Kampf um die 5. Galaxis


"Light years beyond tomorrow..."


Originaltitel: L’Humanoide (1979) Regie: Aldo Lado
Drehhbuch: Adriano Bolzoni & Aldo Lado
Darsteller: Richard Kiel, Corinne Clery, Leonard Mann FSK: 12


‘Aua, meine Ohren!’
Das ist ist der erste Gedanke, den wahrscheinlich jeder hat, der ’Kampf um die 5. Galaxis’ zum ersten mal in den Videorekorder schiebt. Dicht gefolgt von ’Aua, meine Augen!’, die sich sowohl vom krassen blidschirmschoner-ähnlichen Vorspann erholen müssen, als auch von der Tatsache, gerade eben den Namen Ennio Morricone darin gelsesen zu haben, der für das furchtbare Synthie-Gequäke scheinbar verantwortlich ist.

"Braver Robodog! Lass lieber
das Herrchen beißen!"
Lord Graal (Vom Erzähler aus dem Off „Lord GRAAL“ ausgesprochen) ist aus seinem Gefängnis-Satelliten geflohen, in den ihn sein Bruder, der Herrscher über die friedliche Galaxis gesperrt hatte (wahrscheinlich weil er ihn einmal zu oft beim ’Star Wars Monoploy’ beschissen hat).
A propos ’Star Wars’. Junge, Junge, Junge! Was hat sich Regisseur und Drehbuchautor Aldo Lado bloß gedacht? Er nimmt so ziemlich jedes Bestandteil von George Lucas Sternenkrieg-Erstling, packt es in den Mixer (zusammen mit der Katze von Morricone - für den Sound -) drückt auf den ’Gut Durchschlagen’ Schalter und heraus kommt ein so gnadenlos dreistes und lächerliches Rip Off, dass selbst Richard Kiel (dem 'Beißer' aus den 'Bond' Filmen) ein Bart wächst.
Der aus den ’James Bond’ Filmen als ’Beisser’ bekante Darsteller spielt hier Golob, einen urigen Raumschiffpiloten, mit nervigem Robo-Dog (ein jämmerlicher ’R2’-Verschnitt), der auf einem Planeten abstürzt und durch ein Experiment des Graalschen Wissenschaftlers Dr. Kraspin zum (bartlosen) Superwesen ’Humanoid’ (!) mutiert. Dem wird einfach eine Brosche an die Stirn getackert und schon steht er unter Graals Befehl. Mit Golobs Hilfe will dieser die freien Völker unterjochen und seinen Bruder endlich selbst über ’Los’ ins Gefängnis schicken!

The Amazing Halskrause-Man
& his Sidekick Playmobil-Girl.
Zu der Musik habe ich mich ja bereits geäußert, aber die Ausstattung muss man tatsächlich sehen, um ihre Lächerlichkeit zu glauben. So gibt es Baustellen Sets, Kostüme aus dem Reißbrett-Mülleimer von GL (ich könnte schwören, dass sie 4 Jahre später in ’Einer gegen das Imperium’ nochmal aufgetragen wurden) und bei einer Szene fiel mir sofort die ’um Lichtjahre überlegene Stuhltechnologie’ Bemerkung aus ’MST3K – The Movie’ ein.
Auch die Effektarbeit ist eine einzige Lachnummer. Vor allem der Opening Shot auf das Raumschiff von Lord Graal (der nicht nur aussieht wie Lord Vader, sondern in der deutschen Fassung auch noch dessen Synchro verpasst bekommen hat) zeigt die Amateurhaftigkeit der Effekte sehr deutlich. Die Kamera nähert sich allmählich den Fenstern des Schiffes, und man sieht deutlich, das eben jenes lediglich eine Schablone ist, die einen anderen Film verdeckt. Nämlich den, der das Innere des Schiffes zeigt und durch die Fenster (also Löcher in der Schablone) sichtbar wird.

Ja, genau so stell ich mir die
Bewohner eines
Wüstenplanten vor.
Die Darsteller sind allesamt aus dem alten Hut des phantastischen Films gezogen, als da wären: Ein chinesisches Klugscheisser-Kind, dass die Wege der ’Macht’ zu kennen scheint (immer wenn er sie benutzt, ertönt schrille Orgelmusik), die obligatorische Powerblondine, ein gutausehender Pilot (die Rolle konnte Kiel ja nicht spielen) und eine Hexe mit unglaublicher Kobra-Frisur. Mit der Zeit häufen sich dann auch die lächerlichen Situationen. Zum Besipiel spricht Dr. Kraspin (Arthur Kennedy, der schon im unsäglichen ’Haie am Todesriff’ rumgurkte) während einer Konversation mit besagter Frisur-Xanthippe erst zu ihrem Abbild in einem Bildschirm, dreht sich dann aber plötzlich in Richtung Kamera und spricht unverhohlen weiter. Was in einer Parodie, a la ’Spaceballs’ wirklich spassig wäre, kommt hier nur noch total bescheuert rüber, erntet aber ordentlich unfreiwillige Lacher. Wenigstens ein paar (nennen wir sie ’interessante’) Raumschlachten/Dogfights gibt es zu betrachten, die allerdings auch vom großen Vorbild abgekuckt sind und von völlig unpassenden Instrumental-Passagen begleitet werden, die sich zwischendurch immer wieder einschleichen und den Zuschauer mit hochgezogener Augenbraue vor den Bildschirmen sitzen lassen.

"Lass es einfach gut sein, Junge!
DU bist nich Darth Vader und ICH bin nicht Prinzessin Leia!"

’Kampf um die 5. Galaxis’ muss echt nicht sein, kann aber eindeutig jedem Trashfan empfohlen werden, der rumeiern und abfeiern will. (Als Drinking Game empfehle ich das Wort ’Humanoid’)

Hudson