Freitag der 13.


‘They were warned...They are doomed...And on Friday the 13th, nothing will save them.’


Originaltitel: Friday the 13th (1980)
Regie: Sean S. Cunningham Drehbuch: Victor Miller & Ron Kurz
Darsteller: Betsy Palmer, Adrienne King, Harry Crosby FSK: 18


Camp Chrystal Lake - Der ewige Spielplatz für Slasherfreaks, eine Halde altgedienter Schockmomente, der Friedhof dauergeiler Teenager. Und so fing alles an:

Freitag der 13. Eine handvoll Jugendlicher macht sich auf zum berühmt berüchtigten Ferienlager, das von den Einheimischen mitttlerweile nur noch ’Camp Blood’ gennant wird, da in den 50er und 60er Jahren dort schlimme Dinge passiert sind (ein Junge ertrank, Feuer im Wald, verseuchtes Wasser, Blutbad im Camp etc.). Auch Annie, ein nettes Mädchen aus der Stadt erreicht ’Chrystal Lake’ zur Stunde und wird vom örtlichen Sabberzausel auf die herzlichste aller Hinterwäldler-Arten begrüßt: “Der Ort ist verfluuucht!“

Erst glotzen, dann sterben
Das junge Ding gibt natürlich nichts darauf und noch bevor wir dem Irrglauben verfallen können, sie sei die Hauptfigur, wird die Ärmste auch schon das erste Opfer des bis dahin anonymen Killers. Tja, Protagonisten eines Slashers sollten stutzig werden, wenn die Person die sie im Auto mitnimmt in Gegenwart der Zuschauer weder zu sehen noch zu hören ist. Die ahnungslosen Kids im Camp genießen derweil den Sommer und kommen sich allmählich näher. Doch auch sie haben die Regeln des Slasher-Genre noch nicht intus. Wer Rauschmittel konsumiert, Sex praktiziert und sich auch noch von der Gruppe trennt, hat von dem Offscreen-Killer keine Gnade zu erwarten. Der rächende Geist von ’Camp Chrystal Lake’ schleift die Messer und lauert im Unterholz. Es gibt kein Entkommen für die hedonistischen Besucher…

Herzlichen Glückwunsch:
Sie sind das allererste Opfer
einer langen Traditionsreihe!
Die ‘Freitag der 13.’-Reihe gilt als das Beispiel schlechthin für den unbedarften ’Slasher’, diesen Stiefsohn des Horror-Genres, der beim Publikum immer gut ankommt, bei der Kritik aber meist durchfällt. Das Konzept ‘Gutausehende Jugendliche werden von mörderischem Killer verfolgt und getötet’ ist so simpel, wie es in den letzten 30 jahren erfolgreich war. Jedes Jahrzehnt hatte seine Slasher-Runs, doch in den Achtzigern war diese Gattung so populär wie ’Bad Hair’ und ’Bubblegum’. Dabei kann das Original der Reihe objektiv gesehen (und vor allem rückblickend) überhaupt nichts Weltbwegendes zum Thema beitragen, was nicht ’Black Christmas’ oder John Carpenters ’Halloween’ längst etabliert hätten. Hier wurde das funktionierende Prinzip einfach in eine andere Location versetzt, eine Location, die das angepeilte Publikum womöglich noch amüsanter fand, als das Mädcheninternat oder die Vorstadt von ’Haddonfield’. Und tatsächlich ist das Ferienlager (das auch in der ’Sleepaway Camp’-Reihe blutiger Schauplatz war) ein recht stimmiges Plätzchen, um eine solche Bluthatz zu veranstalten.

Crazy Ralph, my kinda guy
Unter den jungen, schönen aber stets blass wirkenden Akteuren (u.a. ein sehr junger und unerfahrener Kevin Bacon), die hier zum größten Teil an die Wand genagelt, erstochen, aufgeschlitzt und aufgespießt werden, ist Betsy Palmers kurz gehaltener Auftritt fast schon ein Lichtblick schauspielerischen Könnens.
So sind dann auch die Special Make Up Effects von Tom Savini (’Dawn of the Dead’) das Salz in der der Suppe. Zwar übertrieb man es nicht, wie in den meisten Fortsezungen, dennoch ist die Darstellung von durchbohrten Körpern und aufgeschlitzten Kehlen alles andere als harmlos. Für zarte Gemüter ist kein einziger Teil der Reihe gedacht. Wie viele Filme dieser Art hat auch die erste ’Freitag’-Episode ihren Anteil an unfreiwilligem Humor. Anlaufstelle Nr. eins ist hier der Stadt-Irre Ralph, der des öfteren vorbeischaut und immer wieder “Ihr seid verdammt, wenn ihr bleibt.“ und “Dieser Ort ist verfluuucht!“ raunt. Soundtechnisch griff man in die Vollen. Harry Manfredinis Musik einschließlich des berühmten "Ki Ki Ki, Ma Ma Ma"-Geräusches dürfte mittlerweile fast so populär sein, wie Jason selbst, der im ersten Teil (das weiß mittlerweile wohl jeder) nur einen kurzen, aber verdammt effektiven Kurzauftritt hat.

Endlich in Sicherheit? Nö.

Als Start einer populären Reihe von Filmen gleicher Art war ’Freitag der 13.’ nie gedacht und, seien wir ehrlich, der Film bedurfte wirklich keiner Fortsetzung. Aber das Publikum liebte ihn, machte einen Riesenhit daraus und was, wenn nicht das, überzeugt Hollywoods Produzenten, dass Fortsetzungen (bis heute 10 an der Zahl) etwas Unverzichtbares sind? Was damals eine große Nummer war, hätte im Gros heutiger Horror-Veröffentlichung gerade mal eine Randbemerkung in Fachmagazinen bekommen. Aber so ist das mit Filmen, die zur richtigen Zeit den richtigen Markt erreichen und dann Kultstatus erlangen. Verdient oder unverdient. Und so wird es wohl immer sein. Die Euphorie gegenüber dieser Reihe kann ich (am ehesten aus nostalgischen Gründen) zwar nachvollziehen, aber nicht zwingend teilen. ’Freitag der 13.’ ist ein kleiner Film mit großem Ruf und allemal besser als die meisten seiner unmittelbaren Fortsetzungen. Als echter Filmfan sollte man ihn natürlich gesehen haben und sei es, um all jenen, die ihn für die Speerspitze des Horrors halten den Wind aus den Segeln nehmen zu können.


Hudson