Frauen in Ketten


‘Nothing Behind But Prison Bars. Nothing Ahead But Trouble.’


Originaltitel: Black Mama, White Mama (1972)
Regie: Eddie Romero Drehbuch: H.R. Christian, Joe Viola & Jonathan Demme
Darsteller: Pam Grier, Margaret Markov, Sid Haig FSK: 18


Where rapists stand in line...
Die farbige Prostituierte Lee (Pam Grier) und die Revoluzzer-Blondine Karen stecken gemeinsam in einem schäbigen, lateinamerikanischen Frauenknast fest, der auch nur Frauen (vorzüglich lüsterne Lesben) als Wärter hat und aus dem die beiden Kratzbürsten schnellstmöglich entfliehen müssen. Da passt es gut, dass sie sich erst einmal in die Haare kriegen und nach einem Catfight (mit Foodfight-Einlagen) zur Strafe in den ’Bau’ die örtliche Schwitzkiste mitten auf dem Feld, wo die pralle Sonne knallt, müssen. (Natürlich nackt. Aber ohne Fummeln.) Raus aus dem Schwitzkasten und rein in die Ketten, sollen die jungen Damen auf einem Lastwagen zur Special-Penitantiary gekarrt werden, als Karens Revoluzzer-Kumpis den Karren mit Sperrfeuer stoppen. Trotzdem verliert man sich in dem Gewimmel und die zwei Ausbrecherinnen huschen in Ketten und knappen Leibchen durchs Gehege, bis ihnen zwei Nonnenkostüme in die Hände fallen. Gejagt von fiesen Typen jedweder Kajüte (zum Beispiel den Schergen des dicken Gangsters Vic, dem Lee noch Geld schuldet und Ruben, einem Cowboy mit Schmierlappp-Ambitionen, der sich die Jagd vom Gefängnischef finanzieren lassen will) hauen sie eine Bresche durch den Dschungel Latainamerikas und das Dickicht der Männlichkeit. Während Lee ihr Geldversteck erreichen will, kennt Karen nur die Ziele der Revolution. Können sie ihre Streitigkeiten überwinden und die Geschichte heil überstehen?

Hmh, Frauen in Ketten!

’Frauen in Ketten’ war Eddie Romeros (’Beyond Atlantis’) Exploitation-Variante des ’Flucht in Ketten’-Themas und mit Pam Grier, Margaret Markov und Sid Haig auch dementsprechend besetzt. Wie damals Sydney Portier und Tony Curtis (und später auch R. Urich & C. Weathers) rennen Grier und Markov (die schon gemeinsam in ’The Arena’ vor der Kamea herumjukelten) angekettet um ihr Leben. Immer knapp an der Gefangennahme durch schurkische Polizisten, skrupellose Drogendealer und schmierige Kopfgeldjäger vorbei.

Jabba, the Foot
Das Männer- und Frauenbild des Film ist eindeutig, chauvinistisch und plump : Männer sind Schweine, Frauen sind Nutten, aber einige Frauen sind auch Opfer und/oder solche, die’s sich nicht mehr gefallen lassen.
Da ist Pam Grier mit ihrem Tough-Chick-Charme natürlich idealbesetzt. Das bewies sie auch schon in Jack Hills Revenge-Blaxploitern ’Coffy’ und ’Foxy Brown’, in denen auch Sid Haig am Rumfieseln war. Letzterer spielt hier mit Cowboyhut, Haaren und seltsam anmutender Arne Elsholz-Synchro den schmierigen Baddie par Excellence, bei dem Widersacher auch schon mal die Hosen fallen lassen müssen, um zu zeigen, wer den längeren Lümmel hat.

Citizen Haig
Margaret Markov ist Pam Grier fast ebenbürtig, die beiden geben ein nettes, gegensätzliches Duo ab. Allerdings bleibt der in ’Flucht in Ketten’ thematisierte Schwarz/Weiß-Konflikt plus Verarbeitung hier auf der Strecke. Aber Eddie Romero war auch nie für großartige Gesellschaftskritik, sondern für knallige Exploitation. Da ist natürlich auch der revolutionäre Bürgerkrieg nur Kulisse für fetzige Ballereien. Aber was soll’s: Fetzige Ballereien sind da! Durch den Wechsel vom ’Women-in-Prison’-Pic zum ’Chicks-on-the-Run’-Flick wechselt ’Frauen in Ketten’ schon nach 20 Minuten seine Dynamik und bleibt fortan recht spannend. Die Begegnungen der beiden Miezen sind von dummen Vergewaltigern, vergewaltigenden Dummen und weiteren Varianten dieser beiden Wörter geprägt.
Das ganze wurde Romero-typisch preiswert auf den Philippinen gedreht und zwar nach einer Story vom späteren ’Schweigen der Lämmer’-Regisseur Jonathan Demme. Tja, auch Oscar-Preisträger fangen mal klein an. Und Demme hätt’s schlimmer treffen können.

Viva la resistance!

Schlimmer treffen könnt es auch den Zuschauer, denn ’Frauen in Ketten’ ist unterhaltsamer und explotiver, wenn auch sexistischer und flacher, aber exotischer und knalliger, weil reißerischer und gut besetzter Action-Abenteuer-Thrill. Für Fans von B-Movies mit schlüpfrigem Anstrich Pflichtprogramm.


Hudson