Frankenstein - Zweikampf der Giganten



Originaltitel: Furankenshutain no kaijû: Sanda tai Gaira (1966)
Regie: Ishirô Honda
Drehbuch: Reuben Bercovitch, Ishirô Honda & Takeshi Kimura
Darsteller: Russ Tamblyn, Kumi Mizuno, Kenji Sahara FSK: 12


ACHTUNG, ACHTARMIGE BESTIE ACHTERN!

„Wir hatten schon die halbe Strecke geschafft, da kam dieses Affengesicht hinter uns her. Frankenstein hat die anderen vier gefressen!“
„Jetzt hören sie damit auf!“

Also wirklich! Schließlich wissen doch alle Toho-Jünger, dass der Frank ein ganz ein lieber ist, der niemals mutwillig… oh, Moment, es ist gar nicht Frank, sondern sein Zwilling-Gezücht Stunk?
Wie konnte es dazu kommen, war Frank doch als Einzelkind mithilfe eines verstrahlten Herzens (äääh… hier nachlesen) in Teil eins entnabelt worden?

Mini-Furankenshutain oder Mega-Monchichi?
Ganz einfach: Frankenstein - ein Name, der sich in den deutschen Fassungen diverser Toho-Streifen einiger Popularität erfreute (auch gerne Mal in Godzilla-Filmen, die rein gar nichts mit Frankenstein, seinem Monster oder seiner Tante zu tun hatten) - ist mittlerweile voll behaart und geschlechtsreif und das bedeutet in diesem speziellen Fall, dass aus seinen abgestoßenen Haut- und Haarzellen vor ein paar Jahren ein zweites Wesen seiner Art entstand.
Ganz recht, Freunde: Frankenstein schubberte ein Weib. Naja, zumindest einen Zwilling. Ob es ein Weibchen ist, kann ich an dieser Stelle nicht mit Bestimmtheit sagen. Aber mir gefällt die Vorstellung. Vor allem, weil scheinbar noch kein anderer auf die Idee kam und ich mich gerne wichtig mache. Denkt mal drüber nach!

Generic gaijin grins galore
Der (die?) fiese Stunk-Riese (Riesin?) sieht zwar genauso aus wie sein (ihr?) Bruder/Erzeuger/Geburtshelfer, nur eben grün anstatt braun (in der Videospielbranche spricht man von “palette swapping“), hat aber nichts von dessen philantropischen Tendenzen abbekommen.
Ganz im Gegenteil, er (sie?) jagt und vernascht menschliche Opfer, zerstört in bester Toho-Manier japanische Infrastruktur und Architektur und benimmt sich auch sonst komplett daneben.
Als die örtliche Regierung ihre üblichen Maßnahmen ergreift (cue a montage of rolling toy vehicles) und den (die?) grünen Giganten (Gigantin?) in die Mangel nehmen, kommt ihm (ihr?) Frankenstein Römisch Eins zu Hilfe. Doch wo liegen dessen wahre Loyalitäten, bei der entsetzten Menschheit oder seinem aggressiven Sprössling?

„Aber wenn diese Theorie richtig ist und die Armee schießt beide Ungeheuer zu Fetzen, dann entstehen daraus doch Millionen anderer und das könnte das Ende der Menschheit bedeuten, Herr General!“
„Hmmm und ich hatte schon gehofft, dass wir schwere Bomber einsetzen können. Pech! Dann müssen wir unsere Strategie eben ändern!“

"Ja, lauft nur... direkt in die dämlichen Bildunterschriften hinein!"

Kaiju-Meister und ’Godzilla’-Regisseur Ishiro Honda (ebenfalls am Drehbuch beteiligt) setzte mit dem Sequel zu seinem Riesen-Homunculus-Hauer ‘Frankenstein - Der Schrecken mit dem Affengesicht‘ (aka ‘Frankensteins conquers the world‘) noch einen drauf. Frei nach dem Motto “Zwei Riesen-Homunculi sind besser als einer!“, ließ er zu den schmetternden Klängen seines Haus- und Hofkomponisten Akira Ifukube zwei ebenbürtige Gegner inmitten detailreicher Spielzeug-Städte aufeinander prallen.

