Friss den Staub von meinen Stiefeln


‘Ein Mann ohne Nerven rechnet ab’


Originaltitel: Three Bullets for a Long Gun (1970)
Regie: Peter Henkel Drehbuch: Keith Van Der Wat
Darsteller: Beau Brummell, Keith Van Der Wat, Patrick Mynhardt FSK: 18


Der ’Major’ ist ein hartärschiger Lone Rider, wie man ihn nur im Wilden Westen findet. Schnell mit Flinte und Revolver, staubig im Schritt und ’ne schicke Militärmütze auf der Rübe. Als er auf der Suche nach einer Schatzkarte den mexikanischen Tunichtgut Lucky vor dem Erschießungskommando rettet, hat er den hinterlistigen Halunken dauerhaft an der Backe. “Mit meinem Glück und deinem Hirn werden wir reich!“ meint der Mexikano, meint damit aber eigentlich ’Dreh mir auch nur einmal den Rücken zu und ich mach mich mit der Schatzkarte davon!’ Es folgt ein Wechselbad des Verrats, zu dem sich bald auch der einäugige Schurke Hawkeye gesellt, der mit dem Major noch eine Rechnung offen hat…

Pull Ups am Joch
Billige Kopien von ’Zwei glorreiche Halunken’ gibt es ja einige. Bei ’Friss den Staub von meinen Stiefeln’ handelt es sich um eine besonders dreiste. So dreist, dass keine fünf Minuten im Film, schon das Finale aus Leones Meisterwerk für den Auftakt der Bindung zwischen Major und Lucky ausgeliehen wird.
Die beiden sind Spaghetti-Western-Spitzbuben, wie sie im Gästebuch des örtlichen Puffs stehen. Der eine wortkarg, zähneknirschend und tödlich mit dem Schießeisen, der andere trottelig, hinterhältig und Sprüche klopfend. Beide dreckig und moralisch fragwürdig.
Dass Hauptdarsteller Beau Brumell von Clint Eastwoods Stammsprecher vertont wurde, tut sein Übriges. Brumell nimmt man den Bad Ass-Pistolero jedoch gut und gerne ab und auch wenn seine Co-Stars Keith Van Der Wat (auch für das Drehbuch verantwortlich) und Patrick Mynhardt (’Zulu Dawn’) es nicht mit Eli Wallach und Lee Van Cleef aufnehmen können, machen sie diesem mit sämtlichen Genre-Klischees gewaschenen Schinken alle Ehre. Vor allem Mynhardts völlig überzogene Darstellung des geifernden, zähnefletschenden, rumröhrenden Hawkeye dürfte zum Amüsement geneigten Filmfreunden Spaß bereiten.
Auf der technischen Seite ist nicht allzu viel los. Es gibt die obligatorischen netten Landschaftsaufnahmen, typische Spaghetti-Western-Kniffe wie schnelle Zoom Ins, Rückblenden und Zeitlupen, leider aber auch einen peinlich uninspirierten Musik-Mix aus orchestralem Krawall, experimentellem Gitarren-Swing und Schlagersongs, die der angepeilten Stimmung keineswegs zuträglich sind.

Sit Ups im Sand

Mögen sich hier und da auch ein paar Längen einschmuggeln, der Plagiatsvorwurf nur allzu berechtigt sein und die Musik das Hörzentrum aus dem Gleichgewicht düdeln, so ist ’Friss den Staub von meinen Stiefeln’ doch ein unaufdringlich amüsanter Western-Schnellschuss, den unbedarfte Fans staubiger Steppenepen probehalber ruhig mal antesten dürfen.


Hudson