Ghettobusters

aka

I’m gonna git you sucka


‘It's tough to be a black hero.’


Originaltitel: I'm Gonna Git You Sucka (1988)
Regie & Drehbuch: Keenen Ivory Wayans
Darsteller: Keenen Ivory Wayans, Bernie Casey, Antonio Fargas FSK: 12


“He started wearing gold chains, Jack!”
“Oh god, no!”
“It started out as just one or two and it seemed like every time he get some money he go and buy more gold chains. He was wearing hundreds of ‘em, Jack. Hundreds!”
“Not gold!”

Doch, Gold! Und was Mr. T an Edelmetallen am Körper hat, das kann halt schnell zur Sucht und zum vorzeitigen Tod schwacher Hoodrats werden. Das muss auch Jacks Bruder Junebug am eigenen Leib erleben, als er an einer Überdosis Gold krepiert.

OGed!

Jetzt ist es an Jack (Keenen Ivory Wayans), im Namen seiner Mom, seiner Schwägerin und seiner Community dem Goldpusher und Mobboss Mr. Big das Handwerk zu legen. Doch allein ist selbst ein Kriegsheimkehrer wie er chancenlos gegen Big und dessen zahllose (wenn auch strunzdumme) Handlanger. Also muss Unterstützung ran. Die findet Jack bei Ghetto-Förderer und Bad Ass par Excellence John Slade (Bernie Casey) und dessen Asskick-Kumpis, den Ex-Haudraufis Slammer (Jim Brown) & Hammer (Isaac Hayes), dem Martial Arts-Ass Kung Fu Joe (Steve James) und dem ehemaligen Luden Flyguy (Antonio Fargas). Gemeinsam nehmen die Jungs den Kampf gegen das Aurum-Syndikat auf und geraten in ein absurdes Action-Szenario nach dem anderen…

All hail to Steve James!

Die Handlung von ’Ghettobusters’ liest sich genau so schwachbrüstig wie sie letztlich auf dem Bildschirm rüber kommt und Filmfreunde, die Machwerke der Marke ’White Chicks’, ’Scary Movie 2’ und ’Little Man’ verabscheuen, werden beim mehrmaligen Anblick des Namens Keenen Ivory Wayans in den Credits (Hauptdarsteller, Regisseur, Autor) das kalte Grauen bekommen.
Doch Obacht: Dieses Debüt ist besser, als all jene späten vergeblichen Versuche der Wayans, etwas wirklich Lustiges auf die Beine zu stellen und unterhaltsamer, als der grob angeschnittene Plot es eigentlich erlauben dürfte.
’I’m gonna git you sucka’ (so der ungleich amüsantere und den filmischen Wurzeln huldigende Original-Titel) glänzt nicht nur mit spaßigen Parodien auf Blaxploitation-Klassiker wie ‘Superfly’, ‘Shaft’, ‘Black Belt Jones’, sowie 80s Action a la ‘Rambo’ und ‘Phantom Kommando’, sondern auch mit etlichen Sight-Gags, purem Slapstick-Nonsens und hinterfotzigen Anspielungen auf den Hintergrund einiger schwarzer Action-Stars. (So fragt ausgerechnet NFL Fullback Jim Brown Keenen Ivory Wayans “What makes you think, you can be a black hero?“ worauf letzterer antwortet: “I’m an Ex-Fotballplayer.“)

Slammer & Hammer
Die Over the Top-Komik, die bei den späteren Filmen der Wayans überwiegend in derb-plumpe Plattheit überbordete, wird hier noch eher der Stil der Filme von Zucker/Abraham/Zucker und Mel Brooks gepflegt. Dabei reicht die Bandbreite des dargestellten Humors von einer öffentlich initiierten Gang Competition mit den Disziplinen ’Auto in wenigen Sekunden zerlegen’ und ’Mit geklautem Ghettoblaster vor Dobermännern wegrennen’, über Karikaturen der typischen Blaxlplo-Stereotypen (Pimps & Hustlers, Bitches & Hos) und Klischees (Fight against The Man, Theme-Music) bis hin zu den tödlichen Folgen allzu exzessiver Ausrüstungsmontagen und einem schnurrbärtigen Stuntman für Jacks Mom, die dem starken Mutterbild des Genres entsprechend, die Jungs am Ende aus der Scheiße holt.
Zwar zündet hier nur jeder zweite Gag (allzu harsche Kritiker würden wohl selbst das als allzu großzügige Quote bezeichnen) und auch Wayans Darstellung des Helden ist eher affig/albern als überzeugend, doch vor allem Fans der alten Blaxploiter-Humpen finden hier mehr als genug Anspielungen und Querverweise, um sich scheckig zu lachen.

