Frostbiter - Der Fluch des Wendigo


‘Hell Has Frozen Over.’


Originaltitel: Frostbiter: Wrath of the Wendigo (1995) Regie: Tom Chaney
Drehbuch: Tom Chaney, Rick Cioffi & Steve Quick
Darsteller: Ron Asheton, Lori Baker, Patrick Butler FSK: 18


Welcome to MANITOU ISLAND!

Hierhin verschlägt uns die Legende um den Wendigo, jenen alten Naturgeist aus Überlieferungen feuerwasserfester Fußpilzindianer, der schon so manchem schneeumwehten Horrorfilm die knarzige Krone aufsetzte. Keiner jener welcher sollte allerdings jemals mit ’Frostbiter’ verglichen werden. Denn ’Frostbiter’ ist eine Liga für sich, markengeschützt und fuckin’ flausig, wie kein zweiter Streifen dieser Art.

Comin' up and at ya...

„Ich wusste, dass ich die unsterbliche Seele des Wendigo am Ort seines Todes festhalten musste. Also bildete ich mit den Schädeln von früheren Opfern des Wendigo einen Kreis um diese Stelle. Sollte irgendwann mal jemand diesen Schutzschild durchbrechen, dann würde Wendigo zu neuem Leben erwachen, mit noch größerer zerstörerischer Kraft. Um die Welt vor solchem Unheil zu bewahren, musste auch ich in diesen magischen Kreis verbleiben, als der auserwählte Wächter.“

Unterlegt von farbenfrohen Rückblenden und unpassenden Panflöten-Sounds, die mehr an alte Shampoo-Werbung aus den 90ern, als an Horrorfilme erinnert, bekommen wir diese epische Einleitung als Prolog aus dem Munde eben jenes selbsternannten Wächters souffliert, der nach Jahren des Wachens innerhalb seiner Barriere aus Knochenköppen und Spanplatten zu einer greisen Trockenpflaume verkümmert ist. Das mag unhöflich und altenfeindlich klingen, aber seht selbst, Kinder:

Selten wurde murmelndes Dörrobst humaner dargestellt!

Es kommt wie es nach ca. 50 Jahren Wendigo-freier Waldruhe kommen muss: Hillbillies vom Clan der Backwood-Bumfuck-Buschbrüderschaft dringen mit Schrotflinten und einer Pulle Apfelkorn in der Armbeuge in Opa Ültjes Geheim-Reservat ein, ballern erst seine Warnschilder von den Ästen, dann die Ritual-Schädel von den Pfählen und schließlich den alten Wildhüter selbst über den Haufen.
Und nur so viel… Wer den Film bis hier hin überstanden hat, der wird ihn auch nicht mehr ausschalten. Die Faszination des Absurden, der Sog des Trashes, der Reiz des Obskuren hat dich danach am Schlafittchen. Der Griff zur Hausbar sei jedoch gestattet.

„Ich weiß, es klingt nach’m schlechten Monsterfilm. Aber es ist ein riesiges blaues Monster da draußen. Das nennen die hier Wendigo. Das Vieh hat schon meinen Freund umgebracht!“

DIE UNBESTECHLICHEN
Von links nach rechts:
Kevin Costner, Andy Garcia & Charles Martin Smith.

’Frostbiter’ ist eine garstige Grütz-Gaudi, die man ausschließlich Leuten ans Herz legen kann, die sich ihre Sporen im Dickicht der Flausen-Features verdient, sich wacker durch Filme wie ’Troll 2’, ’Demonwarp’ und ’Grotesk’ geackert haben und dabei sogar noch Spaß hatten. Es ist die Art von Film, bei dem sich zu funkiger Mucke (wie man sie beispielsweise in einem Blaxpoliter finden würde) ein riesiges Gummimonster auf ein Pappflugzeug stürzt, dem Piloten in einem Schneesturm aus Daunenfedern den Kopf abbeißt und das ohne jegliche Computereffekte. Zur Story muss das nicht unbedingt beitragen. Tut es auch nicht. Zur Unterhaltung umso mehr.

HUMBUG!
Die Geschichte entführt uns schließlich kurz zum Festland, wo der Wächter einer netten jungen Dame als Geist in Nachthemd und Betthaube (aber ohne Augenklappe) erscheint, wie einst der ’Ghost of Christmas Past’ dem Ebenezer und etwas von „Duuu bist die Auserwählte!“ brubbelt.
Auserwählt wie sie ist, verschlägt es die Lady in dem Flugzeug(wrack) aus dem Absatz weiter oben ebenfalls nach Manitou Island, wo in einer Waldhütte einen Haufen debiler Burschen bereits das Cabin Fever packt, courtesy of our good friend Wendigo.

An dieser Stelle ins Detail zu gehen und alle nun folgenden Blödsinnigkeiten zu kommentieren, wäre eine Sisyphusarbeit und würde hier nur zu Protesten des gesunden Menschenverstandes führen. Es gibt bei ’Frostbiter’ einfach zu viel zu sehen, das jeder Beschreibung spottet. Gummimonster, Knetmonster, Stop-Motion-Monster, Monster-Chili, Demonic Possession, Women-in-Suits, Men-in-Flanell, Schwarzlicht mit Schwäche für rote Mützen, Marmeladen-Gore, Raimi-esque Kamerafahrten und Zooms, Jacksonscher Glotter-Splatstick, debile Zoten und Musik von Interpreten wie Elvis Hitler. Es ist die Mischung, die’s hier macht und die ist wirklich mannigfaltig doof.

