Gargoyles


‘They're coming for you!’


Originaltitel: Gargoyles (1972) Regie: Bill L. Norton
Drehbuch: Elinor Karpf & Steven Karpf
Darsteller: Cornel Wilde, Jennifer Salt, Bernie Casey FSK: unbekannt


“It is better to rule in Hell, then to serve in Heaven.“ Solche Sprüche dürfen sich nur die ganz bösen Jungs erlauben und auch nur dann, wenn sie eine Armee in der Hinterhand haben. Zum Beispiel Lucifer, der zwar beim lieben Gott in Ungnade gefallen ist, aber im Fegefeuer über eine urige Gefolgschaft herrscht, die wir hierzulande als Gargoyles kennen. So oder so ähnlich will es uns zumindest ein gewichtig labernder Prolog-Onkel erzählen, der davon weiß, dass die Gargoyles alle 500 Jahre aus Eiern schlüpfen, um die Menscheit zu terrorisieren oder von ihr terrorisiert zu werden.

“Schlecht geschlafen, Schatzi?“
Dr. Boley, ’Man of Science’, glaubt an derlei Hokus Pokus nicht. Nicht einmal, als er mit seiner Tochter im staubigen Südwesten der Staaten einem alten Yokel in dessen Backwood-’Museum’ folgt, in dem dieser das angebliche Skelett eines Gargoyles zu baumeln hat. Genau wie der Zuschauer, hält der gute Doktor das Gerippe zunächst für einen im Biersuff zusammengebastelten Jahrmarktsgag, doch da rüttelt plötzlich die Laube und fängt Feuer. Der Hillbilly-Kurator verbrennt jämmerlich, auch wenn Boley ihn eventuell hätte retten können, wenn er nicht zu sehr damit beschäftigt gewesen wäre, den imposanten Gargoyle-Schädel aus den Flammen zu prökeln. Zuletzt war er wohl doch von der Echtheit überzeugt.
Und echt war das Skelett tatsächlich, wie der lebendige Gargoyle auf dem Autodach der fliehenden Boleys bald beweist. Mit Müh und Not kann der Doc das Biest abschütteln, doch besuchen ihn am folgenden Abend erneut schuppige Gestalten, die des toten Kameraden blanke Fontanelle zurück haben wollen. Es kommt zur gewaltsamen Auseinandersetzung, die eines der Biester mit dem Leben bezahlen muss. So eine waschechte Leiche ist natürlich viel wertvoller für die Welt der Wissenschaft, als ein oller Schädel. Doch diese Intention ruft nur noch mehr Gargoyles auf den Plan…

“You and your old man been sniffin glue in that hotel?“

El Cheffe versucht seiner Ollen zu erklären,
dass jetzt auch kesse Menschenweiber in die Lustgrotte dürfen.

Man könnte ’Gargoyles’ gut und gerne als kruden TV-Trash umreißen und würde sich kein bisschen rechtfertigen müssen. Die Kostüme sind albern, die Mytholgie fadenscheinig, die Darsteller zweckmäßig, die Dramaturgie bestenfalls löchrig. Dennoch provoziert der Streifen eine gewisse Faszination, wenn es um die Darstellung der dubiosen Gargoyles-Kultur geht. Ob nun bei deren eigenartiger Kommunikation untereinander, beim Pellen ihrer Jungen aus dem Ei oder beim Kampf der ganzen Horde gegen menschliche Aggressoren, die in verzerrter Zeitlupe dargestellten Wesen (deren Anführer sprechen kann, auf einem Pferd reitet und auf die Vernichtung der Menschheit hinarbeitet) retten den Film aus der Unterdurchschnittlichkeit in die absurde Ecke des Siebziger-Horrors.
Wirklich beängstigend sehen die vom jungen Stan Winston entworfenen Gargoyles (die aus einer japanischen Yokai-Episode stammen könnten) zwar nicht aus, echte (Gummi-)Monster-Fans schreckt das jedoch nicht ab.
In der Rolle des Dr. Boley vertritt Cornel Wilde die Menschheit eher schlecht als recht. Damit ist zwar zunächst seine unverantwortliche Art den Titelmonstern gegenüber gemeint, doch auch als Darsteller haben wir schon mehr Engagement von ihm gesehen (man denke nur an den von Wilde selbst inszenierten Survival-Klassiker ’Der Todesmutige’). Jennifer Salt spielt die ’Damsel in Distress’ (besser gesagt die ’Damsel in a short white bra, upon which the Gargoyle-Chieftain gazes constantly’), ein junger Scott Glenn (’Das Schweigen der Lämmer’) verdingt sich als geläuterter Biker-Rowdy und im Kostüm des Gargoyle-Häuptlings schwitzt der mühsam gegen Latexschichten ankämpfende Blaxploitation-Star Bernie Casey (’Dr. Black & Mr. Hyde’).

Ooooch, kuck doch mal die kleinen süßen Gargoyle-Babies!
Von denen lässt man sich doch gerne unterwerfen oder?

Unter welcher Kategorie ’Gargoyles’ abzuheften ist, war wohl selbst den Machern nicht ganz klar. Monsterfilm? Goylesploitation? Oder Metapher für die unabdingbare Verkopplung von Zerstörungswut mit der menschlichen Natur? Irgendwas von allem, aber nichts davon konkret. Ab in die ’Es waren die Siebziger. Man probierte sich aus.’-Schublade und Schwamm drüber.



PS:

Der Typ verdient eine eigene Fernsehshow.

Hudson