Das Frauenlager der Ninja


‘A terrifying odyssey into the unreal.’


Originaltitel: Verschollen Regie: Godfrey Ho Drehbuch: haben Ninjas geklaut
Darsteller: Barbara Watson, Dorothy Yip, Daniel Wells FSK: 18


Was fällt euch zu den Namen ’Filmark’, Tomas Tang und Godfrey Ho ein?
Ganz klar: Ninjas, Baby!

Captured Alive...
Und genau diese lauern im Gebüsch des Hong Konger Freizeitparks. Menschen erfreuen sich des guten Wetters, spielen Badminton, lümmeln im Gras und lassen alle Fünfe gerade sein. Doch da sind sie schon: NINJAS, die sich einer harmlosen Picknicker-Truppe nähern, unverhohlen die weiblichen Teilnehmer rauben und mit den Kerlen kurzen Prozess machen. Ein ähnliches Szenario spielt sich im nahegelegenen Fluss ab. Das verliebte Pärchen kann gar nicht so schnell kucken, da ist schon die schwimmende Ninja-Rakete™ an ihrem Bug explodiert und schleudert sie ins Wasser. Wieder wird das Fräulein geraubt und der Mann auf Ninja-Art gemeuchelt. Auch Sylvia, die Tochter eines reichen Geschäftsmannes wird von den Strolchen entführt, was diesen dazu veranlasst, selbst einen Ninja zu engagieren, der die Kreise unterwandern und Sylvia befreien soll. Selbstverständlich kann dies nur eine Frau erledigen. Welch ein Glück, dass sich ’Lady Ninja’ Jenny dem reichen Sack anbietet und zum Beweis erst einmal eine handvoll Schergen umbüchst.

...scarred by Ninjas...
“Ganz großartig! Genau so eine Frau hat mir gefehlt, um meine Tochter aus dem Lager zu befreien!“ ist sein Urteil und für einen netten Scheck lässt sich die fesche Jenny prompt von den Schattenkämpfern schnappen.
Es folgt der Punkt, zu dem es früher oder später in den meisten Filmen von Godfrey Ho kommt.Und zwar die liebste Budget-Sparmaßnahme der Ho’s, Lai’s und Tang’s dieser Welt: Das Intercutting eines alten HK-Flicks, der normalerweise aus den staubigen Archiven der Restehölle stammt und bis dato noch keine Verwertung auf irgendeinem Medium gefunden hatte. Hier ist des Pudels Kern jedoch ein anderer. Die hineingeschnipselten Szenen, die wie so oft dann auch den Großteil der Handlung ausmachen, stammen aus dem ’Mädchem im Tigerkäfig’, einem zünftigen WIP-Exploiter aus dem Jahre 1976.
Hier kämpft Sylvia ums Überleben mit fiesen Insassinnen und noch fieseren Wärtern, versucht mehrmals erfolglos zu fliehen und soll schließlich einem reichen Ölscheich namens Santana verkauft werden.
Wie passen da jetzt die Ninjas rein? Gar nicht. Godfrey Ho ist das aber egal und er presst das neugedrehte Material irgendwie mittenrein, was wieder einmal zu völlig sinnlosen Szenen-Abfolgen führt.

...whipped through Hell...
So verteilt in ’Film 1’ ein Ninja Insassenkleidung an Jenny, während in Film 2 vier Gefangene Damen dem fiesen, übel überagierenden Knastvorsteher nackig vorturnen müssen. Aus einem geschlossenen Raum ohne Fenster sieht Sylvia später Jenny von einem Hügel Handzeichen geben und als eine Insassin schwer erkrankt kommt es zwischen dem Ober-Ninja in ’Film 1’ und dem Lagerleiter in ’Film 2’ zu folgendem Dialog:
“An einem Blinddarmdurchbruch sterben viele Menschen. Was soll’s!“
“Also dann kein Krankenhaus. Es ist dann eben höhere Gewalt gewesen!“
“Die Macht des Bösen ist Bestandteil unseres Lebens, ehehehehe!“

Das klingt jetzt möglicherweise verdammt spaßig, doch die Frauenlager-Szenen sind bis auf wenige Ausnahmen (Schäferhund-Hatz, Dialog-Dildos wie “Kannst du nicht schlafen? Soll ich dich streicheln?“ und die dreiste Verwurstung des Nightmare on Elmstreet’-Themas) von blasser Langeweile zerfressen. ’Richtige’ Ninja-Action gibt es hier überhaupt nur zu Beginn und zum Finale, als Jenny sich mit dem Ninja-Meister duelliert, bis die Fetzen fliegen. Hier gibt es auch das Highlight des Films zu bestaunen: Eine Mini-Rakete die den Schurken an einem kilometerlangen Faden durch den Wald verfolgt und schließlich sein Schicksal besiegelt.

“Wir sind zusammen gekommen und jetzt begrab ich sie. Wir sind nur Dreck für die. Wir leben in der Hölle auf Erden.“

...THEY NOW FIGHT BACK!

Zuerst fragte ich mich, warum die Insassen eines geheimen Frauenlagers Post (!!!) von draußen kriegen. Dann fragte ich mich, wieso ich mir solchen Quark immer wieder antue. Schließlich hörte ich auf, Fragen zu stellen und fing an, mir ein paar Bier hinzustellen. Wer also die exzessive Verbindung von Ninja-Filmen, WIP-Exploitation und kühlem Gerstensaft liebt, der rührt sich kein Stück, übt sich in Geduld und lausche Weisheiten wie der folgenden: “Sylvia, bitte lass es. Die Ninjas sind zu schlau. Unter dem Fußboden ist alles vermint.“


Hudson