Freakshow


‘In ihren Augen lauert der Tod.’


Originaltitel: Black Roses (1988)
Regie: John Fasano Drehbuch: Cindy Cirile & Cindy Sorrell
Darsteller: John Martin, Sal Viviano, Karen Planden FSK: 18


Livin on a prayer?
Sie fahren Lamborghinis, tragen Lederklamotten und gesprayte Haartrachten. Wenn sie da sind, ist was los. Wenn sie weg sind, ist nix mehr los. Die urige Hair-Metal-Band ’Black Roses’ reist durch die schönen US of A, von einem Staat zum nächsten. Ihre neue Tour soll den Auftakt ausgerechnet in der spießigen Kleinstadt Mill Bason feiern. Während die Kids Feuer und Flamme für die Rocker sind, meinen die Erwachsenen (die natürlich regelmäßig in die Kirche gehen und rechtschaffende Leute sind) das Gleiche, was auch deren Eltern schon 30 Jahre zuvor meinten: “Rock ’n Roll ist Teufelszeug!“
Trotz allem Gezänk werden die vier Konzerte gestattet.
Wenn die ollen Spießbürger geahnt hätten, wie richtig sie mit ihren vermutungen lagen, wäre es sicher anders gelaufen. Denn die ’Black Roses’, unter Frontmann Damien, sind tatsächlich aus der Hölle entsandte Rock-Monster, welche die Kids nach und nach in ihren Bann ziehen und sie zu Jüngern Satanas’ machen. Zwar verpennen nun die Eltern diesen Schrecken, doch coole Lehrer Moorhouse (John Martin, Tom Sellecks lange verschollener Zwillingsbruder) bemerkt die schleichende Verwandlung von aufmüpfigen Teenagern zu gewaltbereiten Rowdys, die vor nichts mehr zurückschrecken…

"Telefonieren
nach Haus!"
Da werden Omas überfahren, ein Vater wird von einem urigen Gummi-Dämon in den röhrenden Lautsprecher seines Sohnes gezogen (irre, alberne Szene!) und die beste Freundin einer jungen Dame verführt deren Vater beim Strip-Poker und verpasst ihm einen Herzschlag. Jaja, die Korruption junger Gemüter durch Teufelszeug wie Heavy Metal.
Zugegeben, die Grundidee von ’Freakshow’ (da hatte der deutsche Verleih ja mal wieder einen selten blöden Namen für’s hiesige Publikum gefunden) ist nich die allerdümmste, einige der Produktions-Einwürfe sind aber zum Schreien komisch. Sei es der ’Black Roses’-Sänger, der sich von Nik Kershaw in David Bowie und schließlich in ein ’Teenage Mutant Hero Orc’ verwandelt, oder das ulkige Mädchen-Monster (eine Mischung aus E.T. und dem ’Pumpkinhead’), dass vom Lehrer erst mit einem Tennisschläger, später mit einem Tennisball bearbeitet wird oder Zuschauer, die durch satanische Mächte in verdorrte Schrumpfköppe verwandelt werden.
Auch hat es hier einige recht witzige Dialoge in petto:
“Ich war sehr erschüttert, als ich das von deinem Vater hörte. Woran ist er gestorben?“
“Herzattacke. Meine Mutter fand ihn heute Morgen um 3 Uhr tot im Arbeitszimmer. Sie kam vom Bridge wieder. Sie war völlig am Ende.“
“Sowas nimmt einen natürlich mit.“
“Sie hatte verloren.“
Oder als die erzürnte Oberaufhetzerin der entrüsteten Eltern-Menge entgegen schreit:
“Möchten sie eine Kostprobe ihrer Texte hören?“
Und es aus dem Saal: “JAAAAAAAA!“ zurückschallt… nunja.
Auch muss ich gestehen, dass mir die Mucke durchaus gefiel, die der Löwenmähnen-Fronter mit seiner Band da aus den Boxern schmettern lässt. Schade nur, dass er völlig missraten ist. Der sollte wohl ein Sequel garantieren, zu dem es aber nie kam.

“Ein Ohrring? Nur zwei bestimmte Männer tragen Ohrringe, Piraten und Schwuchteln. Und da draußen steht kein Schiff in unserer Einfahrt.“

Noch Fragen?

Summa Summarum sei gesagt, dass die ’Black Roses’ auf der Klabauter-Ebene mächtig rocken, ernstzunehmenden Horror kann man aus dem Haarspray-Milieu schließlich kaum erwarten. Rock on!

Hudson