Geheimcode: Wildgänse


‘This is a corporation of businessmen... Their business is war. For them, the jungle and the city are the same.’


Originaltitel: Geheimcode: Wildgänse (1984) Regie: Antonio Margheriti Drehbuch: Tito Carpi, Gianfranco Couyoumdjian & Michael Lester
Darsteller: Lewis Collins, Lee Van Cleef & Ernest Borgnine FSK: ungeprüft


Der deutsche Produzent Erwin C. Dietrich (’Das Frauenhaus’, ’Frauen im Liebeslager’, ’Gefangene Frauen’) hatte Mitte der Achtziger Jahre scheinbar die Nase voll von Frauen und machte sich an die Produktion einer handvoll Testosteron-gefüllter Söldner-Filme mit internationaler Cast und dem italienischen Regisseur Antonio Margheriti. Den Anfang machte 1984 ’Geheimcode: Wildgänse’, ein echter Knaller des ’Men on a Mission’-Films der B-Klasse.

Wenn alle Stricke reißen und nichts mehr hilft, wenn selbst John Rambo sich in den Wald zurückzieht und John Matrix lieber mit seiner Tochter spielen geht, kommen sie aus den Schützengräben gekrochen: ’Die Wildgänse’!

Danneberg & Collins im Labor
Ihr neuester Auftrag führt sie ins Goldene Dreieck’, Indochinas Hochburg für Opiumfarmer und Tummelwiese mieser Söldnerbanden. Die Gänse Stone (Frank Glaubrecht!), Klein (Manfred Lehmann!!) und Arbib (Thomas Danneberg!!!) machen sich unter Führung von Commander Wesley (Lewis Collins) und mit Hilfe des noch unter Bewährung stehenden Piloten China (Lee van Cleef) auf Befehl von Fletcher (Ernest Borgnine), Brenner (Hartmut Neugebauer) und Charleton (Klaus Kinski) in die grüne Hölle, wo sie Tod, Teufel und Dynamit erwartet. Doch Wesley ist, nicht zuletzt deank des Drogentodes seines eigenen Sohnes, zu allem entschlossen, um den Drogenbaronen das Handwerk zu legen…

Mein lieber Herr Söldner, hier geht’s ab, da kommt nicht mal Schmidts Katze hinterher.
Was Dschungel-Rambazamba angeht, macht Antonio Margheriti (’Jäger der Apokalypse’) so schnell keiner etwas vor. Das fängt schon beim Baller-Intro an, manifestiert sich während einer wahnwitzigen Spielzeug-Auto-Stuntshow entlang der Wände eines Tunnels und wird schließlich im Dschungel mit Granatengaudi, Bleigewitter, Hubschrauber mit Flammenwerfer dran, Brückensprengung, Heldentod, kurzum: Dauerfeuer Deluxe zur Perfektion getrieben.
Hier geht es in Sachen Action streckenweise sogar dermaßen ab, dass selbst in ruhigen Minuten, die besinnlichen Dialogen gewidmet werden, plötzlich Strohhut-tragende Attentäter aus den Büschen gesprungen kommen.

Lehmann im Dschungel
Die Besetzung steht der gnadenlos guten Action in nichts nach. Ähnlich wie in den beiden inoffiziellen Nachfolgerfilmen ’Komando Leopard’ und ’Der Commander’ versammeln sich hier namhafte Kulstars wie Klaus Kinski, Ernest Borgnine und Lee van Cleef unter einem Dach mit Deutschlands Synchron-Elite (Lehmann, Glaubrecht, Pampel, Neugebauer, Danneberg). Während Manfred Lehmann (Stimme von Bruce Willis) größtenteils für flotte Sprüche zuständig ist, lässt vor allem Thomas Danneberg (Stimme von … ach von einfach allen coolen Typen des Filmgeschäfts*) sein Schauspielvermögen in einer Rolle als zuweilen fiese, aber auch verdammt coole Sau durchblitzen. Der Mann hat’s nicht nur hinter dem Mikrofon drauf, sondern auch offensichtlich vor der Kamera. Bleibt die Frage, warum überhaupt Lewis Collins für die Hauptrolle engagiert wurde und ’Geheimcode: Wildgänse’ nicht gleich um Söldner-Duo Danneberg und Lehmann herumgesponnen wurde. (Ja, hier geht der Fanboy mit mir durch.) Jedenfalls ist der Film so verdammt gut besetzt, dass er sich sogar Bruce Baron (’Ninja Champion’) in einer Nebenrolle erlauben kann.
Der Twist des letzten Drittels ist zwar (besetzungstechnisch bedingt) äußerst vorhersehbar und die praktische Funktionalität eines absurd großes Luftkissenbootes irgendwie in Frage zu stellen, doch abgesehen von diesen paar lächerlichen Anschuldigungen, gibt es hier wirklich nichts zu beanstanden.

“Kennst du das schöne Sprichwort, wie man in den Wald hinein schießt, so ballerts auch wieder hinaus?“

Kinski und Borgnine im Büro

Klar kenn ich das. Das ist das ’Wie ich dir, so du mir’-Prinzip. Darauf basieren alle meine Rezensionen. Und die hier könnte für einen Streifen dieser Art gar nicht positiver ausfallen.
Eine tolle Besetzung, knallharte, imposant inszenierte Action und ein paar Sprüche mit auf den Weg, fertig ist der cineastische Dauerkrawall für den kleinen und großen B-Filmfreund.


* Im Ernst, wem ich hier noch erklären muss, wer Thomas Danneberg ist, der hat in Sachen filmischer Heimatkunde ganz gewaltigen Nachholbedarf!

Hudson