlichung“ der Thematik will mir nicht wirklich schmecken. Aber Leute, das ist das Jammern auf hohem Niveau, kurz vor dem positiven Fazit, denn was ’Godzilla vs. Mechagodzilla (II)’ letztlich an Kaiju Schauwerten offeriert, lässt Beanstandungen vom radioaktiven Wind verwehen.


Hudson