It's hard out there for a pimp (on Fishtank-Heels)!

Das verdanken wir nicht zuletzt der Vielzahl von Helden, die dieses ganz spezielle Sub-Genre 25 Jahre zuvor ins Rampenlicht ballerten, prügelten und jive-quatschten.
Bernie Casey (‘Cleopatra Jones’), Antonio Fargas (‘Foxy Brown’), Steve James (‘Der Exterminator’), Isaac Hayes (‘Die Klapperschlange’), Jim Brown (‘Running Man’) das sind Namen, mit denen auch Cineasten und Filmfans etwas anfangen können, die nie zuvor einen Blaxploiter gesehen haben.
Fehlen eigentlich nur noch Ron O’Neal, Jim Kelly und Fred Williamson. Doch letzterem war die Verballhornung seines Alter Egos zu heikel und so ließ er die Finger von Wayans Regie-Debüt. Dabei beweist vor allem Bernie Casey, dass man auch inmitten des wildesten Spoofs noch die Coolheit bewahren und machomäßig Ärsche treten kann.
Neben den Urvätern des schwarzen Schunds lassen sich weder Genre-Veteranen wie John Vernon (‘Killer Klowns from Outer Space’), Clu Gulager (‘The Hidden’), Tony Cox (’Bad Santa’) und Phil Fondacaro (’Ghoulies 2’), noch bekannte Gesichter des modernen schwarzen Kinos, wie Chris Rock (‘New Jack City’), Damon Wayans (‘Last Action Hero’) und Marlon Wayans (‘Dungeons & Dragons’) lumpen.

Dialog:

“Tell us, Mr. Slade, what is today really about?”
“To provide for this young people an opportunity to let steam off in a more positive way. By competing in events that are familiar, if you will, to their enviroment. You know what I mean, brother?“
“Oh, you know, actually I don’t. I didn’t grew up in the ghetto. I grew up in the suburbs. You know my dad was a lawyer, my mom was a doctor and all my friends were white. I mean, everybody used to tease me, cause I didn’t speak jive. And like, I couldn’t dance to save my life. But the only step I really knew was like, you know that step that Springsteen does in that ‘Dancing in the Dark Video’? I love Springsteen!“
“…”
“Reporting for ‘WBLD News’ this is Skip Down, saying in the immortal words of our negro poet Don Cornelius ‘Peace and Soul’!”

Zitat: “Who are these guys?“
“They're my theme music. Every good hero's got to have some.“

Fazit: Blaxploitation meets Spoof-Comedy and goes to the Hood to kick some mofo ass.
Das gelingt dank gut aufgelegter Stars und etlicher Anleihen bei den Klassikern des Genres besser, als man es von den Wayans gewohnt ist. Über Humor kann man ja bekanntlich nicht streiten und ’Ghettobusters’, den ich schon als Teenager ohne Vorkenntnisse des Materials urkomisch fand, bringt mich heute, nachdem ich mir das Gros der schwarzen Exlploitation reingepfiffen hab, erst recht zum Lachen.



PS: Wayans ließ ’I’m gonna git you sucka’ 1990 den Pilot zu einer nie verwirklichten Serie namens ’Hammer, Slammer & Slade’ folgen, in der Jim Brown, Isaac Hayes, Bernie Casey und Steve James, sowie Ron ’Superfly’ O’Neal, Eric ’E.R.’ LaSalle und Martin ’Bad Boys’ Lawrence nicht mehr ganz so albern, aber immer noch amüsant durch’s Ghetto prallten.


Hudson