Frankensteins Island


‘The power is 7,000,000 volts--it's alive!’


Originaltitel: Frankenstein Island (1981) Regie & Drehbuch: Jerry Warren
Darsteller: Robert Clarke, Steve Brodie, Cameron Mitchell FSK: unbekannt


Aus der Abteilung: Mett Scientist auf mein täglich Brot (aka: Es wird Zeit, endlich unseren Poll zu erneuern).

Zur Einstimmung etwas Labor-Kolorit...

Nach ‘Frankensteins Fluch‘, ‘Frankensteins Braut‘, ‘Frankensteins Todesrennen‘, ‘Frankensteins Horrorklinik‘, ‘Frankensteins Leichenfabrik‘, ‘Frankensteins Kung Fu Monster‘ und ‘Frankensteins Tante‘ nun also ‘Frankensteins Insel‘, ein Film, der angeblich aus dem Jahre 1981 stammt, aber aussieht und klingt, als hätte er sich seinen Weg zu uns aus einem muffigen Paralleluniversum der 60er Jahre gebahnt.

IT'S... (John Carradine)
Die ersten Alarmglocken schrillen bereits, als John Carradine auf dem Backcover in einer Rolle als irrer Wissenschaftler angepriesen wird. Das ging meiner Erfahrung nach bislang nie gut, aber selbst meine ausgiebigen Flausen-Abenteuer in Gesellschaft dieses greisen Giganten der ‘Copy & Paste‘-Dramatik (a la ‘Evil Spawn‘ und ‘Die Todesfarm‘) konnten mich nicht auf den folgenden Trollrotz vorbereiten.

Zu Musik, die nach schinkigem Sixties-Epos klingt und den Zuschauer in der Erwartung lässt, jede Minute könnten Yul Brynner, Kerwin Matthews oder Barbara Eden um die Ecke schneien, erleben wir die Bruchlandung einer Handvoll schlecht frisierter Helden im Heißluftballon. Was trieb sie hierher? Ich wüsst‘ es selbst zu gern, aber der verbockte Ton und die nuschelige line delivery der sichtlich desinteressierten Darsteller rufen mehr “WAT?“ als “Aha“ hervor.

"Willkommen auf unserer öden Insel.
Ihr habt ja ein süßes Hündchen, aber
IHR SEID ALLE VERFLUUUUUUUCHT!"
In bester Insel-Abenteuer-Tradition durchqueren die Herren eine gruselige Grotte und kommen auf der anderen Seite im Lager der Amazonen des Tierprintbikini-Stammes an, von dessen Mitgliedern sie erst einmal mit Kokosöl eingerieben werden. Es folgt der obligatorische, aber hinreichend überzeugende Paarungstanz, bei dem die Midriff-Miezen auch gerne mal mit Schlangen spielen und Dampf aus einem Schädel inhalieren. So weit, so lala. Man will sich ja nicht über halbnackte Damen beschweren, seien sie noch so albern aufgemacht.

Doch was ist das? Ein Rüpel in der klassischen Aufmachung eines Straßenräubers (schwarzer Rollkragenpulli, schwarze Strickmütze, schwarze Sonnenbrille und helle Schlaghosen, also genau das richtige Outfit für so ‘ne tropische Insel) greift sich im Busch eine der Dancing Queens, mit der Absicht, sie zu verschleppen. Auf der Spur des Kidnappers gelangt die Gefolgschaft ins Anwesen des titelgebenden Dr. Frankenstein, der zunächst jedoch lediglich als waberndes ‘John Carradine‘-Hologramm über den Geschehnissen lauert. Die körperlich präsentere Herrin des Hauses stellt sich ihren Besuchern schließlich mit unübersichtlichem Dekolleté, einer Magnum-Pulle Cognac im Arm und folgenden Worten vor:

“My best brandy. The oldest in stock. I’m Sheila Frankenstein.” (Zitat, ne)

Nun ja, möglich, dass selbst ich mich meinen Gästen schon auf der einen oder anderen Party mit “Stier Bier aus der Stiege. Willkommen beim Hatzen ausm Forum!“ oder “Sauerkirsch, 40 %. Tag auch! They call me Flausen-August.“ begrüßt habe, aber förmlich ist anders.

