Die Leichenfabrik des Dr. Frankenstein


‘A mad scientist toils in secret. His experiments defy nature. His creatures destroy life.’


Originaltitel: Terror! Il castello delle donne maledette (1974)
Regie: Dick Randall
Drehbuch: Mario Francini, William Rose, Mark Smith & Roberto Spano
Darsteller: Rossano Brazzi, Michael Dunn, Edmund Purdom FSK: 16


Dieses Gutachten präsentiert ihnen Genz, der Sleaze-Zwerg.

Oh Italien! Deine Landschaften sind schön, deine Küche auch und deine Frauen nicht minder. Aber deine Filme, hinter den sieben Bergen, auf denen Burgen stehen, die nachts von Gewittern umtost werden, bei den sieben humpelnden Laborassistenz-Zwergen, sind noch viel, viel schöner. Vor Allem schön bunt.

Aber der Reihe nach: Graf Doktor Frankenstein haust auf seiner Burg (auf dem Berg) mit seiner Tochter, seinem Morgenmantel und allerlei Handlangern. Da ist der Zwerg Genz, der Bucklige Kreegin, Diener Igor und Luciano Pigozzi, der italienische Peter Lorre.

"Ja, Geliebte. Dies ist das letzte bekannte
Exemplar der Monobrauen-Indianer."
Mithilfe dieser kunterbunten Schar versucht der leicht derangierte und reichlich skrupellose Doktor, einem kürzlich geklauten Neandertaler (wait for it!) ein Gehirn einzupflanzen. Als Frankenstein den Zwerg aus seinen Diensten entlässt, weil dieser es versäumte, seine klitzekleinen Fußspuren vom Tatort zu fegen, schwört der Gnom dem Grafen Rache. Einen Verbündeten findet Genz in einem zweiten Neandertaler (no, no, wait!), der mit einem Schaf an der Leine und einem Kuhfell bekleidet durch die Wälder der Gegend streift und in einer Höhle nahe der Burg haust. Gemeinsam entführen sie Frankensteins Tochter, aber der Graf selbst hat gerade alle Hände voll mit weiblichem Besuch und mir ist auch schon ganz anders…

Kinder, ihr lest’s ja selber. Hier herrscht der Trash with a big capital T.
’Die Leichenfabrik des Dr. Frankenstein’ ist klassische frühe Siebziger Italo-Exploitation mit kunterbunten Sets, in denen es leuchtet und brodelt, einem Plot an der Grenze zur Sinnlosigkeit, ein bisschen Gewalt und einigen nackten Tatsachen.

Dieser Zwerg hat wirklich einen immensen Bedarf an voyeuristischen Aktivitäten.

Ein gutes Viertel der Spielzeit wird damit verbracht, irgendwelche Szenen in Fahrt zu bringen, in denen diverse Perverse adrette Damen beim Entkleiden, Baden und Fummeln ausspionieren. Dabei bedient man sich natürlich der klassischen Möglichkeiten eines Spukschlosses: Gemälde, in denen die Augen ausgeschnitten sind und Geheimgänge, die zu Kuckfenstern hinter Uhren führen. Überhaupt gibt es in der "Leichenfabrik" alles, was zu einer solchen Location gehört: Ein Laboratorium voller wabernder Gefäße, eine Höhle mit einem Natur-Whirlpool, in dem man ebenfalls Frauen beim Baden bespitzeln kann und Hände, die hinter Vorhängen hervor grapschen. Die Burg selbst wird alle 15 Minuten durch ein Insert als auf einem Berg stehendes Unwetter-Kastell in den Film geschnitten, komplett mit Blitzen und pfeifendem Wind. Optisch ist der Film ein Hauptspaß und mit Gestalten bevölkert, deren Gebaren zum Schenkelklopfen einladen. Da ist der Graf mit dem irren Akzent, der seinen Diener Hans mit "Häns, pay ättenschen!" anredet, die beiden grunzenden Urmenschen, die einem unausweichlichen Showdown miteinander entgegen wanken, die alte Runzelrübe Luciano Pigozzi, der noch jeden Film mit irrem Blick bereichert hat und eine handvoll Weibsbilder, die sich nicht zu fein dafür sind, im Minutentakt die Hüllen fallen zu lassen.
Kurz vor dem letzten Drittel eine ausschweifende Rückblende zu bringen, wäre in jedem anderen Film dramaturgischer Selbstmord. Hier lacht man einfach weiter.

"Aber meine Herrschaften! Ich versichere ihnen,
dass der Zwerg ihre Frauen nicht mehr belästigen wird."

Und so schön herzhaft gelacht, wie bei ’Die Leichenfabrik des Dr. Frankenstein’ hab ich schon lange nicht mehr. Abgesehen von ein paar Längen, in denen fein gekleidete Herrschaften ihren Brandy im Salon zu sich nehmen und mal gerade keine Buckligen, Zwerge, Neandertaler oder ähnliches Volk vor knallbunten Sets durchs Bild huschen, gibt es hier ununterbrochen etwas zu erleben, was der erlesene Geschmack vielleicht nicht als hohe Kunst würdigt, aber als rattenscharfe Debilo-Unterhaltung willkommen heißt.



PS:

They fight and bite and fight and bite and fight.
Fight, fight, fight, bite, bite, bite...


Hudson