"Nein, heute reicht KEINE Katzenwäsche!"
Das Monster-Design wurde im Vergleich zum ersten Teil noch etwas mehr in Richtung ‘Zottel-Wild-Chique’ angepasst. Aufgrund der Tatsache, dass hier zwei humanoide Riesen-Rüpel gegeneinander antreten, die dementsprechend keine exorbitanten, übernatürlichen Extremitäten ihr Eigen nennen, geht das Gewemse um einiges dynamischer vonstatten, als man es beispielsweise von Godzilla, Rodan, Anguilus und King Ghidorah kennt. Das macht sich unter anderem bemerkbar, wenn der (die?) Grüne in Windeseile durch die gewohnt entzückenden Sets prescht, anstatt wie Big G gemächlich hindurchzuwanken. Auf der anderen Seite macht das Zottelkostüm mit der krummen Kauleiste und den wulstigen Klingonen-Brauen natürlich weniger her als ein dreiköpfiges/beschwanztes/fliegendes Riesenreptil, das Blitze spuckt. Hat alles sein Für und Wider.

Okay, brettern wir mal eben den kritischen Zeigefinger-Highway hinab, um dann zur Herzensangelegenheit zu kommen. Ja, ’War of the Gargantuans’ (US-Titel) läuft wie die meisten Riesenmonster-Katastrophensteifen aus den Toho-Studios nach sehr ähnlichem Schema ab: Ein Ungetüm erscheint, wir werden Zeuge von ausuferndem Militär-Gebell, gefolgt von rollenden Panzern, denen rollende Maser-Cannons folgen, denen hanebüchenes Science-Babble folgt: „Der Grüne ist nicht mehr lichtempfindlich. Die Laserstrahlen haben seine Reflexe ins Gegenteil verkehrt. Jetzt wird er sogar vom Licht angezogen.“

Das polnische Kino-Plakat bringt
es mal wieder auf den Punkt
Das ist nicht sonderlich einfallsreich, aber immer noch zum Quietschen, zumal der Film auch etwas hektischer ist als vergleichbare Streifen, was eventueller Langeweile erst gar keine Chance zum Nisten gibt.

Hier gibt es einfach zu viel Unterhaltsames, Skurriles und Herzerwärmendes zu verbuchen, als dass man dem Film seine offensichtlichen Unzulänglichkeiten krumm nehmen könnte. Beispielsweise als in einem Nachtclub eine rothaarige Dame den Song ‘The words get stuck in my throat‘ schmettert und Stunk vorbeikommt, das Dach des Etablissements hebt und die Träller-Tusse aus den Latschen haut. Weibliche Konkurrenz wird nicht geduldet! (Ich sag doch, das ist ein Weibchen!) Im Zentrum der Prügeleien zwischen Riesen und Riesen, Riesen und Riesen-Kopffüßern und Riesen und Riesen-Miniaturgebäuden (hier kloppt man sich schon knapp 50 Jahre vor ’Pacific Rim’ ganze Boote um die Schläfen) kommt es immer wieder zu emotionalen Momenten (wie z. B. der erste Auftritt des braunen Riesen, in welchem er dem grünen Fiesen aus der Patsche hilft), die dem Film einen charmanten Touch verpassen.

Man schert sich tatsächlich um Frank(enstein) und ist angenehm angewidert von Stunk(ebein), der (die?) sich wahrlich monströs gibt und keinen Hehl aus seiner (ihrer?) Vorliebe für Menschen macht. Selten wurden in Kaiju-Streifen derartig oft tatsächlich menschliche Opfer vom titelgebenden Riesenmonster verschlungen.
“Wir haben eine ganze Batterie Lasergeschütze auf ihn angesetzt!“

"IT'S ALIVE! IT'S ALIVE!"

Wie üblich in diesen Filmen, sind die menschlichen Protagonisten nur Beiwerk. Anstelle von Takashi Shimura (‘Die Sieben Samurai’) in einer Nebenrolle gibt’s hier Russ Tamblyn (’Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein’) in einer Hauptrolle. Ich bin kein Fan, aber seine ständig zwischen Verdutztheit und Arroganz hin- und herwandernde Captain-Kirk-Gedächtnis-Grimasse kann gerne als mimischer Kommentar auf die fremde Kultur mitsamt ihren (geschlechterunspezifischen) Riesenmonster verstanden werden.
Zwar ist Kumi Mizuno aus ’Frankenstein - Das Monster mit dem Affengesicht’ (und etlichen weiteren Toho-Produktionen) wieder in einer ähnlichen Rolle zu sehen, doch hier nachzuvollziehen, ob dies dieselben Figuren wie im Vorgänger sind, ist vergebliche Liebesmüh. Gerüchte aus dem Westen besagen übrigens, dass in der US-Version alle Bezüge zum Vorgänger eliminiert wurden, because… reasons. History is written by the winners, as the say.


Hudson