Kabinett des Schreckens


‘Something is alive in the funhouse...something that, tonight, will turn the funhouse into a carnival of terror!’


Originaltitel: The Funhouse (1981)
Regie: Tobe Hooper Drehbuch: Lawrence Block
Darsteller: Elizabeth Berridge, Shawn Carson, Kevin Conway FSK: 18


Ob John Carpenter bei Howard Hawks, George Lucas bei Akira Kurosawa oder Quentin Tarantino bei allen anderen: Geklaut wurde im Film schon immer.

So fängt auch Tobe Hoopers ’Funhouse’ gleich mit einem witzig gemeinten Rip-Off der Eröffnungsszene aus ’Halloween’ an, den er nicht geschickt mit der Dusch-Szene aus ’Psycho’ verbindet. Als nächstes sieht man ’Frankensteins Braut’ in der Glotze und das erste Gespräch beim Date handelt auch nur vom Thema ’Movies’.

Dont' look now!
Na Mensch und ich dachte immer, der selbst-referenzielle Horror wäre in den 90ern erfunden worden. Man lernt nie aus.
Die jugendlichen Protagonisten, zwei Pärchen, besinnen sich dann schließlich doch auf einen Rummel-Besuch und landen, nachdem sie die Achterbahnen und Sweet-Shops abgeklappert haben, in der ’Freakshow’. Aus Jux beschließen die vier, die Nacht im ’Kabinett des Schreckens’ zu verbringen, ohne zu wissen, wer da noch so rumhängt.
Es ist der missgestaltete Sohn des Besitzters. Seines Zeichens ’Freak for Life’ und verdammt gestört unterwegs. So ist das erste, was die Kids aus ihrem Versteck von ihm sehen, der Mord an der Kirmes-Wahrsagerin, die für den richtigen Preis auch die Beine breit macht. Jetzt heißt es ’Überleben’ für die vier, denn ihre Anwesenheit bleibt nicht lange unentdeckt.

Tobe Hooper, dessen Erstling ’Blutgericht in Texas’ für viel Furore sorgte, und der später unzumutbaren Schund wie ’The Mangler’ und ’Crocodile’ fabrizierte, packte das Slasher-Genre an den Eiern, schubste seine Protagonisten in ein düsteres Jahrmarkt-Setting und mischte seinem Killer eine ordentliche Portion Mutanten-Monstrat in die Gene.

“So geh doch ins Licht!“
“Niemals, Handtaschen-Kopp!"
Das mit dem ’an den Eiern packen’ solltet ihr jetzt allerdings nicht wörtlich nehmen. Denn ein Slasher ist ’Kabinett des Schreckens’ auf jeden Fall, ob nun mit Monster-Kopp oder ohne. Fast schon beruhigend, zu wissen, dass diese Art von Film, egal wie oft Inkarnationen aus der Pfanne springen, immer und immer wieder der gleichen Formel folgt. Petting & Kiffing, Screaming & Running, Strangling & Stabbing. The Chick always survives! Slasher bleibt Slasher, gelle?
Warum auch nicht, wenn’s funktioniert. An Nervenkitzel mangelt’s diesem Filmchen jedenfalls nicht. Vor allem visuell geht hier einiges. Die interessanten Nuancen in der Beleuchtung heben ’The Funhouse’ über den Durchschnitt und kurbeln die Spannung mächtig an. Die Jungdarsteller als ’adäquat’ zu bezeichnen würde es am besten treffen. Wirklich überzeugen kann hier nur einer, nämlich Kevin Conway (’Schneller als der Tod’) als soziopathisch-cholerischer Geisterbahn-Betreiber.
Viel Blut und Geschmadder müssen zarte Gemüter nicht befürchten (die anderen dürfen sich allerdings auch nicht drauf freuen), denn die Gewalt spielt sich meist im Dunklen ab und wenn man etwas sieht, dann hält sich die Horribilität in Grenzen.

Zuviel 'Cabinet' geraucht

Wer hat noch nicht, wer will nochmal? Ihr sucht gepflegten Grusel und wollt die abartigen Geheimnisse des fahrenden Volkes kennenlernen? Dann reiht euch ein und besucht das ’Kabinett des Schreckens’. Erwartet aber keinen Horror-Hammer, der den ’Hau-den-Lukas’ des Grauens bis an die Glocke treibt.



PS: Nebenbei sei hier noch erwähnt, dass Tobe Hooper das Angebot von Senor Spielbergo ausschlug, bei ’E.T.’ Regie zu führen, da er zu viel mit ’Kabinett des Schreckens’ zu tun hatte. Um Gottes Willen, ich hab so schon genug Angst vor dem außerirdischen Gnom!

Hudson