Planet des Schreckens


‘Hell has just been relocated!’


Originaltitel: Galaxy of Terror (1981)
Regie: Bruce D. Clark Drehbuch: Bruce D. Clark & Marc Siegler
Darsteller: Edward Albert, Erin Moran, Ray Walston FSK: 18


Dass Roger Corman ein alter Äpfelpflücker in fremden Gärten ist, wissen wir schon. Dass er unter anderem gern eigene Versionen von ’Conan’ und ’Star Wars’ gezimmert hat, haben wir auch schon gehört. Doch zwischen diesen nett gemachten Versatzstücken beliebter Pop-Kultur, war es Ridley Scotts ’Alien’, das es Corman angetan hatte. Wer kann’s ihm übel nehmen, ’Alien’ ist eines der (wenn nicht das) Meisterwerke des phantastischen Genres, das Horror und Science Fiction verband, wie (so weit lehne ich mich jetzt einfach mal aus dem Fenster) vorher kein anderer. Da Corman zu jener Zeit viele ’bessere’ schlechte Filme machte, als seine einschlägigen Kollegen, war ich recht neugierig, was ihm zur (verdammt fixen) Aufbereitung des Stoffes einfallen würde.

...and ’ripped off’ from someone else!

Schon die ersten Bilder sehen so sehr nach dem Vorbild aus, dass man meint, jeden Moment würden die Damen und Herren der ’Nostromo’ aus dem Hyperschlaf erwachen. Doch es ist ein letzter Überlebender eines Gemetzels auf dem Planeten Morghantus, der in Panik durch die (nur allzu vertraut scheinenden) Gänge einer Station rennt. Schnitt zur Erde:
Wir sehen eine alte Hexe, die mit einem Mann, der eine rote Glühbirne anstelle eines Kopfes hat, ein Videospiel zockt. Und wir merken: Haha, Corman kann’s nicht lassen!

“Leute, zum letzten Mal:
Denkt an die Stromrechnung!“
Die Message aus dem obligatorischen Terminal von irgendeinem Kurbelkopp folgt im Nu: Auf dem Planeten Morghantus gehen furchtbare Dinge vor sich. Aufklärung ist erforderlich! Nit lang Schwätze mache: Zack, zack, das Raumschiff ’Quest’ ins Ungewisse entsandt. Die Crew hat 30 Sekunden, um sich bereit zu machen, die Hangar-Tore öffnen sich, auf den Rücksitzen der Brücke zählen wir noch schnell die Nebencharaktere durch (Sid Haig, check! Robert Englund, check! Ray Walston, check!) und dann ab die Post.
Auf Morghantus angekommen, entdecken sie eine riesige Pyramide, die prompt erklommen wird. Es dauert nicht lange, bis es auch unter der Mannschaft der ’Quest’ erste Opfer gibt. Das Bauwerk entpuppt sich mehr und mehr als Labyrinth des Grauens, aus dem es kein Entkommen gibt…

“Hey, warum habe ich anstelle
eines richtgen Schirms dieses
Digital Readout vor der Nase?“
“Wegen der Stromrechnung!“
Hier mehr zu verraten wäre allen ahnungslosen Gefolgsleuten gelungenen B-Horrors gegenüber unhöflich. Der Film hält sowohl einige Überraschungen, als auch unglaubliche Szenen parat. Wie schon erwähnt, ist sowohl das Design, als auch die Handlung und vor allem die Atmosphäre reichlich dreist bei ’Alien’ geklaut. Ab der Halbzeit jedoch entfernen wir uns davon und machen die Biegung zu etwas, das … hier nicht verraten werden soll.
Alle Häme bezüglich des Ideen-Diebstahls und des niedrigen Budgets beiseite: Der Film macht technisch einiges her.
Die stimmungsvoll-unheimlichen Bilder, die hier eingefangen werden müssen sich nicht verstecken. Freilich gibt es einige minderwertige Matte-Paintings zu sehen und einige der Monster regen eher zum Lachen an, doch wenn es ans Eingemachte geht, überzeugt ’Galaxy of Terror’ durch und durch. Der Film schreckt im Gebrauch drastischer Effekte vor (fast) nichts zurück. Sagen wir es mal so: Wo andere Filme (Beispiel ’Alien’) wegblenden, kommen Cormans Metzger erst richtig in Fahrt (Stichwort ’Wormrape’).

’1, 2 Freddys kommen vorbei’
Schön, dass der Meister ein paar bekannte (Haig, Walston) und vielversprechende (Englund) Gesichter in die Besetzung steckte. Vor allem die emotionalen Aussetzer von Sid Haig dürften für Freunde der zwielichtigen Exploiter-Glatze ein Fest sein. (Spoiler markieren! Die Szene, in der er von seinem eigenen (abgetrennten) Arm getötet wird, ist schlichtweg nicht zu fassen!) Robert Englund zeigt sich wandlungsfähig und lässt auch seine wahnsinnige Seite durchblicken, die er später in der ’Nightmare’-Serie spazieren trug. Etwas nervig ist hingegen Erin Moran als Frau Kapitän, deren psychopatischer Blick verwirrt, anstatt zu ängstigen und der eine schlaue Keksweisheit nach der anderen aus dem Munde kömmt.
Interessant (wenn auch nicht unbedingt immer effektiv) ist der sporadische Einsatz der Musik, die aus einer Ansammlung unheimlicher Geräusche zu bestehen scheint.
Süße Ironie: James Cameron, der hier noch als Production Designer seine ersten Sporen im Geschäft verdiente, durfte 5 Jahre später den offiziellen Nachfolger zu Scotts ’Alien’ drehen. Der dann nichts anderes wurde, als der beste Genre-Film aller Zeiten… aber das glaubt mir ja wieder keiner!

Made in Morghantus

Roger Corman hat es wieder bewiesen: Wenn man schon klaut, dann von den Besten! An alle Leute, die mit B-Filmen rein gar nichts am Hut haben und womöglich ’Alien’ als persönlichen ’Heiligen Gral’ ihrer Filmliste verstehen: Bleibt weg! Ihr werdet euch nur aufregen. An den dreckigen Rest (you know, who you are!): Gebt diesem Film eine Chance! Er hat sie definitiv verdient.

Hudson