The gift that keeps on giving

„Wendigo ist nur ein Indianerwort für Kannibalsimus. Das Ungeheuer Wendigo, das gibt es nicht. Ich meine die Indianer würden sagen ’In der Mitte der Nacht kam Wendigo und aß Geronimo!’ Ehehehe. Oh man, das ist nur ’ne Ausrede für ihren Hunger!’

Das klingt schon albern genug, aber wenn die Szene von dem Gitarrenriff aus Prince’s ’Kiss’ begleitet wird und Sekunden später dem Chilikoch die Rührhand von einem Happahappa-Maul-Monster aus dem Topf abgebissen wird, muss das Wort ’albern’ erstmal in die rechte Perspektive gerückt werden.

Rebiiirth of the Killer-Tomaaatoes!

Zugegeben, mittendrin verliert sich der Film immer wieder in allzu abwegigen Dialog-Mätzchen, einigem Füllhorn-Getröt, einer nett gemeinten, jedoch überflüssigen Schwarz/Weiß-Nachrichten-Reportage über das Geschehen von außerhalb, und allzu offensichtlichen “Anleihen“ bei ’Tanz der Teufel’ (von der Wand der Hütte grüßt sogar ein ’Evil Dead II’-Poster), ’Critters’ (Miss October als Transformations-Inspiration) und Co., aber das wird Freunden des schlechten Geschmacks, die sich hierher verirrt haben, wohl nicht den Kohl versalzen.

Wink, wink. Nudge, nudge!
Neben der völlig bekloppten deutschen Synchro (die selbst jene aus ’Street Trash’ in Sachen verkrustet ausgehustetem Kauderwelsch noch in die Tasche steckt) und dem optischen Tohuwabohu, irgendwo zwischen monströs billigem Set-Design, erbrochenem Videoband und knallbunten Holzfällerhemden, ist es vor allem die unfassbar groteske Musikauswahl, welche die absurde Identität des Streifen prägt.
80s-Hair- und Hardrock-Songs, Panflöten-Soli aus der Timotei-Gedächntis-Soundbibliothek, Funky Tunes aus Motown Mitte und Synthie-Geklimper sind so oder so kaum miteinander kompatibel, aber die Art und Weise, wie sie sich hier die Klinke in die Hand geben und schnitttechnisch völlig unpassend und ohne jeglichen Touch für Ton und Thema über die Szenerie gebügelt werden… also entweder hat der Soundtechniker einfach auf ’random’ gedrückt und ist ins Bierzelt ausgewandert oder hinter dem Wahnsinn steht eine Methode, die sich meine Schulweisheiten nicht erträumen lassen.

Das klingt kritisch und freilich wirkt es stümperhaft und schlichtweg falsch, aber im Kontext des Filmes, seiner Beteiligten, des Geschehens und der technischen Mittel passt das alles wie Arsch auf Eimer. Auch wenn das, was im Eimer landet, nach Sprühwurst klingt und aussieht. Da lachen sich die Macher eins, kippen das Ergebnis aufs Set und animieren es mit Liebe zum Detail. Man muss das schon wertschätzen können und dazu gehört eine dicke Portion Liebe zum “Trash“, diesem inflationär gebrauchten Begriff jener, unserer filmischen Gestade, der bei ’Frostbiter’ aber tatsächlich passt und mit in den Eimer gehört.
Wer diesen Film nach regulären Maßstäben bewertet, beurteilt oder auseinandernimmt, hat nicht nur schon verloren, sondern ist grundsätzlich falsch hier.

Cabin and the Wutz

„Erst war’s dieser komische Wendigo, dann frisst mein herrliches Chili meine Hand auf und jetzt haben wir 'nen erfrorenen Teenager. Was kommt als nächstes?“

Das soll nicht verraten werden, denn Fans von Schund alter Schule schulden es sich und dem kläglichen Rest ihres Verstandes, dem ’Frostbiter’ selbst gegenüber zu treten. Das hier ist Troma, wenn auch nicht hauseigen, aber mehr als zum Programm passend, also darf sich wirklich niemand wundern. ’Frostbiter’ ist die Art von Streifen, bei der man die Hände vielleicht doch besser von der Minibar lassen sollte, denn nach allzu fatalem Rausch bestünde hier am nächsten Morgen die Gefahr des überwältigenden Gefühls, dies alles nur geträumt zu haben. Schließlich würde niemals jemand einen solchen Film zimmern oder? Oh doch, werte Freunde, Feinde, Opfer und Bezwinger solcher Absurditäten und das ist feiernswert!



PS: Bleibt bis zum Ende des Abspanns dran, der gleich nochmal mit einer der beklopptesten, also zum Film passenden, Post-Credit-Scene schlechthin aufwarten kann.

PPS: MATT-DAMON?






























Hudson