Wenig förmlich (geradezu unförmig) präsentiert sich auch Gaststar Cameron Mitchell (‘Eine Handvoll blanker Messer‘), in der Rolle eines stark alkoholisierten Seemannes, der in einer Gefängniszelle des Anwesens vor sich hin rottet und daherkommt wie ein Überlebender der Knast-Episode aus Dr. Klans Todesfestung im ‘Kentucky Fried Movie‘.

“Was willst du trinken?"
"Das will ich nicht wissen."

Als auch weitere Schergen in der Traditions-Uniform der Straßenräuber auftauchen und sich als gehirnmanipulierte Versuchsobjekte mit Henchmen-Ambitionen entpuppen, Lady Sheila von den absurden Machenschaften des Hausherren prahlt und in ausführlichen Monologen kackfrech ein Franchise-Crossover promotet (“This is my husband, Dr. Van Helsing, the assistant of Frankenstein!”), wissen die Neuankömmlinge, dass gewaltiger Ärger ansteht.

Ich meine, machen wir uns nichts vor: Die irre Blondine führt die Herrschaften nicht durch das hauseigene Gefängnis, das wahnwitzige Laboratorium und den gemütlichen Melonengarten, erläutert ihnen die grausamen Experimente und ihre größenwahnsinnigen Absichten und lässt sie dann einfach wieder ihres Weges ziehen.

Brainwashed Imports from Thugs'R'Us

Wo jeder andere Film (zumindest jeder zweite oder jeder, dessen Macher etwas von Dramaturgie verstehen) jetzt die Spannungsschraube anziehen würde, dreht man bei ‘Frankensteins Island‘ nur die Däumchen und der entnervte Zuschauer bald am Rad.
Ohne unterhaltsame Umschweife verlieren die Protagonisten sich in Unmengen von wissenschaftlichem Wirrsprech und teilnahmslosem Technobabble (“She’s the daughter of a strong woman. The parallel to pure alien.“ Say what?). Ununterbrochen wird an kuriosen Apparaten herumgeschraubt, um Frankensteins greisem Zausel-Sekundanten Van Helsing eine Bluttransfusion zu gewährleisten.
Wer also dachte, nach der uninspirierten Latscherei durch langweilige Limettenheine könnte es unmöglich noch piefiger werden, der wünscht sich bald das Tageslicht der öden Outdoor-Locations zurück. Da liefen wenigsten hin und wieder die Fellschürzen-Frauen durchs Bild.

Ich weiß genau was ihr denkt:
“Halbnackte Miezen mit Risenknarre?! Da muss ich hin, was mach ich noch hier!“
Was ihr nicht wisst: Die Knarre zielt auf das letzte bisschen Restverstand in eurer Murmel, die von solchen falschen Verlockungen längst ausgehöhlt wurde.

Bis auf das urig ausschauende Labor-Equipment und ein paar Spinnen und Schlangen gibt es bei ‘Frankensteins Island‘ auch keinerlei Schauwerte, die nur in die Nähe des Begriffes ‘production value‘ kämen. Die Inszenierung ist so hohl und altbacken wie die Prämisse, den Tonschnitt hat‘s völlig verhauen, die Beleuchtung ist ein Witz und die gesamte Produktion macht den Anschein, als sei sie vom Schatten umnachteter Intention verhüllt.

YIKES!
Ich weiß nicht, wie oft ich das schon moniert habe, aber das Schlimmste bei dieser Art von Film ist das Abhandensein jeglicher Dimensionalität bei den Figuren. Es gibt keinerlei Ecken und Kanten, an denen sich der Zuschauer festhalten kann. Auf der Suche nach einem Körnchen Persönlichkeit hoppeln die lustlosen Gestalten ohne Motivation (abgesehen von dem Drang, diese Insel und diesen fruchtbaren Film schnellstmöglich zu verlassen) durch die Sets und reiten sich und ihr Publikum dabei immer tiefer in die Scheiße.
Es ist keine Schande, ohne vernünftiges Budget an den Start zu gehen, aber gerade dann muss den Charakteren irgendetwas an den Schuh geklebt werden. Traurigerweise ist das einzige, was man diesbezüglich in diesem Film voller Stehgeigen bekommt, Cameron Mitchell als verzweifelter Irrer, der im Suff gerne Poe zitiert. Und das ist genau so dünn, wie es sich anhört.

