Godzillas Revenge



Originaltitel: Gojira-Minira-Gabara: Oru kaijû daishingeki (1969)
Regie: Ishirô Honda Drehbuch: Shinichi Sekizawa
Darsteller: Tomonori Yazaki, Eisei Amamoto, Sachio Sakai FSK: unbekannt


“Where would you like to go?”
“An island.”
“An island?”
“Yeah, Monster Island. Godzilla is there and Rodan and Minya.”

Ichiros Reise ins Zauberland

Ichiro ist ein kleiner verhuschter japanischer Junge, der von den anderen Kids herum geschubst und gehänselt wird, dessen Eltern kaum Zeit für ihn haben und ihn nicht verstehen und der sich nur allzu gerne in Tagträume flüchtet.
Wenn er träumt, dann sitzt er in einem Flugzeug und die Stewardess säuselt durch die Sprechanlage: “Good afternoon, Ladies and Gentlemen. Welcome aboard Pan Amerian Flight one. Direct to Monster Island.” Und schon ist Ichiro auf besagter Insel. Natürlich ist er nicht alleine. Godzilla ist da und Gorosaurus, Manda, Anguilus, die Kamikuras, die ganze Meute eben. Ein lustiges Treiben alter Archiv-Aufnahmen älterer Godzi-Streifen. Später treffen wir schließlich auch Minya, der ganz ähnliche Probleme wie Ichiro hat. Der kleine Sohn des grünen Riesen liegt nämlich im Dauerclinch mit Blubber-Monster Gabara, das ihn ständig über die Monsterinsel jagt. Als Ichiro von zwei Gangstern gekidnappt wird, muss sich der kleine Bengel in der realen Welt genauso beweisen, wie Minya auf Monster Island…

“Why did you come back?“
“I like it here. And I also want to see your daddy Godzilla.“
“I’ll introduce ya. If we can find him.”

Monster Island Wild Life

Eieieieieieieieiei³. Was sich TOHO-Mastermind Ishiro Honda hierbei wohl gedacht hat… Ich kann es zwar ahnen, aber es gefällt mir kein bisschen. Einen ermunternden Kinderfilm mit positiver Message zu machen, ist im Grunde ja eine noble Idee. (Auch wenn die Idee letzten Endes besagt: ’Hau aufs Maul, wenn dir einer dumm kommt!’) Diesen dann in einem der beliebtesten japanischen Fantasy-Settings anzusiedeln und damit die Fans vor den Kopf zu stoßen, ist etwas anderes. Nun sind ’Godzilla’-Filme kaum für ihre dramaturgische Brillanz oder allgemeine Cleverness bekannt, aber das Feuerwerk an Deppen-Dusel, das bei ’Godzillas Revenge’ abgefeuert wird, sucht seinesgleichen.
Wir können den Umstand gleich direkt ansprechen: Ja, Minya spricht. Er spricht nicht nur, er redet auch wie ein amerikanischer Talkshow-Host. Der kleine Blag von Big Daddy G kann sich übrigens beliebig auf Menschengröße schrumpfen lassen und benimmt sich immer noch wie der weichgefüllte Handkäse, den Godzilla schon in ’Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn’ zum kleinen Badass trainieren wollte.
Apropos, der Großteil der hier sinnlos eingestreuten Monster-Einlagen stammt aus eben jenem Streifen von 1967 und aus ’Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer’ von 1966. Für ’Godzillas Revenge’ selbst wurde eigens das Geschöpf Gabara designt, dass danach gottseidank nie wieder gesehen ward. Das wabbelige Kostüm gehört sicherlich zum Schlechtesten, was die TOHO-Spezis jemals entworfen haben und auch der Creature-Clash zwischen Gabara und Minya ist kaum der Rede wert.
Wenn letzterer nicht gerade den inneren Schweinehund bekämpft (“No, I can’t run. Godzilla would think I’m a coward.”), erteilt er in völlig unpassender Gentleman-Tonlage Nutellafratz Ichiro eine Krümelmonster-Lektion nach der anderen, was wenigstens hin und wieder den Trash in die Bude bringt. Auf die Musik von Akira Ifukube verzichtete man hier übrigens auch. Der Gute hat sich höchstwahrscheinlich geweigert, bei dem verkorksten Kasperletheater mitzumachen.

“What happened. What’s the matter with your breath?“
“It isn’t strong enough, yet. But it will get worse. Godzilla is the one with the bad breath!”

Don't mess with Minya. His daddy will punch you in a soft place.

Fazit: ’Godzilla’ trifft die ’Sesamstraße’. Ich bin mir nicht sicher, ob das jemals jemand sehen wollte und ich bin mir auch sehr sicher, dass 99 % aller Big G-Fans es nicht sehen wollten, aber ich weiß die noble Absicht von Ishiro Honda durchaus zu würdigen…
Hm nein, das war gelogen. Eigentlich weiß ich nichts hier zu würdigen. Denn ’Godzillas Revenge’ funktioniert vorne und hinten nicht, pisst auf das hauseigene Kaiju-Universum und ist einfach schrecklich lahm. Es tut mir in der Seele leid, aber der hier war echt nix, Honda San. Dafür sind die anderen aber wirklich alle dufte. Ein schwarzes Schaf muss es wohl überall geben.



PS:

Celebrate bad times, come on!













Hudson