Gamera


‘The super-monster even the H-bomb cannot destroy…’


Originaltitel: Daikaijû Gamera (1965)
Regie: Noriaki Yuasa Drehbuch: Nisan Takahashi
Darsteller: Eiji Funakoshi, Harumi Kiritachi, Junichirô Yamashiko FSK: unbekannt


Gamera unpacked -
Für Japaner lebensbedrohlich,
für OVP-Sammler unbrauchbar
Als es über der Arktis zu einer irrtümlichen Auseinandersetzung diverser Supermächte kommt, wird dabei ein Bomber abgeschossen, der samt Ladung (die Atombombe!) über dem ewigen Eis eine Bruchlandung hinlegt. Dies motiviert die Urzeitechse Gamera (the Invincible!) aus ihrem kalten Grab aufzuerstehen und gleich mit vollem Eifer ein sich näherndes Marineschiff zu attackieren. Die Welt ist entsetzt, das Militär verblüfft, in Talkshows reden sich die Wissenschaftler um Kopf und Kragen (“You call me an ape?“ “An ignorant ape!“). Roger Corman reibt sich wahrscheinlich schon die Hände. Als Gamera Japan, das Ausflugsziel eines jeden Riesenmonsters der östlichen Hemisphäre, erreicht, rettet er zunächst einmal einem kleinen Jungen das Leben, nur um kurz darauf von einer speziell entwickelten Kühlbombe angegriffen zu werden. Undankbares Humanoiden-Gesocks! Das sollen sie ihm büßen. Gamera packt die Afterburner aus und zeigt der Menschheit, dass mehr in ihm steckt als Kaltschaum und Kautschuk…

“Tell me, Chief, is there a legend connected to this?“
“Yes. Old story of death and evil things that happened. Of Gamera.“
*Hunde bellen, Kinder tuscheln und rennen weg*
“Gamera you call it? This Gamera is obviously an object of terror.“

Nachdem die TOHO-Studios mit ihrer populären Atom-Echse Godzilla (aka Gojira aka Big G) im Laufe von zehn Jahren und fünf Sequels große Erfolge gefeiert hatten, wollte sich die Konkurrenz von DAIEI 1965 nicht länger lumpen lassen und schickte ein eigenes Ungetüm durch die hauseigenen Modellbauten. ’Gamera’ wurde als letzter Kaiju-Streifen in schwarz/weiß gedreht und für ’65 war das auch schon die Schmerzgrenze. In den verfügbaren Versionen sieht der Film eher nach den frühen Fünfzigern aus.

Menschliche Protagonisten in Kaijus:
Optisch adrett, inhaltlich Banane
Für meinen Geschmack gibt es hier eine Kelle zu viel von dem (für Monsterfilme dieser Ära) typischen Strategie-Gelaber zwischen granteligen Militärs, grübelnden Wissenschaftlern und Kaffee kochenden Sekretärinnen. Keine der darstellerischen Leistungen hier ist nennenswert. Man sitzt und wartet, bis das Gesülze, das die Monsteraction immer wieder unterbricht, endlich vorbei ist, um das Vieh wieder auf dem Schirm zu haben.
Gamera selbst ist etwas fantasievoller gestaltet, als viele der damaligen Monstrositäten; er frisst Feuer, kann die Gliedmaßen einziehen und sich in einen Flammenwirbel verwandeln. Doch sieht er in Aktion dermaßen albern aus, dass man ihn im Gegensatz zu den Unwesen in ’Gojira’ und ’Panik in New York’, dem Urvater der Giant Lizard-Movies, niemals wirklich als echte Bedrohung Ernst nehmen kann. Ja, er zerstört diverse Straßenzüge, aber beim Anblick einer zweibeinigen Riesenschildkröte mit Wildschweinhauern ist das Dauergrinsen unvermeidlich.

“Look. He’s down and he’s on his back!“
“Luckily. We’ve got him now huh?“
“Yes, because with Gamera, as with any other turtle, once he’s on his back he can’t get up again.“

Sehen sie demnächst:
Gamera frisst die Lighthouse Family

Aber ich schweife ab und glaube kaum, dass ’Gamera’ den Anspruch hatte, ein weiteres Warnschild des Atomzeitalters zu sein. Hier geht’s einfach nur um gute alte Kaiju-Unterhaltung, um das Zerbröseln von Modellstädten und dass Kinder wie der kleine Toshio etwas zum Staunen hatten. So Godzilla this ain’t, but fun it sure is. Ich find’s schon schade, dass es nie zu einem Aufeinandertreffen der beiden Giganten kam.


Hudson