John Carradines Beteiligung beschränkt sich erneut auf kurz eingestreute Aufnahmen, die wahrscheinlich irgendein Produktionsassistent während der Mittagspause im Altenheim mit ihm gedreht hat. Nachdem er zunächst in Form eines Fotos auf dem Beistelltisch seines Kollegen erscheint, gibt es Carradine später im Film als Hologramm im Nachthimmel, welches von den ortsansässigen Leotard-Liebchen herbeigebetet wurde. (Auch wieder einer dieser Sätze, von denen ich nie geträumt hätte, dass ich sie mal zu Papier bringe.)

Hey, ich zitiere hier nur!


Den (haargenau) gleichen Auftritt absolviert er später erneut in einer Höhle, von der aus er - in einem Paradebeispiel des vielbesungenen Kreislauf des Lebens - als frisch beschworener Geist Frankensteins selbst das berühmte Frankenstein-Monster beschwört, welches scheinbar seit geraumer Zeit in einem Höhlentümpel auf sein Stichwort wartet und jetzt zum Angriff grunzt.

Bock auf 'ne Runde 'Thriller'?

Ich gebe zu; das Finale, in dem sich das Monster und die Hirnzombies mit den Inselschnitten und den vier Pappkameraden, die hier als Protagonisten herhalten müssen, gegenseitig die Fresse polieren, sorgt für ein paar Lacher, aber bis es dazu kommt, ist die Milch schon sauer und die Chauvis sind an der Macht:

Meanwhile, in a Galaxy not far away...
Erster Mann (unfähig, seinen eigenen Arsch zu retten): “Do you know, what a machine gun looks like?“
Frau (im Tierprint-Bikini, die noch nie mit irgendeiner Zivilisation jenseits ihres Bingo-Bongo-Tanzclubs in Berührung gekommen ist): “Uhm… I think so.”
Zweiter Mann (ungeduldig, kann nicht glauben, dass diese blöde halbnackte Kuh den Ernst der Lage nicht erkennt): “Ooouuuuh, about-this-long, it-shoots-bul-lets!?“

Man munkelt, dass Cameron Mitchell und John Carradine nach den Dreharbeiten von den Machern einfach nebst Set-Bauten und Restmüll vor Ort zurückgelassen, und später von Fred Olen Ray dort aufgelesen wurden. Beweisen kann ich das natürlich nicht. Die meisten Beteiligten dieses Filmes sind längst tot. So auch der sonst immer gern gesehene Mitchell und Altstar Carradine, bei dessen Anblick ich gar nicht mehr anders kann, als an Bruce Campbells Worte aus ‘Alien Apocalypse’ zu denken: “Ich sage es ungern, aber [er] ist jetzt ein alter Mann, der aus dem Fenster starrt.“
Ein bisschen tut es mir Leid für die Generation von Filmfreunden, die Carradine nur aus seinen Senilo-Ausschnitten innerhalb solcher Patchwork-Pannen kennt. Aber genug der selbstreferentiellen Sentimentalitäten. Ich bin nicht hier, um diesen Film zu betrauern, ich bin hier, um ihn zu begraben.

Das kann ruhig als Fazit verstanden werden!

Nach 10 Minuten hoffte ich, dass ‘Frankensteins Island‘ besser wird. Nach 20 Minuten wurde mir klar, dass das nicht passieren würde. Nach 30 Minuten wünschte ich mir, er wäre zu Ende. Nach 45 Minuten war ich am Ende. Nach 70 Minuten, als der Abspann über den Bildschirm dudelte, hatte mir das Erlebnis die Lust auf weitere Filme komplett verbockt. Und das, liebe Freunde, schaffen wirklich nur die ganz miesen Mistmauken. Was vom Tage übrig blieb, waren knapp 1500 Wörter, die ich trotzdem in Anspruch nehmen musste, um euch zu überzeugen, was euch womöglich ohnehin schon klar war. Aber das geht auf meine Kappe, meine Eitelkeit und meine Zeit. Eure ist kostbarer. Finger weg.


Hudson