Die sieben glorreichen Gladiatoren



Originaltitel: The Seven Magnificent Gladiators (1983)
Regie: Bruno Mattei & Claudio Fragasso
Drehbuch: Claudio Fragasso
Darsteller: Lou Ferrigno, Sybil Danning, Dan Vadis FSK: 12


1954: Meister-Regisseur Akira Kurosawa (’Rashomon’) bringt die ’Sieben Samurai’ auf die Kinoleinwände. Ein atemberaubendes Epos, welches viele Filmfans auf der ganzen Welt als den Prototypen des modernen Action/Abenteuer-Films bezeichnen.
1960: Aufgrund der Popularität des japanischen Werkes, schiebt der Amerikaner John Sturges (’Gesprengte Ketten’) das westliche Re-Make ’Die glorreichen Sieben’ hinterher. Ebenfalls ein Film, der heutzutage durchaus als Klassiker gilt, jedoch dem übermächtigen Vorbild keinesfalls ebenbürtig ist.
1980: B-Film Pabst Roger Corman entdeckt das Thema für sein Weltraum-Abenteuer ’Sador’ neu und liefert einen leicht käsigen, aber allemal unterhaltsamen Science-Fiction Spass beim Zuschauer ab.
1983: Die beiden Sandalen-Wemser Bruno Mattei (verantwortlich für den unsäglichen ’Roboman’) und Claudio Fragasso (der 10 Jahre später den Trash-Knaller ’Troll 2’ verzapfen sollte) kramen erneut die Zahl ’7’ aus der Kiste der Film-Klischees und engagieren den Bodybuilder Lou Ferrigno für die Hauptrolle.

Ritter Sport.
Quadratisch, praktisch...na gut.
Die Geschichte ist schnell erzählt. Der gemeine Bandit Nicerote (Dan Vadis, ’Mit Vollgas nach San Fernando’) bekam bei der Geburt von seiner Mama Zauberkräfte verliehen und nutzt diese schamlos dazu aus, ein armes Dorf (naja…eigentlich sind es nur ein paar Säulen, in deren Mitte ein Feuer brennt!) jährlich um seine Ernte zu berauben. Zum Glück bekommen die Dorfbewohner ein magisches Schwert in die Hände. Da aber niemand von ihnen damit umzugehen weiß und nur Frauen das Ding anfassen können, ohne sich die Pfoten zu verbrühen, schickt man eine Damen-Delegation auf die Suche nach starken und willigen Beschützern. Gottseidank, dass Lou Ferrigno ganz in der Nähe ist!

Wie sich diese Italo-Klamotte rein qualitativ in den Reigen der ’Sieben’ Filme einordnet, habe ich in meiner obigen Aufstellung ja schon demonstiert. Mit der Zeit vergeht eben auch die Güte. Was Fragasso (haha ’Troll 2’, Bruder, ’TROLL 2’!!!) und Mattei hier darbringen, lässt sich am allerbesten als hanebüchenes ’Ringelpietz mit Abschlachten’ bezeichnen.

Geschwafel an der Tafel.
Einige Ideen/Szenen aus den glorreichen Vorbildern (der schmalbrüstige Nachzügler mit Mifune/Buchholz Anleihen & das Training der Dorfbewohner) werden mit einfallslosen Neudichtungen zu einer leichtverdaulichen, depperten Mischung verquirlt.
Brennende Hütten (eher brennende Säulen!), Spencer/Hill-artige Fun-Prügeleien und viel Schwertgeklirr werden als Action verkauft; verzerrte Gesichter (ganz schlimm beim Imperator!), weit aufgesperrte Augen und wedelnde Arme als Schauspiel.
Aber keine Angst, Lou ’Ist das ein TIER!’ Ferrignos Lieblingsgeste (erst mit dem Finger auf die eigene Brust, dann auf sein Gegenüber zeigen!) ist natürlich auf wieder dabei. Sybil Danning (die im selben Jahr nochmal bei Ferrignos ’Herkules’ auf der Matte stand) schien die Thematik so sehr zu faszinieren, dass sie nach ’Sador’ nochmal die gleiche Figur, in den gleichen (knappen) Klamotten spielte.
Unfreiwillige Komik gibt es natürlich wieder ’en masse’! Ich musste Tränen lachen, als eine Horde Leprakranker (die an einem noch schlimmeren Fall von Over-Acting litten) den Damen-Trek überfiel, woraufhin Lou (gehüllt in einen Sandmännchen-Überwurf) in die Szene torkelt und die Aussätzigen vom Wagen boxt…oder der darauffolgende Damen-im-Bikini-Ringkampf und und und!

Hätte Wagner das noch erlebt, er hätte eine Oper draus gemacht!

Man kann dieser albernen Römer-Sandale viel vorwerfen, jedoch nicht einen Mangel an Zeitlosigkeit. Und damit meine ich, dass dieser Film aus dem Jahre ’83 wirkt, wie jeder x-beliebige der hundert billig produzierten Italo-Schinken, die ihm vorausgingen. Ferrigno Fans werden aber ihre Freude haben und allen Flausköppen bleibt immer noch ein Bösewicht, der wie ein Nikotin-Kaugummi heißt.

Hudson