Godzilla - Der Urgigant


‘The most terrifying monster of all time is back in his greatest movie ever’


Originaltitel: Gojira vs. Biorante (1989) Regie: Kazuki Ohmori
Drehbuch: Shinichirô Kobayashi & Kazuki Ohmori
Darsteller: Kunihiko Mitamura, Yoshiko Tanaka, Masanobu Takashima FSK: 12


Der schöne Rücken des Entsetzens

“Diese Stadt, mit modernster Technik errichtet, wurde in nur einem Tag zerstört.“

Wir erinnern uns: 1984 erwachte Godzilla erneut und begab sich in seine Lieblings-Metropole, um einmal mehr an den Fassaden zu knabbern und auf hilflose Bürger zu latschen. Das Resultat dieser Zerstörungsorgie sehen wir gleich zu Beginn von ’Godzilla der Urgigant’.
Tokio liegt in Schutt und Asche und wird allmählich vom japanischen Militär und dem Bauarbeiter von den Village People (die Amis leihen immer gerne eine helfende Hand) wieder aufgebaut. Als ein Wissenschaftler Big G-Gewebe aus den Überresten eines Häuserblocks aufklaubt, nimmt das Drama seinen Lauf.

Japanische Gelassenheit: Godzilla
ante portas und die spielen Twister
Diverse internationale Unternehmen sind am Erbmaterial des Monsters interessiert und schon bald kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen in den Trümmern der großen Stadt. Inmitten dieser Wirrungen gelingt es Dr. Shigami, eine Kreatur aus den Genen Godzillas und denen eines Rosenbusches zu züchten. Von letzterem glaubt er übrigens, der Geist seiner (bei einem Attentat durch eine der Fraktionen umgekommenen) Tochter würde ihm innewohnen. In diese verrückte Geschichte tappst schließlich unser großer grüner Freund/Feind selbst hinein, nachdem er aus seinem Schlummer erneut erwacht und wir die unsterblichen Worte “Er bewegt sich auf Tokio zu!“ hören…

Nach der nuklearen Bedrohung im Vorgänger, wurden in ’Godzilla vs. Biollante’ die Gentechnik und ihre vielfarbigen Gefahren zum zentralen Thema auserkoren. Jeder Film aus der Reihe hatte seit jeher eine ökologische Botschaft (außer vielleicht der mit dem Kind und Godzillas sprechendem Sohn) und auch hier wird wieder ein wenig mit dem Zeigefinger gewedelt.

"Feed me, Seymor!"
Die Story beinhaltet diverse kriminelle Organisation, ein Medium und jede Menge militärisches Allerlei, mit Hilfe dessen Genre-typische Szenen freigeschaltet werden (wichtige Männer stehen vor strategischen Bildschirmen und diskutieren, ’Red Digital Readouts’ laden zum Countdown ein).
Dass darüber nicht die Action vergessen wird, wird schon zu Beginn klar, als heftige Shootouts das Bild beherrschen und Big G nach Erscheinen gleich vom Meer aus attackiert wird (tolle Szene).
Godzilla, der extra für diesen Film ein neues, noch gemeineres Design verpasst bekam, hat es diesmal nicht nur mit den wiederaufgebauten Straßenzügen Tokios, diversen Raketensystemen, Kampfhubschraubern, Maser Cannons und einem Nachfolger des X 1-Attack-UFOs aus ’Godzillas Rückkehr’ zu tun, sondern darf sich nach vielen Jahren endlich mal wieder mit einem waschechten Monster balgen.

"MASER"
Es war zwar “nur“ das vegetarische Valentinstags-Monster Biollante, das beim japanischen Publikum nicht besonders gut ankam, aber zur Abwechslung mal eine eher originelle Kreatur darstellte und den Weg zu mehr Monster-Mayhem in den Nachfolgern ebnen sollte.
Neben allen möglichen Varianten (u.a. einer Gitarrenrock-Version) von Maestro Ifukubes ’Godzilla’-Theme gibt es mitten im Film eine eher merkwürdig anmutende Wendung in der musikalischen Untermalung, die dann plötzlich eher an einen Score erinnert, den man in einem Fantasy-Streifen mit Kutschen, Schwertkämpfen und Rittersleut erwarten würde.
Besonders amüsant sind hier wieder jene kleinen Szenen aus dem Alltag der von Big G geplagten Japaner.
So gibt es u.a. eine Szene, in der die Flughafen-Durchsage ertönt, dass aufgrund der Ereignisse alle Flüge gestrichen sind. In diesem Moment muss man sich einfach in einen Touristen hineinversetzten, der sich gerade (natürlich mit japanischer Zurückhaltung) ärgert: “Na toll. Eine Woche Urlaub in meinem Karoshi-verseuchten Büroleben und ausgerechnet jetzt muss Godzilla auftauchen und mir die Reise nach Bayern versauen!“

Biollante ist mit bahnbrechender Ipecac-Technologie modifiziert.
Bislang hat sie diese jedoch nicht unter Kontrolle. Das Resultat sehen sie hier.

Trotzdem erinnert ’Godzilla, der Urgigant’, wie schon ’Godzillas - Die Rückkehr des Monsters’, an die Ernsthaftigkeit des übermächtigen Originals und lässt das eher alberne Gejuckel aus dem Zentrum der knallbunten Showa-Ära vermissen. Dennoch ist dies ein aufwendig inszeniertes Monster-Spektakel, mit Message und reichlich Abwechslung im Programm. Was sollte der gestandene Riesenmonster-Fan daran nicht mögen?


PS: Es ist nicht besonders clever, Godzilla aus dem 20. Stockwerk eines benachbarten Hochhauses mit einer Bazooka ins Maul zu schießen und dann noch einen feschen Spruch abzulassen. Der grüne Riese haut zurück und das Treppenhaus ist mitsamt dem Fahrstuhl und der Feuerleiter schneller zerprankt, als man ’Ground Zero’ schreien kann.


Hudson