Godzilla - Die Rückkehr des Monsters


‘The Legend Is Reborn.’


Originaltitel: Gojira (1984) Regie: Koji Hashimoto
Drehbuch: Shuichi Nagahara & Tomoyuki Tanaka
Darsteller: Ken Tanaka, Yasuko Sawaguchi, Yosuke Natsuki FSK: 12


Nachdem Godzilla 1975 ein letztes Mal gegen Mega-Monster und Super-Roboter angetreten war, wurde der grüne Riese von den Toho-Studios für eine unbestimmte Zeit in den Winterschlaf geschickt.
Als Toho im Jahre 1983 ein Gojira-Event veranstaltete, bei dem auch etliche der bisherigen Kaiju Streifen mit Japans beliebtestem Riesenmonster vorgeführt wurden und das Publikum einfach nicht genug von Big G bekommen konnte, war klar: Es ist Zeit für den Neustart.

Guess, who's back
Und Neustart war das Stichwort. Was heutzutage im Fachjargon der Traumfabrik allgemein hin als ’Reboot’ bezeichnet wird, versuchte man 1984 für die ’Godzilla’-Franchise mit ’Godzilla - Die Rückkehr des Monsters’. Der Film wurde als direktes Sequel zum unsterblichen Original von 1954 geplant und dementsprechend düster hielt man sich auch beim Grundton und Produktions-Design.
Anstatt Big G gegen andere Monster antreten zu lassen, ging es komplett back to the roots. Godzilla das Monster. Godzilla der atomare Schrecken. Godzilla der Zertrampler Tokyos. Während in den späteren Filmen Ishiro Hondas und jenen unter der Regie Jun Fukudas noch poppige Optik, Hippie-Musik, alberne Monster-Grimasserei und allgemeiner Spaß an der Zerstörung zelebriert wurde, sollte jetzt wieder zum apokalyptischen Ursprung zurück gekehrt werden.

Die Story ist recht simpel. Godzilla wird nach jahrelangem Schlaf in seinem Fels-Gefängnis irgendwo im Meer von den atomaren Machenschaften der Menschen erweckt (sowohl bildlich als auch praktisch gesprochen) und taucht zunächst aus den Fluten auf, um ein Boot zu attackieren, das dann auch noch von einigen seiner gigantischen Parasiten befallen wird, welche die Mannschaft dezimieren. Kurze Zeit später hat man in Tokio die ersten Meldungen auf dem Schirm. Die Alarmglocken werden geschlagen, internationale Sicherheitsräte berufen und Spezialisten ans Werk geschickt. Die Zeit wird knapp und die Bevölkerung Tokios weiß ganz genau, welchen Weg der grüne Riese einschlagen wird...

Neulich beim Wipfeltreffen:

USA: “Die einzige Methode, bei der wir absolut sicher sein können, Godzilla zu vernichten, bietet der Einsatz von nuklearen Waffen.“
UdSSR: “Das Präsidium des obersten Sowjets der UDSSR hat sich ebenfalls dazu entschlossen, taktische Atomwaffen gegen das Ungeheuer einzusetzen.“
USA: “Wenn Godzilla das nächste Mal in Japan oder japanischen Küstengewässern auftaucht, dann müssen sie uns den Einsatz von Nuklear-Raketen gegen das Ungeheuer erlauben. Sir, das ist eine direkte Anfrage unseres Präsidenten an den Ministerpräsidenten von Japan.“ UdSSR: “Wir stimmen diesem Vorschlag zu. Herr Ministerpräsident, sie wissen, abgesehen von nuklearen Waffen, gibt es nichts auf der Welt, was dieses Monster stoppen kann. Das sollten sie einsehen! Im Interesse aller pazifischer Anliegerstaaten.“
USA: “Er hat Recht!“

Sicher, liebe internationalen Freunde, und deswegen bomben wir Japan ruhig noch ein drittes Mal mit einer ’Fat Lady’ dicht. Das hat ja anno ’45 schon so gut geklappt. Und vielleicht sogar ein viertes oder fünftes Mal, wenn es sein muss und/oder Godzillas Kumpels Anguilus und Mothra auch noch auftauchen sollten.
Der kalte Krieg war noch am Laufen, man versuchte die bedrohliche Atmosphäre des Originals zu reproduzieren, aber auch klare Zeichen zu setzen (“Wir haben unser Lektionen über nukleare Atomwaffen gelernt.“)

"Ich habe kein Clearence.
Godzilla hat gefurzt."
Blau ausgeleuchtete Sets lösten die knallbunten Spielzeugsets der 70er Jahre ab und Godzilla hat nicht nur kalbsgroße Parasiten, die Menschen angreifen (was auch bei ’Cloverfield’ übernommen wurde), sondern bekam sogar ein neues Design verpasst.
Da in den letzten zehn Jahren sehr große Gebäude in Tokyos Innenstadt gebaut worden waren, musste man Big G nun anpassen.
Als Godzillas’ Leib und Magen-Komponist erfuhr, dass Godzilla nun 80 Meter groß sein würde, meinte er nur “Ich schreibe keine Musik für 80 Meter große Monster” Einige imposante Szenen, wie die in der Big G sich eine S-Bahn schnappt und mit dem Wagen in der Pranke von einer benachbarten Fensterfront eines riesigen Hochhauses widergespiegelt wird, sorgen für epische Momente. Das Drama der nuklearen Bedrohung, inklusive versehentlicher Zündung, Abfangraketen-Thrill und eine waghalsige Rettung mit dem Helikopter lassen oft Katastrophenfilm-Feeling aufkommen.
Auf der anderen Seite gibt es dann wieder Comedy-Einschübe, wie Godzillas Begegnung mit einem Trunkenbold, der auf den urigen Schrei des Giganten mit einem flapsigen: “Schrei hier nicht so rum! Du verstehst von Getränken auch nicht mehr als ich. Zieh Leine, sonst werd ich sauer und schmeiß dir ’ne Flasche Cognac an deinen Schädel!“ reagiert. Zudem gibt es hier wieder regen Feuerbeschuss aus Spielzeugpanzern, Maser Kanonen und einer Superwaffe, die einem Ufo ähnelt.

Godzicalypse Now!

Zum Finale hin, in dem einzelne Straßensets von lodernden Flammen beleuchtet werden, während das Monster um die Ecke stapft, schafft der Film es die apokalyptische Stimmung des Originals heraufzubeschwören. Dennoch wird der Spaß hier größtenteils vermisst, während der Ernst der Lage vom Zuschauer kaum für voll genommen werden kann, wie auch der unpassende Popsong im Nachspann (“Goodbye now, Godzilla until then“) beweist.


Hudson