Galaxy Destroyer



Originaltitel: Galaxy (1986)
Regie & Drehbuch: Brett Piper
Darsteller: Matt Mitler, Denise Coward, Joe Gentissi FSK: 18


“Es war ein schöner Tag. Ich machte Überstunden. Und dann war es nie wieder wie es einst gewesen war.“ Erklärt uns ein weiser Opa, rückbesinnend auf den Tag, als monströse Schweinenasen-Aliens kamen und die Erde okkupierten.
Dabei funkten die irdischen Streitkräfte doch ausdrücklich eine frohe Botschaft gen Invasor. Man wolle Freundschaft schließen und die Gegenpartei solle doch bitte ein Signal der Zustimmung schicken. Das Signal kam dann auch. Es hatte die Form und Farbe eines fetten Laserstrahls.

“Fünf Minuten später war es vorbei. Ich habe die Zeit gestoppt. Die fremden Schiffe stellten das Feuer ein und die ganze Welt war dunkel. Das war überhaupt nicht fair. Das war keine Schlacht, das war kein Kampf. Sie rückten einfach an und erledigten uns.“

Invasion der Rüsseltiere
Klar, dass man da sauer werden kann. Aber nochmal ganz von vorne:
Harry Trent, unser Protagonist und Erzähler, ist ein Tunichtgut, der das Glück hatte, mit einem gestohlenen Raumschiff von der Erde zu fliehen, kurz bevor die außerirdischen Besucher unseren schönen Planeten erst zerstörten und dann besetzten. Jahrelang muss Harry im Erd-Orbit herumeiern, bis sein Vehikel endlich wieder landen konnte (furchtbar komplizierte Physik). Unten angekommen wird der Ärmste gleich von einem Haufen Astrozombies (ich nenn sie mal so) angegriffen. Letztere sind missglückte Experimente der Aliens am menschlichen Gen, was Harry von Dana, einer reizenden Endzeit-Schönheit erfährt, die von nun an seinen Weg begleitet. Es stellt sich heraus, dass ausgerechnet Harry Informationen für ein Mittel zur Befreiung der Menschheit bei sich trägt. Nämlich eine frei konfigurierbare Nuklear-Waffe, die auf Knopfdruck eine spezielle Rasse zu trägem Protoplasma zerschmelzen kann. Dazu müssen sie nach Richmond, vorbei am Reich des Mad Dog Kelly, einem irren, aber sympathischen Rocker-Papst, der mit seinen Biker-Halunken die Graslandschaft unsicher macht. Bis es soweit ist, begegnen Harry und Dana jedoch erst noch feindlichen Raumschiffen, einem Tentakel-Monster und einem bärtigen Haschförster mit zweifelhafter Moral:

“Ich bin seit ungefähr vier Jahren hier und ernähre mich von diesem Boden.“
“Die Natur ist sehr spendabel.“
“Das kannst du laut sagen. Und dann kamen eines Tages ’ne Menge Menschen in die Wälder. Halb verhungert. Sie haben sich verirrt und suchten nach irgendwas Essbaren.“
“Und du hast sie aufgenommen.“
“Quatsch, ich hab sie abgeknallt.“
“Was, einfach so?“
“Ja, verflucht nochmal, das sind meine Wälder. Ich kann mir nicht leisten, jeden Dahergelaufenen aufzunehmen.“
“Ja, aber was ist mit den anderen Leuten, die ich hier gesehen habe?“
“Zum Schluß sind mir die Patronen ausgegangen.“

The Evil Nasenmann
Brett Piper, der zuvor den unsäglichen ’Msyterious Planet’ verzapft hatte, schmiss mit ’Galaxy Destroyer’ eine weitere Weltraum-Abenteuer-Trash-Granate ins Schlachtfeld und traf diesmal genau den richtigen Nerv. Dabei unterscheiden sich die beiden Titel nur marginal. Hier wie da gibt’s billige Raumschlachten, noch billigere Knet-Monster und auf billigstem Videomaterial gedrehten Plot-Nonsens. Es sind die ulkigen Charaktere von ’Galaxy Destroyer’ und der aufgedrehte Humor, die zusätzliche Punkte bringen. Der Hauptdarsteller ist ein ewig plappernder Bandit (von Arne Elsholz mit gewohnt quirliger Lässigkeit synchronisiert), sein später Sidekick ’Mad Dog Kelly’ erinnert an einen bärtigen Sylvester Stallone und benimmt sich auch ähnlich deppert wie dessen ’Machine Gun Joe’ aus ’Frankensteins Todesrennen’. Die Sprüche, die den beiden regelmäßig aus dem Gebeiß fallen, sind mal amüsant, mal schwachköpfig, meist jedoch schön albern. Für obskure Action-Unterhaltung sorgen zudem kleine fernsteuerbare Raumschiffchen, die mit schlecht maskierten Rüssel-Aliens besetzt sind und unter Beschallung von lustiger Xylophon-Klimperei die Protagonisten anfallen, pöbelnde Bikerbanden, sowie die Zerstörung der Erde (die nur aus Papphäusern und ein paar Glühbirnen besteht) durch Raumschiffe (die aus dem gleichen Material bestehen, wie die aus ’Mysterios Planet’ – wir erinnern uns: Grau angemalte Milchtüten mit Bommeln drauf) und schließlich sogar kombinierte Endzeit-Vehikel-versus-Alien-Schiff-Action. Da lacht das Herz, oder?

“Kannst du bis 1000 zählen?“
“Selbstverständlich kann ich das.“
“Achja, auch beim Bumsen?“

Letzte Hoffnung der Erde: Endzeit-People

Objektiv gesehen ist ’Galaxy Destroyer’ ein zu Vollschrott zerfahrener Genre-Mix, der für ein Pauschal-Publikum denkbar ungeeignet ist. Aber was heißt das schon? Um ganz ehrlich zu sein: Wenn ich 1986 ein Spacken-Budget, eine Handvoll Kumpels und ein paar Papp-Kartons über gehabt hätte, wäre höchstwahrscheinlich genau der selbe Film dabei herausgekommen.


Hudson